Was verbindet den Google-Manager Frederic Pferdt mit dem TV-„Bergretter“ Sebastian Ströbel und dem Fotografen Guido Mangold, der als Entdecker von Uschi Obermaier gilt? Einfache Antwort: Alle stammen aus Ravensburg und haben in der städtischen Veranstaltungsreihe „Heimspiel“ im Humpisquartier aus ihrem Leben erzählt. In diesem Jahr war eine Frau zu Gast: Ursula Ott (53), Chefredakteurin von „Chrismon“, dem evangelischen Magazin.

Als Kind hat sie viel „fabuliert“ und eine Lehrerin soll ihr prophezeit haben: "Du wirst sicher mal Kinderbücher schreiben“. Daraus wurde zwar (noch) nichts. Dafür gebundene Gedanken über „Was die Liebe aushält“, über „Schön scheitern“ und über eigene Erfahrungen mit der Steuerprüfung „Total besteuert“. Aber zurück zur Kindheit: Evangelisch zu sein, sei damals, in den 60er Jahren, nicht lustig gewesen sein. Im dominierend- katholischen Ravensburg. Und dann der leise Satz: "Ich bin sehr evangelisch“. Ursula Ott ist eine begnadete Erzählerin und es wundert nicht, dass ihre Kolumne „Erledigt“ in „Chrismon“ so wunderbare Reaktionen wie die bekommt: "Ich bin wirklich nie Ihrer Meinung, aber Sie erreichen mich dennoch jedes Mal.“

Die pointierte Schreibe hat sich die Ravensburgerin hart erarbeitet: Nach dem Abitur folgte das Journalistik-Studium in München und Paris. Gerichtsreporterin bei der „Frankfurter Rundschau“ („eine Superstation für das Mädchen vom Land“), Redakteurin bei Alice Schwarzer und „Emma“, „Brigitte“-Kolumnistin und oft gefragt in Funk und Fernsehen. Ursula Ott über ihre Karriere: „Ich war eine Streberin.“ Und Alice Schwarzer imponiert ihr immer noch.

So geht das bunt hin und her im historischen Humpis-Gemäuer. Unter den Zuhörern ein ehemaliger Lehrer, der sich lobend zum Papier des evangelischen Magazins „Chrismon“ äußert. Na endlich. Seit 2014 ist die gebürtige Ravensburgerin Chefredakteurin eines Magazins, das viele nicht einmal vom Namen her kennen. Dabei hat „Chrismon“, zu zwei Drittel durch Kirchensteuern finanziert, die stolze Auflage von 1,6 Millionen, ist vielen Lesern allerdings nur deshalb vertraut, weil sie es als Supplement mit der „Zeit“, der „Süddeutschen Zeitung“, der „Welt“ oder der FAZ bekommen. Mit einer oft überraschenden und bunten Themenvielfalt: Ein spannendes Streitgespräch über Armut, Steuern und Gerechtigkeit ist da zu lesen, man kann den Spuren der Reformation folgen oder – Überraschung- Fußballtrainer Jürgen Klopp spricht in „Chrismon“ darüber, dass der Glauben „seine Reißleine und Leitlinie“ ist.

Aber zum Schluss findet Ursula Ott mitHilfe des Moderators thematisch zurück in die Heimat, fühlt sich da wie in Italien. Bevor es ganz vergessen wird: den Chefredakteursposten teilt sie sich mit Arnd Brummer, Mitherausgeber von „Chrismon“. Der verbrachte seine Jugend in Konstanz und war einige Zeit Programmchef beim „Seefunk-Radio“.