Staatsanwalt Julian Mayer benötigte mehr als eine Stunde, um vor Gericht alle Details rund um die 84 Betrugsfälle zu verlesen. Vor dem Landgericht Ravensburg müssen sich seit Dienstag zwei gebürtige Häfler wegen Anlagebetrugs verantworten. Die beiden sollen ab dem Jahr 2000 eine Vielzahl von Kunden um insgesamt eine Million Euro betrogen haben. Statt wie vereinbart in sichere Anlagen hätten die Angeklagten teils in hochspekulative Geschäfte investiert. "In vielen Fällen wurde das Geld der Kunden zum Stopfen von Löchern oder von den Angeklagten für private Zwecke genutzt", so Mayer. Für die Mehrheit der Kunden sei ein Totalverlust ihres Geldes die Folge gewesen.

Angeklagt wurden die beiden Männer bereits vor einigen Jahren. Der Prozess wurde immer wieder verschoben, unter anderem weil "derzeit nur noch Haftsachen verhandelt werden", hieß es in einer Telefonnotiz aus dem Jahr 2016, die vom Vorsitzenden Richter Stefan Maier in der Verhandlung verlesen wurde. Inzwischen sind mehr als die Hälfte der Fälle verjährt, erklärte er. Weitere würden noch in diesem Jahr verjähren. Klammere man zudem Fälle mit Kleinbeträge aus, blieben noch zwölf Fälle übrig. Eine Freiheitsstrafe schloss er damit aus und stellte eine Geldstrafe in Aussicht.

Die Angeklagten gestanden die Taten in den zwölf verbliebenen Fällen. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.