Gleich zwei Premieren erlebte der Owinger Gemeinderat bei seiner aktuellen Sitzung. Erstmals traf sich das Gremium im Saal des Bürgerhauses Kultur|O, um in voller Besetzung und mit dem erforderlichen Sicherheitsabstand tagen zu können.

Getrennte Zugänge für Gemeinderäte und Besucher. Wobei der Besuchereingang korrekterweise kaum genutzt wurde.
Getrennte Zugänge für Gemeinderäte und Besucher. Wobei der Besuchereingang korrekterweise kaum genutzt wurde. | Bild: Hanspeter Walter

Zudem waren sich Bürgermeister, Kämmerer und Rat noch nie schon bei der Verabschiedung eines Haushalts so sicher, dass das eben beschlossene Zahlenwerk mit geplanten Rekordinvestitionen von 6,7 Millionen Euro nur von begrenzter Haltbarkeit sein wird. Doch dabei dürfte sich Owingen in guter Gesellschaft befinden.

Schlagen sich die Folgen der Corona-Krise bereits im Haushalt 2020 nieder?

„Wir werden sicher erhebliche Einnahmerückgänge haben“, schickte Bürgermeister Henrik Wengert der abschließenden Beratung des Etats vorweg. Dessen sei sich der Gemeindetag schon jetzt sicher. Inwieweit sich diese Folgen der Corona-Krise allerdings schon im Haushalt 2020 niederschlagen würden, sei im Moment noch nicht absehbar. Erste konkrete Anzeichen seien mit einer Steuerschätzung im Mai zu erwarten. Nicht nur bei den Gewerbesteuereinnahmen, auch beim Gemeindeanteil an der Einkommensteuer müsse die Kommune mit Einbrüchen rechnen.

Eckdaten des Haushalts 2020

Da dies auch für das Land gelte, sah Wengert auch schon eine Korrektur der Zuweisungen voraus. Gerade diese sahen bisher im aktuellen Haushaltsjahr noch sehr gut aus und zeichneten vor allem dafür verantwortlich, dass Owingen schon im ersten Jahr mit dem neuen kommunalen Haushalts- und Rechnungswesen nach der Doppik ein positives ordentliches Ergebnis in Höhe von rund 141 000 Euro ausweisen kann, wie Kämmerer Klaus Knecht bei der Vorstellung des Zahlenwerks erläuterte.

6,7 Millionen Euro für Investitionen

Kritisch an dem Etat waren aus aktueller Sicht daher lediglich die geplanten Kreditaufnahmen vor dem Hintergrund der noch vorhandenen liquiden Mittel in Höhe von fast 5 Millionen Euro. Dass diese angesichts der für Owinger Verhältnisse rekordverdächtigen Investitionen in Höhe von rund 6,7 Millionen Euro schneller aufgebraucht seien, als der Kommune lieb sein kann, hatte Bürgermeister Henrik Wengert der Rechtsaufsicht beim Landratsamt schon im Vorfeld erläutert und die Genehmigungsfähigkeit der Darlehensaufnahme abgefragt.

In diese Projekte und Vorhaben soll das Geld fließen

Tatsächlich sind allein 2020 3,1 Millionen Euro für den Feuerwehrneubau eingeplant. Ausgewiesen werden müssen für dieses Vorhaben auch Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro, um die Fertigstellung des Projekts im Jahr 2021 garantieren zu können. 451 000 Euro will Owingen in die Wasserversorgung investieren, auf 177 000 Euro beläuft sich die erste Teilrate für das Servicezentrum der „Lebensräume für Jung und Alt“ und weitere 140 000 Euro fallen bei der Sanierung des Friedhofs an.

Das könnte Sie auch interessieren

2,3 Millionen Euro für drei kleinere Baugebiete in Owingen, Billafingen und Hohenbodman

Den Blick in die Zukunft richtet die Gemeinde mit den Investitionen von voraussichtlich 2,3 Millionen Euro in drei kleinere Baugebiete in Owingen, Billafingen und Hohenbodman. Erforderlich sind diese Mittel für Grunderwerb, Planung und Erschließung, wobei die Kommune von einer relativ schnellen Refinanzierung dieser Kredite über den späteren Verkauf der Grundstücke ausgeht.

Pro-Kopf-Verschuldung steigt kurzfristig auf rund 500 Euro

Keine Sorgen machte dem Gemeinderat daher auch, dass die Pro-Kopf-Verschuldung mit dieser Darlehensaufnahme kurzfristig von derzeit 84 Euro auf rund 500 Euro hochschnellen wird. „Zum einen liegen wir auch damit noch unter dem Durchschnitt vergleichbarer Gemeinden in Baden-Württemberg“, versuchte Bürgermeister Wengert mögliche Bedenken gleich zu beruhigen. Zum anderen kämen die rentierlichen Kredite schnell wieder zurück, bei denen die Kommune ohnehin sehr gute Konditionen erwarten könne.

Rechtsaufsicht bestätigt Genehmigungsfähigkeit des Haushalts

„Hiermit bestätigen wir Ihnen anhand der uns vorliegenden Unterlagen“, zitierte Wengert die Aussagen der Rechtsaufsicht beim Landratsamt, „dass der Haushalt der Gemeinde Owingen für das Jahr 2020 genehmigungsfähig sein wird“. Zwar seien Anmerkungen zum Ergebnishaushalt zu erwarten, der im Finanzplanungszeitraum der nächsten Jahre nicht ausgeglichen werden könne. Eher formaler Art ist der Hinweis, dass vor einer Kreditaufnahme zunächst die vorhandenen Eigenmittel eingesetzt werden sollten.

Letzter Haushalt für Kämmerer Klaus Knecht

Für Kämmerer Klaus Knecht, der im Verlauf des Jahres in den Ruhestand gehen wird, war es zugleich der letzte Haushalt. Die Umstellung auf das neue Rechnungswesen sei deutlich aufwendiger und zeitraubender gewesen, resümierte Knecht in seinem Fazit. Zumal das Rechenzentrum der Gemeinde aufgrund der zahlreichen Anfragen weniger Unterstützung leisten konnte als erhofft, erklärte er.

Schlechtere Finanzlage erwartet

Noch sei die Haushaltssituation erfreulich, ging der Kämmerer auf seinen letzten Etat ein. Immerhin summierten sich allein die erforderlichen Abschreibungen auf 1,1 Millionen Euro, rund zehn Prozent des Etats, die dieses Mal noch ausgeglichen werden konnten. Doch sei schon jetzt eine schlechtere Finanzausstattung für die kommenden Jahre absehbar. Insofern müssten sich Verwaltung und Gemeinderat Gedanken über Konsolidierungsmaßnahmen machen, um die Aufwendungen zu reduzieren, und gleichzeitig prüfen, wie man die Einnahmenseite künftig stärken könnte.

Jetzt wieder verfügbar: die Digitale Zeitung mit dem neuen iPad und 0 €* Zuzahlung

*SÜDKURIER Digital inkl. Digitaler Zeitung und unbegrenztem Zugang zu allen Inhalten und Services auf SÜDKURIER Online für 34,99 €/Monat und ein iPad 10,2“ (32 GB, WiFi) für 0 €. Mindestlaufzeit 24 Monate. Das Angebot ist gültig bis zum 12.07.2020 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Ein Angebot der SÜDKURIER GmbH, Medienhaus, Max-Stromeyer-Straße 178, 78467 Konstanz.