„Ich gehe zufrieden mit dem, was hier entstanden ist“, sagt Stephanie Eiden, „das Angebot und die Einrichtung des Sprachheilkindergartens haben sich bewährt.“ Inzwischen ist es mehr als 15 Jahre her, dass im Januar 2005 quasi im Untergeschoss des Owinger Rathauses mit dem Sprachheilkindergarten ‚Papperlapapp‘ eine Außenstelle des Hör-Sprach-Zentrums Wilhelmsdorf der Zieglerschen eingerichtet wurde. Die Hörgeschädigten- und Sprachheillehrerin aus Sipplingen, die zuvor lange auf einer Logopädenstelle in Konstanz gearbeitet hatte, war von Anfang an mit dabei. Stephanie Eiden baute den Kindergarten auf und begleitete seine Entwicklung bis Ende Juli, als sie altershalber in den Ruhestand ging.

Wohnortnahes Angebot

Als viele Zeichen auf Integration und Inklusion standen, war die sonderpädagogische Einrichtung aus Wilhelmsdorf mit ihren Angeboten weiter in die Fläche gegangen. „Es wurde lange zuvor nach geeigneten Räumen für den Raum Meersburg, Salem, Überlingen gesucht“, erinnert sich Eiden. Kinder mit einem besonderen Förderbedarf sollte damit ein wohnortnahes Angebot gemacht werden. Das sind Schülerinnen und Schüler mit mittelgradiger Schwerhörigkeit, aber auch mit massiven Sprachentwicklungsstörungen sein. „Wer ein S oder ein K nicht richtig aussprechen kann“, konkretisiert Eiden, „der gehört nicht hierher.“

Unterschiedlichste Diagnosen

Es gebe ein großes Tableau an Diagnosen, sagt Stephanie Eiden, die auch für die Beratungsstelle und die Sprachfrühförderung zuständig war. „Die Frage ist immer: Wie kommt ein Kind mit seiner Einschränkung zurecht?“ Zu den Schwierigkeiten gehören unter anderem Hörverarbeitungsstörungen und ein eingeschränktes Hörgedächtnis, aber auch auffällige Artikulationsstörungen, dass ein 5-Jähriges Kind fast nicht zu verstehen sei. „Viele dieser Auffälligkeiten können genetisch vererbt sein.“ Für viele Probleme gibt es ganz spezifische therapeutische Maßnahmen der Sonderpädagogen. Normale Erzieher und Erzieherinnen könnten dabei schnell überfordert werden, erklärt Eiden und fügt hinzu: „Wir bekommen die Kinder, bei denen es mit Integration oder Inklusion nicht klappt.“

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Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben. „Manche Kinder haben kaum einen Wortschatz und keine Grammatik“, beschreibt die Hörgeschädigten- und Sprachheillehrerin die kommunikativen Einschränkungen, „und sie können sich nicht inhaltlich mitteilen.“ Wobei solche Extreme in der Regel keine sozialen Gründe haben, sondern auf die beschriebenen Entwicklungsstörungen zurückzuführen seien.

Sorge vor daddelnden Eltern

Kleinkinder sind es gewohnt, neben dem Hören auch auf das Mundbild zu schauen und beobachten sehr genau. „Diese Möglichkeit zur Nachahmung muss man ihnen auch anbieten“, sagt Stephanie Eiden und ist aus dieser Perspektive besorgt, wenn Eltern während eines Spaziergangs mit dem Kind nur daddeln, also auf das Smartphone starren. Auch dies bewusst zu machen, kann das Heidelberger Elterntraining helfen, das den Familien konkrete Hilfestellungen für zuhause gibt.

Austausch mit anderen Kindergärten

Wichtig ist Leiterin Stephanie Eiden der Austausch und die gute Zusammenarbeit mit den anderen Kindergärten. Hier und bei den Familien habe sich die Tendenz etwas geändert. Es gebe viele Erzieherinnen, die schauten ganz genau hin und empfehlen den Eltern hierherzukommen, wenn ein Kind aus irgendeinem nicht erkennbaren Grund keine Fortschritte macht.

Seit der Gründung der sonderpädagogischen Einrichtung im Januar 2005 begleitete Stephanie Eiden deren Entwicklung.
Seit der Gründung der sonderpädagogischen Einrichtung im Januar 2005 begleitete Stephanie Eiden deren Entwicklung. | Bild: Hanspeter Walter

Im Kindergarten sei viel Führung und Förderung notwendig, um bei den Sprachentwicklungsstörungen voranzukommen. Doch ist auch Eiden bisweilen überrascht. „Ich glaub‘s nicht, wie schnell sich die Kinder manchmal verbessern.“ Längst sei ein sehr gutes Netz unter den verschiedenen Einrichtungen und Kinderärzten entstanden, sagt Stephanie Eiden. „So konnten wir gute Lösungen für Familien und Kinder finden“, sagt sie. „Ich bin deshalb sehr glücklich, dass es in Baden-Württemberg noch Sprachheilkindergärten gibt. In vielen anderen Ländern wurden sie abgeschafft.“

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