Der Kabarettist mit dem unverkennbaren Akzent und der orangefarbenen Trainingsjacke, der in Deutschland als Klischee-Franzose und leicht vertrottelter Reporter mit übergroßem Puschelmikrofon Karriere machte, kam 1991 nach Hamburg.

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Nach 25 Jahren erhielt er einen Brief von Olaf Scholz, damals erster Bürgermeister, der ihn einlud, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Ein Vorschlag, der ihm angesichts seiner Herkunft und Familiengeschichte zunächst absurd erschien. Der Urgroßvater wurde in Auschwitz vergast, die geliebte Großmutter musste nach ihrer Flucht aus dem KZ zwei Tage reglos in einem Heuhaufen ausharren und das Bild, das "Alfons" von einem deutschen Mann hatte, war geprägt von den Filmen, die er in seiner Jugend gesehen hatte. In diesen Filmen trugen alle Deutschen Stahlhelme und fuhren Mopeds, mit denen sie früher oder später an einem Verkehrszeichen oder im Bach landeten. Doch je länger das Amtsschreiben an seinem Kühlschrank hing, desto präsenter wurden die Erinnerungen an die glückliche Kindheit in Frankreich und das innere Ringen.

Lebensgeschichte wird zu Bühnenprogramm

Aus all dem hat "Alfons" jetzt ein Bühnenprogramm gemacht, das für ausverkaufte Säle sorgt. So auch am Donnerstag im Konzerthaus in Ravensburg, wo Emmanuel Peterfalvi, einfühlsam umspielt von der Sängerin Julia Schilinski, die Zuhörer mit dieser, seiner wahren Geschichte verzauberte. Mal anrührend, dann mit feinem Humor und immer authentisch, erzählte der sympathische Pariser vom Leben mit seiner geliebten "Grandmère", die ihn "petit tête" (kleiner Kopf) nannte. Eine lebenskluge Frau, die nichts mit Musik anfangen konnte, aber den Radetzkymarsch liebte, die Auschwitz überlebte und sich trotzdem nach dem Krieg mit dem KZ-Aufseher Karl-Heinz befreundete und die alle Leute mit einer magnetischen Plastikfliege aufs Glatteis führte – sogar François Mitterrand.

Jeder Mensch kann selbst entscheiden

Diese Großmutter hatte einen Tresor, dessen Zahlencode sie nie verraten hat. Erst nach ihrem Tod kam Alfons auf die Idee, ihre Auschwitznummer einzugeben. Im Tresor fand er einen Brief mit der Botschaft: Jeder Mensch trägt eine Taschenlampe in sich und jeder Mensch kann selbst entscheiden, wohin der Lichtkegel fällt. Die Großmutter hatte entschieden, niemanden zu hassen, "Alfons" hat sich daraufhin von ganzem Herzen entschieden den Einbürgerungstest zu machen und die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Die Urkunde hat ihm Olaf Scholz persönlich überreicht und er fühlte sich nach eigener Aussage sehr geehrt, auch wenn er nur einer von 150 war.

"Alfons" hat auch Fotos und Filmschnipsel dabei

Und wenn "Alfons" jetzt auch deutsche Verkehrsregeln beachtet, heißt das nicht, dass ihm der spitzbübische Witz abhandengekommen wäre, mit dem er die Leute aufs Glatteis führt, so wie es einst die Großmutter mit ihrer Fliege tat. In Ravensburg hat er eine scheinbar beliebige Einbürgerungstest-Frage in den Saal geworfen. Und weil niemand das Gründungsjahr der DDR auf Anhieb wusste, riet "Alfons": "Fragen Sie einen Asylanten, der kann ihnen weiterhelfen." Für alle, die zum Schluss noch immer an seiner Geschichte zweifelten, hatte "Alfons" wunderschöne Familienfotos und lustige Filmschnipsel nach Ravensburg mitgebracht.