Owingen – Es ist zwar noch nicht ganz fertig, doch es funktioniert bereits – das neue Feuerwehrgerätehaus in der Ortsmitte von Owingen. Und es muss funktionieren, denn das alte Domizil in unmittelbarer Nachbarschaft muss in den nächsten Tagen abgerissen werden, um die Außen- und Grünanlagen fertigstellen zu können. Auch beim Innenausbau der Sanitär- und Schulungsräume gibt es noch einiges zu tun. Weshalb die komplette Fertigstellung und die feierliche Einweihung des Neubaus erst Anfang des kommenden Jahres terminiert sind. Bereits Mitte August ist die Abteilung Owingen mit ihren Fahrzeugen, der Ausrüstung und ihrem technischen Gerät schon mal in das neue Feuerwehrgerätehaus umgezogen. Die ersten beiden unspektakulären Vorfälle zeigten inzwischen auch, dass es bei den Einsatzkräften weiterhin flutscht.

Rund 4,5 Millionen wird die Gemeinde voraussichtlich das Gebäude mit seiner modernen Technik und den erforderlichen Sozialräumen kosten, weitere 500¦000¦Euro werden die Außenanlagen und die Einbindung des Neubaus in die grüne Mitte Owingen verschlingen, die ebenso von der Planstatt Senner konzipiert wurden wie die bisherigen Freiraumbereiche. Dazu gehören auch die Parkplätze direkt beim Gebäude und die Versickerungsflächen für das Niederschlagswasser, die im Bereich des alten Feuerwehrgerätehauses entstehen werden.

Ein Hingucker

Wichtig war nicht nur Bürgermeister Henrik Wengert und dem Gemeinderat, dass auch der Schlusspunkt für die Neue Mitte Owingens zu einem Ausrufezeichen und einem echten Hingucker wird. Auf das neue Rathaus, das schon vor gut 30 Jahren entstanden war, waren zunächst die große Sporthalle und vor sechs Jahren das attraktive Gebäude des Kultur|O als Bürgerzentrum gefolgt. Den modernen Lückenschluss um die großzügigen Grünanlagen bildet nun das Feuerwehrgerätehaus, das wie das Kultur|O die Handschrift des Ravensburger Architekturbüros Prinz trägt. „Das konnte kein 08/15-Bau werden und an diesem Standort nicht nur aus Waschbetonflächen bestehen“, sagt Bürgermeister Wengert. Große Teile der sichtbaren Fassade wurden daher mit gebrannten Keramikziegeln in einem rotbraunen Farbton verkleidet und setzen einen interessanten optischen Akzent. Schnell ins Auge fällt auch der 13,8 Meter hohe Übungs- und Schlauchtrockenturm, auf dem die neue digitale Sirene sitzt. „Wir hatten auch unsere alten Sirenen nie abgebaut“, betont der Schultes mit Blick auf die Diskussionen um Katastrophenwarnsysteme.

Am Turm selbst können wichtige Rettungsübungen in drei verschiedenen Etagen geprobt werden. „Das ist heute umso wichtiger, als heute kaum mehr private Gebäude zu Übungszwecken zur Verfügung gestellt werden“, sagt Henrik Wengert. Das ganze Einsatzzentrum ist in zwei Bereiche unterteilt. Im vorderen Bereich befindet sich die eingeschossige ebenerdige Fahrzeughalle, die vier Stellplätze hat. Einer davon ist zugleich als Waschbox zum Reinigen der Einsatzfahrzeuge ausgerüstet. Der hintere Bereich ist unterkellert, geht über drei Ebenen und weist noch ein Obergeschoss auf. Hier befinden sich die Schränke mit der Einsatzkleidung, Sanitärräume und die Lager für Materialien und Geräte. Das Logistikzentrum im Erdgeschoss ist nach den modernsten Anforderungen ausgestattet. Im Obergeschoss bekommt die Jugendfeuerwehr einen eigenen attraktiven Raum. „Das liegt mir ganz besonders am Herzen“, sagt Bürgermeister Wengert: „Denn der Nachwuchs ist bei der Feuerwehr wichtiger denn je.“

Zudem habe die Owinger Wehr mit ihren Werbeaktionen einen erfreulichen Erfolg gehabt und schon einigen Zuwachs bekommen. Darüber freut sich ganz besonders der amtierende Kommandant Markus Endres.

Einsatztaktisch richtig

Der Wunsch nach einem neuen Feuerwehrgerätehaus in Owingen reicht schon weit mehr als zehn Jahre zurück. Unter Henrik Wengert stellte der Gemeinderat ab dem Jahr 2012 die Weichen dafür. „Das war ein hochkomplexer Prozess“, blickt Wengert zurück. Zehn mögliche Standorte wurden auf den Prüfstand gestellt und detailliert untersucht. Die Ortsmitte sei anfangs nur vierte Wahl gewesen, erinnert sich der Schultes. „Doch einsatztaktisch ist es der richtige.“ Hindernis war zunächst das Gebäude der Raiffeisengenossenschaft gewesen, das die Gemeinde später erwerben und abreißen konnte. Doch 2015 fiel die Entscheidung für den jetzigen Standort. Es folgten Besichtigungen des eigens gebildeten Ausschusses und ein beschränkter Architektenwettbewerb im Jahr 2017. Der Spatenstich erfolgte am 17. Oktober noch in vorpandemischen Zeiten. Das für Juli 2017 geplant Richtfest musste schon auf den September verschoben werden. Dass die Fertigstellung etwas länger dauert als gedacht, ist nach den Worten Wengerts auch auf die vielbeschäftigten Handwerksbetriebe zurückzuführen. hpw