Ein schwimmendes Mühlrad auf der Wasseroberfläche, das sich in der Waagerechten gemächlich dreht. Kein Plätschern, das einen echten Brunnen in der Regel auszeichnet. Als großer Wurf wurde das aus einer kleinen Brunnenstube gespeiste Objekt auf dem Rathausvorplatz in Owingen nie gesehen, auch wenn das Becken aus edlem dunklem Stein besteht. Immerhin schwamm hier das Wappensymbol der Owinger Kerngemeinde. Doch als sich ein Kind sich Verletzungen zuzog, weil es in das Becken geklettert war, diagnostizierte der TÜV Sicherheitsmängel und ordnete die Sperrung des Brunnens an. Das liegt viele Jahre zurück. Seitdem ist das Becken abgedeckt und bietet einen eher trostlosen Eindruck. Das soll nun anders werden.

Identität stiftendes Objekt

Mit der Neugestaltung des Rathausvorplatzes im Zusammenspiel mit der öffentlichen Fläche auf der gegenüberliegenden Straßenseite soll auch der Brunnen wiederbelebt werden, nach Möglichkeit als Identität stiftendes Objekt, in dem sich die gesamte Gemeinde wiederfinden soll. Am besten mit den allseits bekannten Symbolen der Teilorte.

Wie dies aussehen könnte, darüber gingen die Meinungen in der jüngsten Zusammenkunft am Ratstisch weiter auseinander, als Bürgermeister Henrik Wengert lieb war. Die erhoffte Weichenstellung war alles andere als greifbar, das war bereits nach wenigen Minuten zu erkennen. Einziger Konsens war, dass das Mühlrad künftig standesgemäß senkrecht stehen müsse, wie es sich realistischerweise gehört. Wobei es selbst für die Befürworter ein Geheimnis zu sein scheint, wie das derzeit verborgene Rad aufgebaut ist, geschweige denn, ob es für eine weitere Verwendung überhaupt taugt.

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Gleich drei grundsätzliche Alternativen präsentierte der Bürgermeister seinem Gremium. Einmal sollten die drei Wappensymbole der Teilorte – Einhorn, Steinbock und Turm – den neuen Brunnen in stattlicher Größe säumen. Bestenfalls als Objekte, die Kinder auch erklettern könnten. Manchen erschienen die Figuren in dieser Form zu dominant auf dem Platz, andere hatten schon die ersten Sicherheitsbedenken bei Abstürzen.

Eher als Miniaturen auf den Ecken des Brunnenbeckens sah die zweite Alternative die Teilortsymbole vor. Das könnte vermeintlich preiswerter und weniger aufdringlich erscheinen, war die Einschätzung. Ein dritter Entwurf sah lediglich flache, unauffällige Messingplaketten mit den Wappen der Teilorte an drei Seiten des Beckens vor. Weitgehende Übereinstimmung herrschte vor allem darin, dass alle Teilorte der Gemeinde auf irgendeine Weise repräsentiert sein sollten.

Bereits seit einigen Jahren ist der Brunnen abgedeckt und kein Schmuckstück mehr. Mit der Neugestaltung des Rathausvorplatzes soll er ...
Bereits seit einigen Jahren ist der Brunnen abgedeckt und kein Schmuckstück mehr. Mit der Neugestaltung des Rathausvorplatzes soll er wiederbelebt werden. Wie dies aussehen könnte, darüber gehen die Meinungen am Ratstisch allerdings noch weit auseinander. | Bild: Hanspeter Walter

„Ich habe nichts gegen die Teilorte“, beteuerte Gemeinderat Alexander Schechter. Aber deren Wappentiere brauche es hier wirklich nicht. „Einfach und sicher“ möge der künftige Brunnen sein, am besten mit einem senkrechten Mühlrad im Becken. Wenigstens die kleine Skulpturenlösung wünschten sich Ralf Keller und Renate Pfeifer. Wenn schon, denn schon, sagte sich Daniela Mayer. „Was wollen wir mit dem Brunnen?“, fragte sie, setzte auf eine markante Installation mit großen Figuren und hoffte auf einen „Wow-Effekt“.

„Die Teilorte sollten auf jeden Fall dabei sein“, erklärte Billafingens Ortsvorsteher Markus Veit. Am besten mit großen Objekten zum Klettern, sagte auch er und sah den Brunnen an der Konstanzer Marktstätte als Vorbild: „Es ist gigantisch, was da abgeht.“ Sicherheitsbedenken hatte hier Jörg Schirm. „Da kann man drauf warten, bis der erste runterfliegt, und dann stehen die Eltern auf der Matte.“ Aus Sicht von Elisabeth Matzner ist für eine derartige Lösung der Platz ohnehin zu klein. „Ich fürchte, das wird nachher zu eng auf dem Platz“, warf sie ein.

Wasser soll wieder „erlebbar“ werden

Wichtig für Bürgermeister Henrik Wengert ist vor allem, dass „das Wasser wieder erlebbar wird“ und sich die gesamte Gemeinde hier wiederfinde: „Das ist der Rathausplatz und das Rathaus ist für alle da.“ Gemeinsam mit Planer Johann Senner, der die Gestaltung des Platzes konzipierte, und einem Metallkünstler will Wengert nun zumindest grob eruieren, welche Alternative für wieviel Geld realisierbar sein könnte. Erst dann könne man das Thema sinnvoll weiterberaten.