Eine grandiose Premiere erlebten die ersten Owinger Musiktage, die im Bürgerhaus "kultur|O" mit drei ganz unterschiedlichen Abenden ein bemerkenswertes Programm boten und damit ein breites Publikum ansprachen. Nicht einmal die kühnsten Optimisten des Owinger Kulturkreises konnten ernsthaft erwarten, dass die Konzerte auf Anhieb auf eine so große Resonanz stoßen würden. Schon bei der Eröffnungsgala mit dem US-Pianisten Derek Han und Initiator Martin Panteleev war der Saal mit knapp 300 begeisterten Zuhörern nahezu ganz gefüllt. Regelrecht überrascht waren die Veranstalter, dass dies beim letzten Abend trotz der frühen Uhrzeit um 17 Uhr und dem frühlingshaften Wetter noch einmal gelang. Insgesamt kann der Kulturkreis mit mehr als 800 Besuchern eine zufriedene Bilanz ziehen. Der Grundstein für eine Fortsetzung des Konzepts ist damit gelegt und der erklärte Wunsch der örtlichen Mitstreiter in Erfüllung gegangen.

Deren enormes Engagement hatte Bürgermeister Henrik Wengert schon bei der Eröffnung am Freitagabend ganz besonders hervorgehoben. Neben der wichtigen Initiative von Martin Panteleev, den Wengert als großen Glücksfall für das Kulturleben in der Gemeinde, ja der ganzen Region bezeichnete. Wie sonst hätte es gelingen können, einen so renommierten Pianisten wie Derek Han für diese Premiere der Musiktage zu gewinnen. "Er ist in den Konzerthäusern von London und Paris, New York und Tokio zu Hause", machte Wengert deutlich: "Und nun auch zu Gast in Owingen im kultur|O." Schon nach dem Eröffnungsabend, der mit Beethovens Kreutzer-Sonate und einem der anspruchsvollsten Klavierkonzerte Chopins echte Perlen der Klassik und Romantik bot, war Impulsgeber und Musiker Martin Panteleev mehr als glücklich über das Echo beim Publikum.

Nikola Milo verzauberte das Publikum in Owingen mit Tango-Rhythmen auf seinem Bandoneon. Hier begleitet von Lida Panteleev (Klavier).
Nikola Milo verzauberte das Publikum in Owingen mit Tango-Rhythmen auf seinem Bandoneon. Hier begleitet von Lida Panteleev (Klavier). | Bild: Klaus Schielke

Von Anfang an war die Begeisterung bei den Zuhörern so groß "wie zu Beethovens Zeiten". Diesen Vergleich zog Martin Panteleev aus gutem Grund schon nach dem gefälligen Einstieg mit Mozarts "kleiner Nachtmusik", die Panteleev mit seinem Streicherensemble interpretierte. Das Publikum konnte schon hier seine Begeisterung nicht zügeln und applaudierte jenseits der 'musical correctness' bereits nach dem ersten Satz engagiert. Ohne die Zuhörer vergraulen zu wollen und pädagogisch klug wies der Musiker darauf hin, dass das Publikum zu Beethovens Zeiten durchaus seiner Begeisterung freien Lauf gelassen und dieser mit Szenenapplaus und Bravorufen Ausdruck verliehen habe. "Wir Musiker freuen uns darüber", gewann Panteleev dem Ganzen etwas Positives ab.

Und das Publikum zeigte sich lernfähig. Was nach dem ersten Satz der Kreutzer-Sonate noch nicht gelang, schafften die Zuhörer beim nächsten Übergang. Das Ende des zweiten Satzes nachklingen zu lassen und dem fulminanten Auftakt des dritten seine ganze Wirkung zu gönnen. Überhaupt war es ein Phänomen, wie Derek Han am Flügel und Martin Panteleev mit der Violine dialogisch harmonierten und sich die Noten mit viel Sensibilität einander zuspielten. Die grandiose Komposition mit ihren melodiösen Momenten und dramatischen Höhepunkten erhielt so einen ganz besonderen Ausdruck, der den Zuhörern regelrecht unter die Haut ging. Mindestens ebensovirtuos perlte Chopins 1. Klavierkonzert von den Händen Derek Hans in den Owinger Konzertsaal.

Mit Beethovens Kreutzer-Sonate und Chopins Klavierkonzert Nr. 1 begeisterten der US-Pianist Derek Han (rechts) und Violinist Martin Panteleev das Publikum.
Mit Beethovens Kreutzer-Sonate und Chopins Klavierkonzert Nr. 1 begeisterten der US-Pianist Derek Han (rechts) und Violinist Martin Panteleev das Publikum. | Bild: Hanspeter Walter

Ähnlich mitreißend – aus einer ganz anderen Perspektive – war der zweite Abend, an dem Nikola Milo mit seinem Bandoneon und dem Akkordeon die ganze musikalische Kraft des Tangos auf die Bühne zauberte. Die Verschränkung der barocken Vivaldi-Jahreszeiten mit der Romantik Tschaikwoskys entpuppte sich mit Martin und Lida Panteleev als Solisten als ganz besonderer Leckerbissen. Dies just an einem Sonntag, an dem sich der Frühling anschickte, den Winter in die Schranken zu weisen.

Musikalisches Feuerwerk

Seit mehr als 15 Jahren leben und arbeiten die beiden aus Sofia stammenden Musiker Martin und Lida Panteleev in der Region, wenn sie nicht gerade in den Konzertsälen rund um den Globus unterwegs sind. Auf der Halbinsel Darß an der Ostsee beginnen am Wochenende die 17. Kammermusiktage von Barth, die die beiden aus Bulgarien stammenden Frickinger ebenfalls begründet haben. Auf ein fünftägiges Programm mit namhaften Gastmusikern ist das Festival an der Ostsee inzwischen angewachsen und erfreut sich großer Beliebtheit. Die erklärte Vision der Panteleevs, mit dem neuen Owinger Festival eine Brücke über die ganze Republik hinweg an den heimischen Bodensee zu schlagen, scheint mit der erfolgreichen Premiere in Owingen ein Stück näher gerückt. Denn wer nur einen Teil des dreitägigen musikalischen Feuerwerks mitbekommen hat, bei dem dürfte der Funke schon übergesprungen sein. (hpw)