Es ist nicht schlecht bestellt um das Wir-Gefühl der Owinger. Doch was gut ist, kann ja noch besser werden. Darauf zielt die neue Bürgerstiftung ab, die die Gemeinde bereits vor zwei Jahren aus der Taufe gehoben hat – und die vom Rathaus aufgrund der beschränkten Möglichkeiten während der Pandemie bisher bewusst noch nicht gezielt beworben wurde. „Das hätte in dieser Zeit wenig Sinn gemacht und vermutlich nicht den gewünschten Erfolg gehabt“, sagt Bürgermeister Henrik Wengert bei der Vorstellung des Konzepts gemeinsam mit Evelin Veitinger, der Vorsitzenden des Stiftungsrats, sowie seinem Kämmerer Udo Widenhorn. „Ich engagiere mich sehr gerne für soziale Dinge“, betont Vorsitzende Veitinger und begründet so ihr Interesse und ihr ehrenamtliches Mitwirken.

Arbeit soll auf Gemeinde ausstrahlen

Gemeinsam wollen die Verantwortlichen nun etwas Schwung in die Sache bringen und der Bürgerstiftung Leben einhauchen. Darauf wies Wengert auch in seiner Neujahrsansprache hin. Der Impuls zu der Gründung war in Zusammenhang mit dem Start des Projekts „Lebensräume für Jung und Alt“ der Stiftung Liebenau entstanden, das im Mai 2020 konkret in Angriff genommen und im Dezember 2022 abgeschlossen worden war.

Wichtiges Element dieses Konzepts ist eine Gemeinwesenarbeit innerhalb der Wohnanlage, die von der Gemeinde finanziert wird. Denn die Anlage selbst soll nicht nur nebenbei mit ihrem Servicezentrum zu einer Anlaufstelle und Begegnungsstätte für alle Bürger werden, die Arbeit soll nach und nach im Sinne einer Quartiersarbeit auch auf die ganze Gemeinde ausstrahlen und für eine Vernetzung sorgen. „Das Quartier ist bei uns die Gemeinde“, erklärt Bürgermeister Wengert.

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Spätestens hier kommt die Bürgerstiftung Owingen ins Spiel. Aus dem Verkauf der Grundstücke für das Wohnprojekt an den Investor und einer Spende der Stiftung Liebenau kam ein Kapitalgrundstock von 786 000 Euro zusammen. Da die Ziele der Bürgerstiftung nur aus den Erträgen des Vermögens finanziert werden dürfen und mit Geldanlagen bei der Gründung nur wenig Staat zu machen war, erwarb die Stiftung selbst zwei Wohnungen und zwei Tiefgaragenstellplätze für insgesamt gut 700 000 Euro, die seit dem Vorjahr auch vermietet sind. Die Mieteinnahmen von rund 16 000 Euro jährlich und die weiteren Erträge können nun für die Stiftungszwecke ausgegeben werden.

Ausdrücklich benannt sind in der Satzung unter anderem die Jugend-, Familien- und Altenhilfe, Bildung und Erziehung, Kultur, Kunst, Heimat- und Denkmalpflege, aber auch Völkerverständigung oder Natur- und Umweltschutz. „Die Bürgerstiftung Owingen dient ausschließlich dem Gemeinwohl“, heißt es unter anderem in der Präambel. „Ihr Engagement basiert auf der Unterstützung zwischenmenschlicher Beziehungen im Sinne der Solidarität und Subsidiarität und des bürgerschaftlichen Engagements sowie der Überzeugung, dass gerade auf Gemeindeebene die Menschen motiviert sind, ihr Umfeld mitzugestalten.“ Ziel ist am Ende ein enges Netzwerk von Initiativen, das geeignet ist, die Lebensqualität für alle zu verbessern.

Gruppen, Vereine und Initiativen können gefördert werden

Bestehende Gruppen und Vereine, aber auch neue Initiativen können vor diesem Hintergrund Förderanträge an die Bürgerstiftung stellen. Entscheidend ist, dass eine gewährte Unterstützung als flankierende Hilfe gedacht ist. Als Beispiel nennt der Bürgermeister die Einrichtung eines Schulchors, der sich bei kleinen Deputaten vielleicht nicht ohne Unterstützung realisieren lasse. Hilfe für bedürftige Menschen in der Gemeinde könne ebenso dazugehören wie neue kulturelle Initiativen. Den Ideen seien zunächst keine Grenzen gesetzt.

„Die Bäume wachsen natürlich nicht in den Himmel“, betont Henrik Wengert. Damit sie allerdings überhaupt größer werden können, hofft der Bürgermeister, der zugleich Vorsitzender des Stiftungsvorstands ist, auf weitere Zustiftungen aus der Bürgerschaft. Damit könnten sie einen Beitrag zu der eigenverantwortlichen Bewältigung gesellschaftlicher Aufgaben in der Gemeinde leisten. Um derlei Initiativen zu belohnen, sei wiederum die Einführung eines Ehrenamtspreises denkbar. Doch jetzt müsse sich die Bürgerstiftung erst mal in den Köpfen der Owinger verankern.