Wohin wenden sich homosexuelle Menschen, die gerne zu ihrer Sexualität stehen würden, jedoch dies bisher unterließen aus Angst vor Repressalien? Ergänzend zu den psychologischen Beratungsstellen vor Ort findet zu dem Thema ein privater Stammtisch in Owingen statt.

Michael "Mitch" Bode ist schwul und macht daraus kein Hehl. Er hatte sich sogar an dem bundesweiten Wettbewerb "Mister-Gay-Wahl" beteiligt und dabei die Idee geboren, einen entsprechenden Stammtisch ins Leben zu rufen, um anderen ihr sogenanntes Outing zu erleichtern.

Zum zweiten Mal traf Mann sich am vergangenen Sonntag in Owingen bei ihm Zuhause um in lockerer Runde zu netzwerken und sich über Erlebnisse auszutauschen. In der Runde der vier Männer, beim vorvergangenen Stammtisch waren es sieben Schwule gewesen, war allerdings keiner dabei, der sein Schwulsein noch versteckt. Zwei von Bodes Gästen kamen aus der Schweiz, den langen Weg von Zürich beziehungsweise Winterthur, um den jungen Owinger bei seinem Vorhaben zu unterstützen. Beide sind über 40 Jahre alt und in der Schweizer Community (Schwul-Lesbische Gesellschaft) fest verortet. Der Fotograf aus Winterthur erzählt: "Als ich 20 Jahre alt war, habe ich wochenlang eine Anlaufstelle für Schwule umkreist, so unsicher war ich, ob ich da reingehen und mich also zu meinem Schwulsein bekennen möchte." Der zweite Schweizer nickt wissend. Er ist im Schweizer Staatsdienst tätig und darf deshalb seine Identität bei diesem Stammtisch nicht der Öffentlichkeit preisgeben. "Bei uns wird da sehr strikt nach privat und beruflich getrennt", erklärt er achselzuckend. Der junge Mann aus Engen arbeitet im Einzelhandel und möchte gegenüber seinem Arbeitgeber keine Angaben zu seiner sexuellen Orientierung machen. Diese sei allerdings seinem Umfeld bekannt, erzählt der 24-Jährige.

Alle sind sich einig, dass sich in den letzten 20 Jahren sehr viel getan hat – aber immer noch einiges zu tun ist, um tatsächlich alle Vorurteile abzubauen. Die drei Freunde von Michael Bode möchten ihm helfen, seinen Stammtisch nicht nur zur Hilfe beim "Outing" – das heißt, sich als Homosexueller, da wo es sinnvoll ist, auch öffentlich zu zeigen -, sondern auch ein Netzwerk aufzubauen, denn das sei in der Szene sehr wichtig.

Vier schwule Männer trafen sich zum Stammtisch in Owingen. Drei möchten nicht erkannt werden, einer hat damit kein Problem. Das ist Michael "Mitch" Bode (Zweiter von links), der den Treff initiiert hat.
Vier schwule Männer trafen sich zum Stammtisch in Owingen. Drei möchten nicht erkannt werden, einer hat damit kein Problem. Das ist Michael "Mitch" Bode (Zweiter von links), der den Treff initiiert hat. | Bild: Stef Manzini

Die beiden Schweizer sind aktiv beim Christopher-Street-Day in Zürich und daher kommt auch der Kontakt zu dem jungen Owinger. Großartig finden alle drei Männer sein Bestreben, auch in der Provinz ein entsprechendes Angebot an Gesprächen und Aktivitäten aufzubauen. Gerne möchte Bode das Gesprächsangebot bei seinem Stammtisch auch für Lesben verstanden wissen und lädt diese explizit mit dazu ein. "Wichtig ist für mich, hier etwas für uns aufzubauen, gerne können wir uns auch mit anderen ähnlichen Stammtischen auszutauschen oder einmal treffen. Mein Angebot zur Hilfe beim Outing steht und ich würde mich sehr freuen, neue Gesichter in unserer Runde begrüßen zu dürfen", sagt Bode, der sich gerade auch noch bei einer TV-Show beworben hat, aber nichts verraten möchte, bevor er nicht eine Rückmeldung dazu bekommen hat.

Der Stammtisch

So offensiv wie Michael Bode geht nicht jede oder jeder mit Thema Outing um, das sich zwar immer mehr in dieser Gesellschaft verankert, bei dem ein oder anderen aber immer noch Kopfschütteln oder Herablassung und Schlimmeres hervorruft. Aus diesem Grunde ist es für die vier Männer vom Sonntagstreff in Michael Bodes Elternhaus auch nicht wichtig, wie viele homosexuelle Menschen ihr Angebot wahrnehmen, sondern vielmehr, dass für diejenigen, auf die es zutrifft, das Angebot besteht. Informationen zum Stammtisch für Schwule und Lesben in Owingen an die E-Mail: michi.b.@live.com