Nein, ein Stadttor soll es nicht werden, es wäre wohl auch der falsche Ort. Doch ein markantes „Eingangsportal“ für die Gemeinde könnte der geplante Kreisverkehr aus Sicht von Owingens Bürgermeister Henrik Wengert schon abgeben, der die bislang asymmetrischen Anschlüsse der Kreuzstraße und der Zufahrt zum Lugenhof von der Landesstraße 195 zusammenführen könnte.

Auch der Golfclub wäre froh über eine ansprechendere Anbindung von der L 195 aus, erklärte Bürgermeister Wengert. Der Club zähle jährlich immerhin rund 6000 Gäste auf seinem Gelände. Insofern erkannte der Owinger Bürgermeister in dem ganzen Vorhaben auch eine „gewinnbringende städtebauliche Komponente“ und viel mehr als eine Barriere auf der Landstraße. Ja, der Mehrwert eines Kreisverkehrs an dieser Stelle sei „unstrittig“, betonte Henrik Wengert.

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Land befürwortet Kreisverkehr

Aufgrund der konkreten Unfallzahlen an der Kreuzung gibt es aus Sicht der Verkehrsbehörden zwar keinen zwingenden Bedarf für die Baumaßnahme. Dennoch befürworteten die Vertreter des Landes nach einer Verkehrsschau vor Ort den von der Gemeinde gewünschten Kreisverkehr mit mehreren Argumenten. Zum einen wurde die unglückliche Geometrie der Zufahrten zur Landesstraße anerkannt, vor allem aber könnten die Verkehrsbeziehungen für Fahrradfahrer und Fußgänger verbessert werden. Gerade wegen der versetzten Anschlüsse wird die Umsetzung allerdings zu einem ebenso raumgreifenden wie teuren Unterfangen, um den vorgeschriebenen Anforderungen des Verkehrs gerecht zu werden. Die 38 Meter Durchmesser der aktuellen Planung seien aufgrund der Schleppkurven für Lastwagen ein Mindestmaß, erklärte Bauamtsleiter Bernhard Widenhorn, da man rechtwinklige Zufahrten erreichen wolle. Dies erfordere auf der westlichen Seite einen Grunderwerb von rund 2000 Quadratmetern. Hier sei bereits eine Lösung in Sicht, sagte Henrik Wengert.

Finanzierung ohne Kredit

Aus all diesen Gründen sind die Kosten mit insgesamt 1 Million Euro deutlich höher als im Genehmigungsantrag grob geschätzt. Dass das Land sich am Bau finanziell nicht beteiligen wird, wusste die Gemeinde schon. Doch ist hier noch ein Ablösebetrag an das Land von 145 000 Euro inbegriffen, das künftig für die Pflege der neuen Flächen zuständig sein wird. „Diese Gesamtkosten werden den Haushalt nicht unbedeutend belasten“, räumte Bürgermeister Wengert ein. Doch der Mehrwert des Kreisverkehrsplatzes müsse zum einen langfristig betrachtet werden. Zum anderen könne das Vorhaben über die bestehende Liquidität im Haushalt und ohne Kreditaufnahme finanziert werden.

Derzeit läuft der Bau der Tankstelle an der Einfahrt zum Henkerberg. Durch das künftige Angebot an dieser Stelle wird der Verkehr an der ...
Derzeit läuft der Bau der Tankstelle an der Einfahrt zum Henkerberg. Durch das künftige Angebot an dieser Stelle wird der Verkehr an der Kreuzung zunehmen. | Bild: Hanspeter Walter

Ungeachtet der positiven Vorzeichen zeigten sich einige Gemeinderäte insbesondere wegen der hohen Kosten skeptisch. In Gesprächen mit Bürgern habe sie ein „diffuses Bild“ wahrgenommen, sagte Susanne Riester. Ob eine Unterführung wie an der Klöberkreuzung nicht einfacher und billiger wäre, fragte sie. Zudem sie diese Kreuzung unfallträchtiger. „Finanziell grenzwertig“ nannte Rainer Weissmann das Vorhaben, dem er grundsätzlich positiv gegenüber stehe. Er sei enttäuscht, dass es keine Möglichkeit zur Refinanzierung über Zuschüsse gebe.

„Ich war anfangs euphorisch“, erklärte Markus Veit. Vor dem Hintergrund der aktuellen Planung und der gestiegenen Kosten könne er nicht zustimmen. Bei einer Kosten/Nutzen-Abwägung sehe er den großen Mehrwert nicht, sagte Veit und beantragte die Beschlussfassung über ein schrittweises Vorgehen. „Zu teuer“ nannte Alexander Schechter den Kreisverkehr, „obwohl ich selbst davon profitieren würde“. Auch für Jörg Schirm war der Bau „nicht zwingend erforderlich“, wie er sagte: „Ich bin kein Freund davon.“

Sicherheit auch für Radfahrer

Gar keine Zweifel hatte dagegen Jörg Nesensohn gegenüber dem Vorhaben, das man aus seiner Sicht nicht auf die lange Bank schieben solle. „Wir bauen den Kreisverkehr für die Owinger und die Radfahrer“, sagte er, „nicht für die Autofahrer, die von Überlingen nach Pfullendorf wollen.“ Er habe „nur positive Stimmen“ gehört, betonte Ralf Keller. Er selbst sei ein voller Befürworter des Kreisverkehrs und nannte es fahrlässig, „wenn wir nichts tun würden“. Keller: „Jedes Kreuz ist eines zuviel.“ Angesichts der sich verändernden Infrastruktur sah Veitinger „überwiegend Vorteile“ in einem Kreisverkehr. Dabei verwies sie auf das geplante Feriendorf, den Campingplatz und die Tankstelle, deren Bau jetzt begonnen hat. „In der Klemme“ sah Fischer das Gremium angesichts der hohen Kosten auf der einen und dem Wunsch nach mehr Sicherheit auf der anderen.

Dass der erforderliche Grunderwerb getätigt werden kann, befürwortete der Gemeinderat nach längerem Gedankenaustausch noch einstimmig. Beim Grundsatzbeschluss zur Aufstellung des Bebauungsplans gab es lediglich eine Gegenstimme, gegen die Finanzierung und die Bereitstellung von 250 000 Euro im kommenden Haushalt votierten drei beziehungsweise vier Vertreter.