Vier kleinere Bürgersolardächer mit Fotovoltaikanlagen gibt es in Owingen und seinen Teilorten schon länger. Betrieben werden sie von der Gesellschaft „Sonnenstrom aus dem Urstromtal“, die bereits vor 20 Jahren gegründet worden war und damals die erste Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Billafinger Rathauses installiert hatte. Deren wirtschaftliche Einspeisungsgarantie läuft 2022 aus. Es folgten bis 2008 weitere Bürgerdächer auf den Schulgebäuden in Taisersdorf und Owingen selbst.

Aktuell kommen die Dächer von Kindergarten und Rathaus in Betracht

Nun will die Kommune demnächst selbst in die Produktion von Ökostrom einsteigen und einen Beitrag zur regenerativen Energieversorgung leisten. Infrage kommen dafür aktuell das Dach des Kindergartens oder des Rathauses. In Zukunft könnte auch das Dach des neuen Feuerwehrhauses ein geeigneter Standort sein. Doch will die Gemeinde nicht in die Dachkonstruktion eingreifen, solange die Gewährleistungsfrist für das kurz vor der Fertigstellung stehenden Gebäudes noch gilt.

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Grundlage für das neue Konzept ist eine Energiestudie der Weingartener Firma Kirchner Energie, deren Erkenntnisse Geschäftsführer Alexander Henzler dem Gemeinderat jetzt vorstellte. Dazu gehörte unter anderem eine Erfassung von Leistung und Laufzeit der bestehenden Bürgeranlagen, die Ermittlung geeigneter Dachflächen in Besitz der Gemeinde sowie die Analyse des Strombedarfs zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten.

Alexander Henzler, Geschäftsführer der Firma Kirchner Energie: „Je nach aktuellem Bedarf kann der Strom zwischen den kommunalen Gebäuden auch hin- und hergeschoben werden.“
Alexander Henzler, Geschäftsführer der Firma Kirchner Energie: „Je nach aktuellem Bedarf kann der Strom zwischen den kommunalen Gebäuden auch hin- und hergeschoben werden.“ | Bild: Hanspeter Walter

Kommunale Gebäude sind mit einzelner Trafostation vernetzt

„Ein großer Vorteil ist, dass Sie über ein eigenes Arealnetz verfügen“, erläuterte Alexander Henzler bei der Vorstellung der Studie. Dazu gehöre die eigene Trafostation zwischen Rathaus und Schule mit einem einzigen Einspeisepunkt und Hauptverbrauchszähler. Hierüber sind auch die kommunalen Gebäude mit ihren unterschiedlichen Nutzungen vernetzt. „Je nach aktuellem Bedarf kann der Strom hier auch hin- und hergeschoben werden“, erklärte Henzler.

Kein Überschuss: Stromproduktion und Bedarfszeit überlappen

Als weitere Erleichterung nannte der Experte die Tatsache, dass die aktuelle und künftig umfangreichere Stromproduktion mit der Bedarfszeit weitgehend überlappen. Konkret heißt dies, dass der nur tagsüber produzierte Ökostrom in der Regel gleich verbraucht werden kann. „So brauchen Sie auch keinen aufwendigen und teuren Batteriespeicher für eventuelle Überschüsse.“ Kleinere Mehrerträge könnten ohnehin gegen eine Vergütung ins Netz eingespeist werden, die allerdings längst nicht mehr so üppig sei wie in den Anfangsjahren.

Bereits vor 20 Jahren hatte die Gesellschaft „Sonnenstrom aus dem Urstromtal“ ihr erstes von inzwischen vier Bürgersolardächern in Angriff genommen, die sie bis heute betreibt.
Bereits vor 20 Jahren hatte die Gesellschaft „Sonnenstrom aus dem Urstromtal“ ihr erstes von inzwischen vier Bürgersolardächern in Angriff genommen, die sie bis heute betreibt. | Bild: Hanspeter Walter

Wer zu viel Strom produziert, muss ihn selbst vermarkten

Aus anderen Gründen riet der Energiefachmann der Kommune, sich auf eine Gesamtleistung der Fotovoltaikanlage von 99 Kilowatt Spitzenleistung zu beschränken. Wer mehr produziere, dürfe den Überschuss nicht mehr nach den jeweils geltenden Richtlinien und Vergütungen ins Netz einspeisen, sondern müsse den Strom selbst vermarkten – mit allen damit verbundenen Zusatzproblemen, betonte Ortsbaumeister Bernhard Widenhorn von der Verwaltung. Der Gemeinderat beauftragte die Firma Kirchner Energie, die am besten geeigneten Dächer auf den kommunalen Gebäuden zu prüfen und die Aufträge beschränkt auszuschreiben. Dieser Prozess ist derzeit noch im Gange.

Gemeinde muss über Zukunft der Alt-Anlagen beraten

In den kommenden Jahren muss die Gemeinde dann darüber beraten, wie es mit den Alt-Anlagen weitergehen soll. Die guten Konditionen laufen beim jüngsten Dach im Jahr 2028 aus. Dann gelte es zu entscheiden, ob diese für die Eigennutzung weiter am Netz bleiben sollen, wobei dann kleiner Umbauten vorgenommen werden müssten. Ungeachtet dessen seien früher oder später ein Abbau der Anlagen und eine Entsorgung der Materialien erforderlich. Das müsse zu gegebener Zeit abgewogen werden.

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