Überlingen muss noch auf seine neuen Lampen und den Landungsplatz warten, Uhldingen-Mühlhofen zaudert noch. Keine Frage war es hingegen für die Verwaltung und den Gemeinderat in Owingen, im Ortszentrum möglichst schnell und einfach kostenlose WLAN-Hotspots für seine Bürger und Besucher bereit zu stellen. Spätestens nach Abschaffung der sogenannten "Störerhaftung" für Rechtsverstöße im Internet, die am 13. Oktober 2017 rechtskräftig wurde, brauchen Kommunen keine Bedenken mehr zu haben. Nach einem erfolgreichen inoffiziellen Testbetrieb nahmen Bürgermeister Henrik Wengert und Rico Goede, der zuständige Kommunalberater des Energieversorgers EnBW, das neue öffentliche WLAN-Netz symbolisch in Betrieb. Bei der Bereitstellung des Netzes kooperiert Owingen mit der EnBW-Tochter "SM!GHT", die sich aus den Begriffen "Smart City Light" ein Kunstwort als Namen kreiert hat.

"An der Bushaltestelle vor dem Rathaus ist morgens die Hölle los", beschreibt Henrik Wengert den Blick aus dem Rathausfenster auf die wartenden Schüler an der Hauptstraße: "Die Jugendlichen sind sicher froh, wenn sie in dieser Zeit kostenlos ins Netz kommen." Der zweite Versorgungsschwerpunkt ist die neue grüne Mitte hinter, beziehungsweise unterhalb des Rathauses. "Kaum scheint kurz die Sonne, beleben sich diese Plätze sofort, oft mit über 50 Menschen", zeigt sich der Bürgermeister über die Entwicklung hier sehr zufrieden. Hier sei es daher ebenfalls wichtig, einen kostenlosen öffentlichen Hotspot anzubieten und damit "die Aufenthaltsqualität weiter zu verbessern".

So einfach geht es: Den AGBs zustimmen und schon geht's ins Netz der Owinger Hotspots.
So einfach geht es: Den AGBs zustimmen und schon geht's ins Netz der Owinger Hotspots. | Bild: Hanspeter Walter

Der Zugang zum Owinger WLAN-Netz ist denkbar einfach: Wer den Hotspot anklickt, bei dem taucht auf dem Smartphone die Imageseite der Gemeinde auf mit dem Hinweis, die Zustimmung zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen mit einem Klick zu bestätigen. Schon ist der Zugang freigeschaltet. Zumindest für 30 Tage. Anschließend muss die Prozedur noch einmal wiederholt werden. Doch wer unterwegs in anderen Orten auf einen "SM!GHT"-Hotspot trifft, der kann diesen ebenfalls sofort nutzen. Das sind derzeit mehr als 500 in ganz Deutschland, auch Meersburg gehört inzwischen dazu. Allerdings ist der Zugang auf die Tageszeit zwischen 6 und 22 Uhr beschränkt. "Wir wollen von vorneherein vermeiden, dass sich diese Plätze nachts zu Treffpunkten entwickeln, die die Anwohner stören könnten," begründet Bürgermeister Wengert die Limitierung.

 

Bis zu 250 Personen auf einmal können das Netz mit maximaler Leistung nutzen

 

Der Datenfluss kann sich sehen lassen, denn die Glasfaserleitung reicht bis in den Keller des Rathauses. "Die Geschwindigkeit reicht bis zu 100 MBit", betont Hauptamtsleiterin Regina Holzhofer. Die werden über drei Hotspots zur Verfügung gestellt. Eine Antenne versorgt den oberen Rathausplatz und reicht über die Hauptstraße hinaus, eine zweite strahlt vom Rathaus hinunter auf das grüne Zentrum der Gemeinde bis hinüber zum Bürgerhaus "Kultur|O" und zur Sporthalle. "In diesen Bereichen können jeweils bis zu 250 Personen das Netz mit der maximalen Leistung nutzen", erklärt EnBW-Vertreter Goede, "oder einfach schnell mal eine WhatsApp-Nachricht verschicken." Ein dritter interner Router befindet sich im Sitzungssaal und ist ganz bewusst der Verwaltung und dem Gemeinderat vorbehalten. "Dieses Netz ist verschlüsselt", sagt Henrik Wengert: "Damit können auch die Unterlagen aus dem Ratsinformationssystem während der Beratungen online eingesehen werden."

Der Gemeinderat hatte zu der Einrichtung im Vorjahr grünes Licht gegeben. Schon im Haushalt 2017 waren für die Internetversorgung im Bürgersaal und das öffentliche WLAN 6500 Euro eingestellt gewesen. Die Erstinstallation inklusive Kabelarbeiten verursachte Kosten von rund 4500 Euro. Die laufenden jährlichen Kosten für Anschluss und Miete der drei Hotspot-Router belaufen sich auf knapp 2000 Euro.

 

Die Betreiberfirma

Der Name der EnBW-Tochter "SM!GHT" ist vom Begriff "Smart City Light" abgeleitet, einem Produkt, das die Firma als integrierte Lösung von Straßenbeleuchtung und öffentlichem WLAN anbietet. Neben der Internetversorgung kümmert sich "SM!GHT" um die Themen Umweltsensorik und die Infrastruktur von Ladesäulen für die E-Mobilität, die zur Stromversorgung und zur Datenerhebung integriert werden können. Die Firma hat auch die Verantwortung für die angebotenen Inhalte und blockiert zum Beispiel volksverhetzende Inhalte oder pornografische Plattformen, wie EnBW-Vertreter Rico Gaede betont. (hpw)