Angebote eines Familientreffs gibt es Owingen zwar bereits seit 25 Jahren. Doch mussten im Verlauf dieser Zeit mehrfach die Standorte der Begegnungen zwischen Eltern mit kleinen Kindern gewechselt werden. Die Möglichkeiten hingen von den zur Verfügung stehenden Räumen und den Mitarbeiterinnen ab, die der Bodenseekreis dafür bereit stellte. Künftig wird es ein verlässliches gemeinsames Angebot von Gemeinde und Kreis geben. Eine verbindliche Kooperationsvereinbarung über diese Zusammenarbeit unterzeichneten jetzt Bürgermeister Henrik Wengert und die Leiterin des Kreisjugendamts, Simone Schilling.

Räume machen verlässliches Angebot möglich

„Die Gemeinde verfügte bisher über keine geeigneten Räume, die sie dem Familientreff zur Verfügung stellen konnte“, begründet Bürgermeister Wengert, warum diese förmliche Vereinbarung erst jetzt unterzeichnet werden konnte – zweieinhalb Jahrzehnte nach dem Startschuss für einen „Offenen Treff“, wie er damals zunächst noch geheißen hatte. Nur mit festen Räumen könne es jedoch ein verlässliches Angebot geben, das von den Fachkräften des Kreises entwickelt, begleitet und koordiniert werde, betont Simone Schilling vom Jugendamt.

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Auch Vereine in der Auentalschule zu Hause

Möglich ist dies allerdings auch nur aufgrund eines anderen Aderlasses der Gemeinde. Im Mai 2015 hatte der Gemeinderat aufgrund des Schülerrückgangs, den auch die Aufwertung der Hauptschule zur Werkrealschule nicht bremsen konnte, schweren Herzens die Schließung der weiterführenden Klassen der Auentalschule beschlossen. „Das war für uns als Kommune natürlich tragisch“, erinnert sich Henrik Wengert noch. „Für andere hatte das allerdings auch etwas Gutes.“ Viele Vereine seien glücklich gewesen, dass die Gemeinde ihnen hier nun frei gewordene Räume habe zur Verfugung stellen können.

„Das war für uns als Kommune natürlich tragisch. Für andere hatte das allerdings auch etwas Gutes.“
Henrik Wengert, Bürgermeister, über die Schließung der weiterführenden Klassen der Auentalschule

Und es war nun Voraussetzung für die Kooperationsvereinbarung mit dem Landkreis, über die sich Bettina Lotter als vor Ort Verantwortliche ganz besonders freut. „Wir sind insbesondere froh, dass wir nun über einen so großen Raum verfügen“, sagt Lotter, die als Owingerin für den Bodenseekreis schon seit vielen Jahren für den Familientreff tätig ist. Dies habe sich schon bei den möglichen Gruppengrößen während der ersten Wochen nach der Wiedereröffnung in der Pandemie positiv bemerkbar gemacht. „Um auf Nummer sicher zu gehen, behalten die Eltern hier die Masken auf“, sagt Lotter, für die die Wanderschaft nun ein Ende hat.

Endlich hat der Familientreff Owingen ein langfristiges Domizil: Die hauptamtliche Leiterin Bettina Lotter freut sich.
Endlich hat der Familientreff Owingen ein langfristiges Domizil: Die hauptamtliche Leiterin Bettina Lotter freut sich. | Bild: Hanspeter Walter

Ruf nach eigenem Treff wurde in den 1990ern laut

Zu Beginn der 1990er-Jahre mussten die Owinger Familien und Alleinerziehenden noch auf die Angebote in Überlingen zurückgreifen. Doch aufgrund der damals schlechten Verkehrsanbindung wurde bald der Ruf nach einem eigenen Treff laut, der zunächst als „Offener Treff“ in der Johanneshütte bei der evangelischen Kirche unter spartanischen Bedingungen begann. „Die Gemeinde Owingen und die evangelische Kirchengemeinde unterstützten diese präventive Arbeit als Beitrag für eine kinder- und familienfreundliche Umwelt in Owingen“, erinnert sich die Leiterin. Nach dem Neubau des Gemeindesaales ging es 1999 an den ersten Umzug in großzügigere Räume.

Zehn Jahre später ging die Odyssee weiter. Zunächst in den Hausaufgabenraum der Grundschule, dann in den Erweiterungsbau des Kinderhauses St. Nikolaus, wo zunächst nicht alle Räume für die Krippe benötigt wurden. Das schöne Umfeld sorgte für einen großen Zulauf von Familien, wurde allerdings bald vom Kinderhaus selbst benötigt. Zwischenzeitlich mussten die Horträume der Grundschule partiell genutzt werden, ehe nun in der ehemaligen Hauptschule endlich ein dauerhaftes Domizil eingerichtet werden konnte, das neben der pädagogischen Konzeption Grundlage für den Vertrag mit dem Bodenseekreis ist.

Familientreff ist im Ortszentrum zu Fuß erreichbar

Kaum etwas ändert sich an der aktuellen Arbeit des Familientreffs, die er nach Pfingsten wieder in reduzierten Gruppengrößen und gemäß der gültigen Corona-Verordnung aufgenommen hat. „Die Lage im Ortszentrum ist super und der Treff für viele fußläufig erreichbar“, sagt Simone Schilling vom Jugendamt. „Das ist optimal für alle Familien.“ Dies werde auch durch die gute Resonanz und den großen Zulauf bestätigt. Wichtig sei dies insbesondere für die niederschwelligen Angebote des Jugendamts wie das offene Familiencafé oder den interkulturellen Treff. Daneben gibt es die fachlich begleitete Eltern-Kind-Spielgruppe, einen Baby- und Stilltreff sowie themenorientierte Fortbildungen für den Erziehungsalltag.

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