Der Jazz hat es in der Bodenseeregion oft schwer. Sehr viel leichter findet er sein Publikum, wenn Jazzkonzerte im Rahmen eines Festivals organisiert werden – und wenn eine Linie gefunden wird, die nicht nur beinharte Jazzfans zufriedenstellt.

Eröffnung mit Max Mutzke

So wie beim Trans4JAZZ-Festival 2017 in Ravensburg, das an diesem Mittwoch, 20 Uhr, im Konzerthaus eröffnet wird – von Max Mutzke, den man nicht mehr vorzustellen braucht. Gerade in Friedrichshafen kennt man seine Bühnenqualitäten: Mit Liedern zwischen Pop, Soul und Jazz hat Mutzke schon zweimal das Kulturufer aufgemischt; und unter drei Stunden ging er nicht von der Bühne. In Ravensburg tritt er mit seiner dreiköpfigen Band „monoPunk“ auf.

Max Mutzke wird wohl wieder viel Kondition auf der Bühne zeigen.
Max Mutzke wird wohl wieder viel Kondition auf der Bühne zeigen. | Bild: Veranstalter

Zwei Konzerte ausverkauft

Leider schon ausverkauft ist das Konzert des Schlagzeugers Simon Phillips und seiner Band Protokoll IV an diesem Donnerstag in der Zehntscheuer. Phillips begann seine Karriere als Milchgesicht in den 70er-Jahren und entwickelte sich rasch zum Superdrummer, der in allen Stilen zu Hause ist. Die Namen der Musikergrößern, mit denen er Platten einspielte, füllen Folianten.

Ebenfalls ausverkauft ist und das Konzert von Iiro Rantala (Klavier) und Ulf Wakenius (Gitarre) am Freitag in der „Linse“ in Weingarten – ein weiteres Duo, mit dem Siggi Lochs Label ACT sein Konzept verfolgt, Musiker aus dem eigenen „Stall“ in originellen Verbindungen aufeinandertreffen zu lassen. Die Duo-Besetzung Klavier und Gitarre ist keineswegs alltäglich.

Bei freiem Eintritt spielt in der Zehntscheuer an diesem Samstag um 11 Uhr die Band „Archie Banks“ aus Stuttgart. Dabei wird es eng auf der Bühne, denn die Combo besteht aus sieben Musikern, die Jazz mit Rap und Funk verbinden. Posaune, Bass, Klavier, Schlagzeug und Saxofon legen die Basis für die Rhymes von Calvin Bynum und Daniel Denmark, die sich Stücke von Rakim, Jay Z, James Brown und Tupac Shakur vorknöpfen.

Finale mit großen Namen

Die größten Namen bewahrt sich das Festival aber für den Schluss auf: zum einen Candy Dulfer, zum anderen Paolo Fresu. Candy Dulfer ist immer für eine groovige Party gut. Funk, R’n’B und Jazz verbindet die Holländerin auf dem Saxofon und als Sängerin zu einer eingängigen Mischung. Wer Radio hört, kommt auch heute um ihren alten Hit „Lily was here“ nicht herum, den sie zusammen mit Dave Stewart (Eurythmics) geschrieben hat. Fast 30 Jahre sind seither vergangen, die man Candy Dulfer keineswegs ansieht. Und dass sie an Drive eher noch zugelegt hat, zeigt ihr jüngstes Album „Together“. Wenn sie am Samstag, 11. November, um 20 Uhr mit sechsköpfiger Band im Ravensburger Konzerthaus auftritt, verspricht das ehrwürdige Gemäuer zur Großraumdisko zu werden. Freilich handelt es sich um ein Stehkonzert.

Bebo Ferra (links) und Paolo Fresu bestreiten am Sonntag das letzte Konzert des Festivals.
Bebo Ferra (links) und Paolo Fresu bestreiten am Sonntag das letzte Konzert des Festivals. | Bild: Eros Maggi

Ganz anders Paolo Fresu: Der Trompetenstar aus Sardinien bestreitet mit dem Gitarristen Bebo Ferra ein sehr lyrisches Konzert am Sonntag, 12. November, um 17 Uhr in der evangelischen Stadtkirche Ravensburg. Beschaulich wird der gemeinsame Auftritt aber beileibe nicht: Fresu und Ferra sind gut aufeinander eingespielte Duopartner, die sehr intuitiv und spontan aufeinander eingehen. Fresu wird zudem Flügelhorn spielen und elektronische Effekte bleiben auch nicht außen vor.

Karten gibt es bei der Tourist-Information Ravensburg unter Telefon 07 51/8 28 00 und an der Abendkasse.