Sie brachte heimlich einen Säugling zur Welt, steckte ihm Küchenpapier in den Mund und ließ ihn hilflos zurück: Wegen Mordes muss eine 23-Jährige nun lebenslang ins Gefängnis. Nach sechs Prozesstagen hat die Schwurgerichtskammer am Landgericht Ravensburg die Frau aus dem Landkreis Konstanz verurteilt. "Das Kind war Störfaktor und musste weg“, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Maier in der Urteilsbegründung.

Angesichts des direkten Tötungsvorsatzes und der „planerischen Energie“ sei die Angeklagte voll schuldfähig. Das Gericht folgte damit dem Strafantrag von Oberstaatsanwalt Matthias Inselsberger der von einem erschreckenden Ausmaß an „Entsorgungsmentalität“ sprach. Die Verteidigerin Rebecca Worm sagte, ihre Mandantin sei weder, wie in sozialen Medien dargestellt, ein Ungeheuer noch Mörderin und plädierte für eine vierjährige Freiheitsstrafe wegen Totschlags.

Keine Antwort zum Motiv

Rückblende: Auf der Rückfahrt von einem Urlaub am Wörthersee mit dem Partner und Freunden am 24. Mai 2017 hatten bei der Frau die ersten Wehen eingesetzt. An der Bundesstraße bei Rulfingen im Kreis Biberach bringt die Frau in der Nähe eines Aussiedlerhofes neben Strohballen ihr Kind zur Welt. Als das kleine Mädchen zu schreien beginnt, hält ihm die Mutter den Mund zu und stopft dem Baby Blätter einer Küchenrolle hinein.

Todesursache, erinnert Richter Maier, „war ein acht Zentimeter langer Stopfen, bis in den Rachen eingeführt“. Zurück blieb ein totes Baby, das später den Namen Julia bekam, und eine blutverschmierte Jeanshose, die Tage später auf die Spur der Frau führte.

Die Angeklagte hatte sich zu Prozessbeginn zu der Tat bekannt und alle Fragen beantwortet. Die Antwort zum Motiv blieb sie schuldig. Von Angst ist immer wieder die Rede, ohne hier Gründe nennen zu können. Und da war die von allen Zeugen geschilderte kategorische Verleugnung der Schwangerschaft.

Angeklagte zeigte keine Regung

Der psychiatrische Sachverständige Hermann Aßfalg vom Zentrum für Psychiatrie Weißenau erinnerte in seinem einstündigen Gutachten zwar daran, dass die junge Frau mit 17 Jahren einmal schwanger gewesen sei, nach brutalen Schlägen des Partners einen Schwangerschaftsabbruch erlitten habe, eine dauerhafte Auswirkung aber nicht erkennbar sei. "In diesem Fall handelte es sich nicht um eine verdrängte, sondern um eine aktiv verheimlichte Schwangerschaft“, sagte er. Niemand sollte etwas mitbekommen.

Die Angeklagte zeigte keinerlei Regung. Und das, obwohl das Plädoyer des Oberstaatsanwalts auffallend hart ausfiel. Er warf der Angeklagten vor, ihr Verhalten sei „von besonders krasser Selbstsucht geprägt“ gewesen.

Sie habe befürchtet, ihr neues Leben mit Partner, Hund und Freunden zu verlieren. Sie hätte sich um das Thema Babyklappe kümmern müssen: "Das hat sie nicht gemacht."