Gut, wenn man am Puls der Zeit ist und gute Kontakte hat. Architekt Rainer Schmidt war so ein Glücksfall für die Gemeinde Owingen. Früher als viele andere hatte er so im Sommer vergangenen Jahres von dem bevorstehenden Förderprogramm des Bundes für festinstallierte Raumlufttechnische (RLT-)Anlagen gehört, die einen Schutz vor Coronaviren mit echtem Luftaustausch bieten. Ohne das lästige Lüften, das vor allem im Winter für Klagen sorgte.

Förderung von 80 Prozent möglich

Schmidt wurde flugs im Rathaus vorstellig und informierte die Verwaltung über die lukrative Förderung von 80 Prozent der Gesamtkosten. Als viele noch über mobile Anlagen und deren Wirksamkeit und Lärmproblematik diskutierten, machte Owingen schnell Nägel mit Köpfen. Der Gemeinderat beschloss im Oktober die Ausschreibung und im November die Anschaffung. Als Sofortmaßnahme für die Übergangszeit war damals zudem die Anschaffung von CO2-Ampeln beschlossen worden.

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Bereits seit Mitte März sind die elf RLT-Anlagen in der Auentalschule in Betrieb. „Wir haben den Unterschied sofort gespürt“, berichtet Schulleiterin Kerstin Pegels erfreut: „Wir haben seitdem nie mehr schlechte Luft in den Klassenzimmern. Und alles ganz ohne Lüften zu müssen.“ Vor allem im Winter war dies an allen Schulen der Pferdefuß gewesen.

Schulleiterin Kerstin Pegels: „Wir haben den Unterschied sofort gespürt.“
Schulleiterin Kerstin Pegels: „Wir haben den Unterschied sofort gespürt.“ | Bild: Hanspeter Walter

„Wir hatten das Thema einer energiesparenden Klimatisierung der Schule schon lange vor Corona einmal besprochen“, sagt Bürgermeister Henrik Wengert: „Doch da war es einfach viel zu teuer.“ Unter den Kollegen habe man auch über die mobilen Luftreinigungsgeräte diskutiert, doch seien diese nicht effektiv erschienen. „Bei 30 Schülern im Raum hätten wir mehrere Geräte gebraucht, um das erforderliche Luftvolumen von 900 Kubikmetern umzuwälzen“, erklärt Ortsbaumeister Bernhard Widenhorn.

Gemeinde zahlt lediglich 68.000 Euro

Doch erst mit der Förderung des Bundes in Höhe von 80 Prozent erschien die Anschaffung und Installation der RLT-Anlagen für die Gemeinde realistisch. Für elf Klassenzimmer kostete die Maßnahme insgesamt rund 340.000 Euro. „Davon blieben an der Gemeinde nur 68.000 Euro hängen“, ist Schultes Wengert erleichtert. Mittlerweile sind schon weitere Lüftungsanlagen für die Kindertagesstätten bestellt.

„Die ganze Anlage ist bedarfsgesteuert“, sagt Architekt Rainer Schmidt, der für die Planung und die Ausschreibung verantwortlich zeichnete, aber auch den Einbau begleitete. „Erst wenn Sie ins Zimmer kommen, läuft das Gerät an“, sagt Schmidt. Ein Messfühler an der Wand bestimmt kontinuierlich neben Temperatur und Luftfeuchtigkeit auch den CO2-Gehalt der Luft und steuert den Austausch. Als empfohlener Grenzwert gelten 1000 ppm (Parts per Million) Kohlendioxid, der Sensor ist so eingestellt, dass es ab 800 ppm den Luftaustausch beschleunigt. Hat der Letzte den Raum verlassen, läuft es noch eine Stunde nach.

Die Anlage wird automatisch bedarfsgerecht gesteuert. Wenn der CO2-Gehalt zu hoch ist, schaltet der Booster ein.
Die Anlage wird automatisch bedarfsgerecht gesteuert. Wenn der CO2-Gehalt zu hoch ist, schaltet der Booster ein. | Bild: Hanspeter Walter

„Heizen nicht mehr zum Fenster hinaus“

„Wir heizen im Winter nicht mehr zum Fenster hinaus“, sagt Ortsbaumeister Widenhorn. Denn durch die Wärmerückgewinnung aus der Abluft kann zudem Energie eingespart werden. „Diese Rückgewinnung macht 90 Prozent aus,“ konkretisiert Rainer Schmidt. Auch für den Sommer gibt es eine Lösung. Eine „Bypass-Funktion“ (Schmidt) sorgt in der heißen Jahreszeit quasi für eine Vorkühlmöglichkeit. Schon zwischen 6 und 8 Uhr läuft die Anlage an und versorgt das Klassenzimmer mit kühler frischer Luft. „Das erste Stoßlüften ist so nicht mehr notwendig.“ Bessere Luft gibt es demnächst auch für die Kindertagesstätten. Geförderte Anlagen sind bereits bestellt und sollen noch vor den Sommerferien eingebaut werden.

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