Der geplante Campingplatz am Ortsrand von Owingen liegt zwar nicht unmittelbar am See. Doch der Standort am Ende der Kreuzstraße am Rande des Gewerbegebiets Henkerberg ist verkehrstechnisch sehr gut gelegen, nur wenige Kilometer von der neuen B31 am Andelshofer Weiher und damit wenige Minuten von Überlingen und dem begehrten Ufer entfernt. Nur einen Katzensprung bedarf es, um vom Rand des neuen Gewerbegebiets einen Panoramablick auf See und Berge zu erhaschen.

Schon seit einigen Jahren hatte sich Andreas Klatt, derzeit Betreiber einer Pferdepension, mit diesen Plänen und der wirtschaftlichen Tragfähigkeit eines Angebots an dieser Stelle befasst. Die erforderliche Teiländerung des Flächennutzungsplans beriet jetzt der Owinger Gemeinderat und erteilte sein Einvernehmen einstimmig.

Doch auch der gesamte Verwaltungsverband mit der Stadt Überlingen und der Gemeinde Sipplingen wird dazu noch Position beziehen müssen. Doch nach dem aktuellen Kenntnis- und Planungsstand spricht nichts gegen die Veränderung und das neue Angebot.

Standort im Bereich "Sichelhalde"

Im Gegenteil. Bürgermeister Henrik Wengert verwies auf die zwei aufgegebenen Campingplätze im Bereich des Überlinger Gartenschaugeländes und in Nußdorf. "Durch den Wegfall dieser beiden Campingplätze hat sich grundsätzlich ein Bedarf an der Realisierung eines neuen Campingplatzes innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft ergeben", betonte Wengert.

Schon im Juli 2015 habe sich der Eigentümer des Pferdehofes mit seinem Ansinnen erstmals an die Gemeinde gewandt, sagte der Bürgermeister, "um zur Stärkung und Erhalt seines bestehenden Betriebs einen Campingplatz in diesem Bereich ausweisen zu können."

Camping-Papst sieht hohen Bedarf

Der Antragssteller habe sein Vorhaben auch vom so genannten "Campingpapst", Professor Heinrich Lang, einem vereidigten Sachverständigen für Camping- und Ferienwirtschaft, unter die Lupe nehmen lassen. Nicht nur die Machbarkeitsüberlegungen, auch eine schalltechnische Untersuchung sei dem Gemeinderat zunächst in nichtöffentlicher Sitzung vorgestellt worden und hätten überzeugt, erklärte Wengert. Ein besonderes Augenmerk sei auf mögliche Nutzungskonflikte mit dem angrenzenden Gewerbegebiet Henkerberg gerichtet worden. Doch spreche hier nichts gegen die Planung, zumal die Gemeinde selbst vom zusätzlichen Verkehr nicht berührt werde.

Zeltwiese neben Stellplätzen

Insgesamt 1,66 Hektar landwirtschaftliche Fläche im Bereich "Sichelhalde" sollen mit der Änderung in eine Sonderbaufläche "Campingplatz" umgewandelt werden, wie Planer Axel Philipp erläuterte. Entstehen sollen auf dem Gelände nach dem aktuellen Vorentwurf insgesamt 78 Standplätze für Caravans und Reisemobile sowie ein Empfangs- und Sanitärgebäude. Angrenzend daran ist noch eine Zeltwiese vorgesehen. Auch Planer Philipp verwies auf die strategisch gute Lage des Vorhabens. "Für die Ortslage selbst wird durch den Campingplatz kein zusätzlicher Verkehr entstehen", erklärte er. Bei Bedarf sei der Ort für Einkäufe oder Gaststättenbesuche sogar fußläufig gut zu erreichen. Auf der anderen Seite seien vom Standort aus sehr viele Sehenswürdigkeiten der Region leicht anzufahren.

Keine Hindernisse erkennbar

Nun muss die Teiländerung des Flächennutzungsplans von der Verwaltungsgemeinschaft grünes Licht bekommen, ehe der Antrag vom Regierungspräsidium Tübingen beschieden werden kann. Doch vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen und dem erkennbaren Bedarf dürfte ein neues Angebot an dieser Stelle allen Beteiligten nur entgegenkommen. In Überlingen ist derzeit nichts in Sicht und die Zukunft des früheren Campingplatzes nach der Gartenschau noch offen; in Sipplingen gibt es aufgrund der Restriktionen und der Topographie keine entsprechenden Möglichkeiten.

 

Die Campingplatzpläne von Andreas Klatt

In den 1970er Jahren hatte der Vater von Andreas Klatt (51) den Pferdehof mit Landwirtschaft an der Kreuzstraße am Rande des Auentals begründet. Derzeit betreibt Klatt hier vor allem eine Pferdepension. Schon seit einigen Jahren habe er die Idee mit dem Campingplatz und sich 2015 erstmals an die Gemeinde gewandt. Im Owinger Rathaus habe er sehr viel Unterstützung und Wohlwollen erfahren, betont Andreas Klatt. Über den Verein Bodensee-Linzgau-Tourismus habe er Kontakt zu dem Campingexperten Heinrich Lang bekommen, der ihn seitdem berate und das Vorhaben positiv bewertet habe. Nun hofft Klatt, bestenfalls noch vor Ende des Jahres die Genehmigung zu erhalten. Dazu bedarf es nach der Änderung des Flächennutzungsplans noch eines Bebauungsplans. Details der Planung stehen auch noch nicht fest, davon hänge auch die Höhe der Investitionen ab. "Optimal wäre es für mich, wenn das Angebot in der Sommersaison 2019 zur Verfügung stehen könnte", sagt der Owinger. Seine Pferdepension will Klatt weiterbetreiben, möglicherweise etwas einschränken, wie er sagt. (hpw)