In der Gesamtschau kann die Gemeinde Owingen trotz der zahlreichen Störfeuer durch die Corona-Pandemie mit einiger Genugtuung auf das schwierige Jahr 2020 zurückblicken. Unter der Regie von Bürgermeister Henrik Wengert schloss die Kommune mehrere Etappenziele ab, etwa das Richtfest für das Großprojekt Feuerwehrhaus. Und es wurden einige Weichen gestellt, wie mit dem Spatenstich zu den „Lebensräumen für Jung und Alt“ ebenfalls in der Ortsmitte. Ein Signal war zudem die Einstellung einer touristischen Fachkraft, dem die Anerkennung als Erholungsort bald folgen soll. Und bei den Finanzen sieht es inzwischen viel besser aus, als nach einer internen Haushaltsbremse des Bürgermeisters im vergangenen April zu erwarten war.

Neue Feuerwehr soll Ende 2021 in Betrieb gehen

„Im Haushalt 2020 können wir voraussichtlich noch einen Überschuss von 2,2 Millionen Euro ausweisen“, sagt Wengert, „und so die Ergebnisrücklagen stärken“. Dazu trug insbesondere eine Gewerbesteuernachzahlung aus früheren Jahren in Höhe von 1,5 Millionen Euro bei. Auch dass sich die weitere Erschließung des Baugebiets Hasenbühl in Billafingen und ein Grundstückserwerb in Hohenbodman verzögert haben, entlasteten die Kasse.

Das könnte Sie auch interessieren

Keine Probleme machte angesichts der guten Kassenlage auch die Finanzierung des Feuerwehrhauses, das mit allem drum und dran mit knapp 5 Millionen Euro zu Buche schlägt. „Zuletzt gab es zwar einigen Verzug bei manchen Handwerkern“, erklärt der Bürgermeister. „Doch wir wollen das neue Gebäude Ende 2021 in Betrieb nehmen.“ Auch die Belebung der grünen Ortsmitte geht weiter. Im Freigelände entsteht hier auch ein professioneller Bolzplatz nach DFB-Kriterien.

Das ursprünglich für Juli geplante Richtfest am neuen Feuerwehrhaus holte die Gemeinde Owingen im September nach. Die Hoffnung, dann schon wieder in größerer Runde feiern zu können, hatte sich allerdings nicht erfüllt.
Das ursprünglich für Juli geplante Richtfest am neuen Feuerwehrhaus holte die Gemeinde Owingen im September nach. Die Hoffnung, dann schon wieder in größerer Runde feiern zu können, hatte sich allerdings nicht erfüllt. | Bild: Hanspeter Walter

Gemeinde lässt Starkregen-Risiko erforschen

Auch an anderer Stelle schreibt Owingen die Prävention groß. „Wir lassen uns ein Gutachten zum Starkregenrisikomanagement rund 90 000 Euro kosten“, betont Henrik Wengert. „Wir wollen wissen, wo unsere Problemlagen sind. Davon profitieren im Ernstfall alle Bürger.“

Das könnte Sie auch interessieren

Starkregen war es auch, der schon vor einigen Jahren mit einem Erdrutsch die kleine befestigte Verbindungsstraße zwischen Billafingen und Nesselwangen regelrecht weggespült hatte. Inzwischen ist im Wald auf einer neuen Trasse ein befahrbarer Wirtschaftsweg gebaut worden, der allerdings nicht asphaltiert ist. Der Weg wurde in Serpentinen angelegt, ist daher weniger steil und seit März 2020 nutzbar.

Musiktage im März sind noch nicht abgesagt

Im März waren auch die 3. Owinger Musiktage von Martin und Lida Panteleev haarscharf am ersten Lockdown vorbeigeschrammt und verzeichneten eine große Resonanz. Die für 5. bis 7. März 2021 geplante vierte Auflage ist bislang noch nicht ganz abgesagt, könnte allerdings nur in abgespeckter Form stattfinden. Wie kreativ der Owinger Kulturkreis ist, hatte er erst im Oktober 2020 bewiesen, als er mit jungen Musikern eine Einschränkungslücke für ein Konzert nutzte.

Das könnte Sie auch interessieren
Zwei Brüder, ein Instrument: Martin Panteleev (links) aus Frickingen ist als Violinist und Dirigent weltweit unterwegs und organisierte zum dritten Mal die Owinger Musiktage – wenige Tage vor dem ersten Corona-Lockdown im März. Dieses Mal konnte er seinen Bruder Vesko Eschkenazy für die Eröffnungsgala gewinnen, der seit vielen Jahren Konzertmeister im „Concertgebouw“ in Amsterdam ist, dem berühmten „Königlichen Konzertgebäude“.
Zwei Brüder, ein Instrument: Martin Panteleev (links) aus Frickingen ist als Violinist und Dirigent weltweit unterwegs und organisierte zum dritten Mal die Owinger Musiktage – wenige Tage vor dem ersten Corona-Lockdown im März. Dieses Mal konnte er seinen Bruder Vesko Eschkenazy für die Eröffnungsgala gewinnen, der seit vielen Jahren Konzertmeister im „Concertgebouw“ in Amsterdam ist, dem berühmten „Königlichen Konzertgebäude“. | Bild: Hanspeter Walter

Bei den „Lebensräumen“ geht es „flott voran“

Ein wichtiger Schritt für die Entwicklung der Gemeinde, die inzwischen mehr als 4500 Einwohner zählt, war für Bürgermeister Wengert der Startschuss zum Bau der „Lebensräume für Jung und Alt“, die in Kooperation mit dem Investor „Kraus + Ruf“ sowie der Stiftung Liebenau entstehen. „Hier geht es flott voran“, freut sich Wengert. „Wichtiger Baustein für die Beteiligung der Kommune ist eine neu gegründete Bürgerstiftung.“ Junge Familien und Senioren sollen nach dem bewährten Konzept der Liebenau im Ortszentrum unmittelbar gegenüber dem Rathaus ein gemeinsames Zuhause finden. Zudem ist ein Begegnungsraum vorgesehen, den alle Bürger der Kommune nutzen können.

Lange hatte Owingen auf diesen Baubeginn gewartet – doch der Spatenstich zu den „Lebensräumen für Jung und Alt“ musste im Mai ohne Publikum im kleinen Kreis mit ausreichender Distanz über die Bühne gehen. Im Bild (von rechts): Bürgermeister Henrik Wengert, Stephan Ruf (Kraus und Ruf), Regionalleiter Roland Hund, Geschäftsführerin Stefanie Locher (beide Stiftung Liebenau), Gerd Knapp (Firma Wörner), Jesus Morales (Spar, Vermietung und Eigentümerverwaltung), Architekt Haro Kraus (Kraus und Ruf) sowie Tobias Braun (Firma Karl Stocker).
Lange hatte Owingen auf diesen Baubeginn gewartet – doch der Spatenstich zu den „Lebensräumen für Jung und Alt“ musste im Mai ohne Publikum im kleinen Kreis mit ausreichender Distanz über die Bühne gehen. Im Bild (von rechts): Bürgermeister Henrik Wengert, Stephan Ruf (Kraus und Ruf), Regionalleiter Roland Hund, Geschäftsführerin Stefanie Locher (beide Stiftung Liebenau), Gerd Knapp (Firma Wörner), Jesus Morales (Spar, Vermietung und Eigentümerverwaltung), Architekt Haro Kraus (Kraus und Ruf) sowie Tobias Braun (Firma Karl Stocker). | Bild: Hanspeter Walter

Gemeinde strebt das Prädikat „Erholungsort„ an

Auch in touristischer Sicht will Owingen seine Stärken – Ruhe, Natur und Wanderwege – künftig mehr in die Waagschale werfen. Dazu gehören neben dem Naturschutzgebiet Aachtobel, dem Sielmannweiher und dem Aussichtsturm Hohenbodman auch drei neue Rundwege, die in Taisersdorf ausgewiesen wurden. „Unser Ziel ist das Prädikat Erholungsort“, erklärt Wengert. Mit dem erforderlichen Luftqualitätsgutachten ist der Deutsche Wetterdienst bereits beauftragt. Der Owinger Bürgermeister hofft, dass die nötigen Messungen in diesem Jahr abgeschlossen werden können.

Neue Rundwanderwege hat die Gemeinde im Ortsteil Taisersdorf ausgewiesen und beschrieben: Ortsvorsteherin Ruth Steindl (rechts), ihre Vorgängerin Angelika Thiel und Bürgermeister Henrik Wengert stellten das Konzept im August gemeinsam vor.
Neue Rundwanderwege hat die Gemeinde im Ortsteil Taisersdorf ausgewiesen und beschrieben: Ortsvorsteherin Ruth Steindl (rechts), ihre Vorgängerin Angelika Thiel und Bürgermeister Henrik Wengert stellten das Konzept im August gemeinsam vor. | Bild: Hanspeter Walter

Mit Susanne Gerhardt beschäftigt die Gemeinde seit vergangenen Sommer eine Fachkraft, die bereits einzelne Veranstaltungen angeboten und eine attraktive Broschüre zu den Owinger Direktvermarktern erstellt hat. In Zusammenhang mit der geplanten Tankstelle und dem beantragten Kreisverkehr an der Kreuzstraße hat die Gemeinde nach einem Behördentermin eine Verkehrszählung in Auftrag gegeben. „Mittlerweile gibt es erste Zahlen“, sagt Henrik Wengert: „Die werde ich Ende Januar den Gremien vorstellen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Das Jahr 2020 in Owingen

  • Januar: Neujahrsempfang der Gemeinde mit Verleihung der Goldenen Ehrennadel der Gemeinde an Rudolf Fischer (12. Januar). Markus Endres wird zum Gesamtkommandant der Feuerwehr Owingen gewählt (18.Januar).
Das könnte Sie auch interessieren
  • Februar: Südbadische Ringermeisterschaften in der Sporthalle Owingen am 29. Februar und 1. März.
  • März: Erster Fall einer Infektion mit dem Coronavirus im Bodenseekreis am 3. März. Vom 6. bis zum 8. März finden im kultur|o die dritten Owinger Kulturtage statt. Am 7. März wird Hubert Schwellinger zum neuen Vorsitzenden des Musikvereins gewählt.
  • April: In Billafingen installieren die Gebrüder Martin vom Hohreutehof zwei Lebensmittelautomaten für die örtliche Versorgung (18. April).
  • Mai: Spatenstich für „Lebensräume für Jung und Alt“ in der Ortsmitte (29. Mai).
  • Juli: Gedenken an den Flugzeugabsturz von 2002 in Taisersdorf (1. Juli). Am 13. Juli geht die neue Internetseite der Gemeinde online. Bettina Oesterle wird am 18. Juli neue Vorsitzende des deutsch-französischen Vereins.
Das könnte Sie auch interessieren
  • September: Sabine Happe übernimmt zum 8. September die Leitung des Kindergartens ‚billabü‘ in Billafingen. Stephan Endres wird neuer Vorsitzender des KSV Linzgau-Taisersdorf (11. September). Das Richtfest am neuen Feuerwehrgerätehaus findet am 17. September statt.
  • Oktober: Aufstellung des Bebauungsplans „Kreuzstraße-Süd“ (13. Oktober). Am Dorfplatz in Taisersdorf installiert der Bauhof am 21. Oktober eine Büchertelefonzelle
  • Dezember: Der Gemeinderat verabschiedet am 15. Dezember den Haushalt für 2021.