Der Prozess ist geplatzt. Geschätzte Verfahrenskosten von rund 100 000 Euro sind nutzlos. Und der Indizienprozess gegen den 35-jährigen Hoßkircher, dem die Tötung der Ehefrau und Vortäuschung eines Autounfalls im Februar 2017 vorgeworfen wird, muss wieder von vorn beginnen.

Im Ravensburger Landgericht bemühte man sich gestern trotz spürbarer Verärgerung um Zurückhaltung. Gerichtspräsident Thomas Dörr: "Wir sind doch einigermaßen überrascht, dass so etwas passiert!“ Elementare Regeln der Schöffenarbeit lauten: Rede mit niemandem in- und außerhalb des Gerichtssaals und gib keine Kommentare ab. Denn, so die Strafprozessordnung (StPO): Ein Schöffe darf nicht mehr am Verfahren teilnehmen, „wenn ein Grund besteht, der geeignet ist, Misstrauen gegen die Unparteilichkeit zu rechtfertigen“.

Im vorliegenden Fall überrascht es nicht, dass die mit drei Berufsrichtern, einem Schöffen und einer Schöffin besetzte 1. Schwurgerichtskammer mit dem Vorsitzenden Richter Stefan Maier die Schöffin nach intensiver Beratung wegen Befangenheit ausschloss. Denn eine Fortsetzung des Prozesses und ein Urteil hätte Munition für eine Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH) geliefert. Ein sachkundiger Beobachter: "Angesichts der unstrittigen Fakten konnte die Kammer gar nicht anders."

Wie geht es weiter? Für die Schöffin bleibt das Verhalten folgenlos. Sie kann weiter als Laienrichterin eingesetzt werden, meint der für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Richter Franz Bernhard. Erspart blieb ihr immerhin, dass ihre Befangenheit – wie ursprünglich vorgesehen – im Rahmen des gestrigen Verhandlungstags publik wurde.

Auf die am Limit belastete Strafkammer aber kommt viel Arbeit zu: Zahlreiche neuer Termine müssen mit der Verteidigung abgestimmt werden. Der Fortbestand der Untersuchungshaft für den Angeklagten muss gegenüber dem Oberlandesgericht (OLG) in Stuttgart begründet werden. Sollte der Prozess irgendwann im Herbst neu beginnen, „wird es mit den Zeugenaussagen nach so langer Zeit immer schwieriger“, meint Richter Bernhard. Und ergänzt: "Das ist ein ganz misslicher Umstand für das Landgericht." Für Präsident Dörr ist angesichts der bevorstehenden Schöffenwahl 2018 klar: Die neuen Laienrichter müssen noch intensiver geschult werden müssen.