Die Arbeit geht den Richtern am Landgericht Ravensburg förmlich nicht aus. Im Jahr 2017 gingen 1816 Verfahren bei den Zivilkammern ein, bei den Strafkammern wurden 82 Verfahren begonnen. Wie Landgerichtspräsident Thomas Dörr bei einem Pressegespräch erläuterte, wären 29 Richterstellen nötig, um die Arbeit zu erledigen. "Derzeit haben wir 26 Richter, deshalb müssen in Einzelfällen auch Verfahren liegen bleiben", so Dörr. Zwar konnten 2017 zwei neue Richter eingestellt werden, trotzdem seien weitere Stellen nötig, um die Verfahrenslaufzeiten kurz zu halten.

Stark beschäftigt das Landgericht die steigende Anzahl an Mord- und Totschlagsverfahren. Allein 14 dieser Fälle landeten 2017 bei der Schwurgerichtskammer. "Dazu sehen wir eine starke Tendenz zu mehr Verhandlungstagen", erklärt Dörr. Allein der Prozess gegen einen 46-Jährigen, der des Mordes an seiner getrennt lebenden Ehefrau beschuldigt wurde, dauerte 29 Verhandlungstage. "Normal sind im Schnitt etwa vier bis fünf Tage für ein Verfahren", erläuterte Franz Bernhard, Vorsitzender Richter. Auch der Hoßkircher Mordprozess, bei dem einem 35-jährigen Mann vorgeworfen wird, seine Ehefrau getötet und einen Autounfall vorgetäuscht zu haben, dauert mittlerweile schon 16 Tage, weitere Verhandlungen sind anberaumt. "Natürlich wird gerade bei den Mordfällen vor Gericht viel gekämpft und gerungen, denn es geht ja um lange Strafen, die den Angeklagten drohen", erläutert Bernhard.

"Es gab 2017 einige aufsehenerregende Prozesse", so Bernhard. Darunter der Fall einer Mutter, die ihr Baby tötete, eines Syrers aus Biberach, der einen Anschlag für den IS in Kopenhagen plante oder der tragische Fall eines 16-Jährigen aus Mittelbiberach, der während der Fastnacht einen 17-Jährigen mit einem Messer erstach. Auch ein besonderer Fall des Drogenhandels ist Bernhard im Gedächtnis geblieben. "Der Angeklagte hatte im Darknet Drogen angeboten und sich dafür sogar ein echtes Büro angemietet", erzählt der Richter. Doch er wurde am Ende zu sieben Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Aber auch im zivilrechtlichen Bereich gab es viele Verfahren, die das Landgericht beschäftigten. "Zwar ging die Zahl der Fälle insgesamt zurück, trotzdem nehmen sie an Komplexität zu", so Dörr. Insgesamt werde vor Gericht heftiger gestritten, auch die Zahl der Sachverständigengutachten nimmt ständig zu. Auch für dieses Jahr erwartet Landgerichtspräsident Dörr keine Abnahme der Fälle, die verhandelt werden. Und auch wenn er eine weitere Richterstelle bekommen wird, werden doch wieder einzelne Fälle liegen bleiben müssen.