Unaufgeregt und konsequent hat Owingens Bürgermeister Henrik Wengert seit Januar 2010 seine Ziele verfolgt. Einige Ergebnisse sind deutlich sichtbar. Nicht nur bei der Ansiedlung von Gewerbe und der Schaffung von Wohnbauland, die für Arbeitsplätze und Zuzug sorgten. Auch die Bürger hatte Wengert im Blick, beteiligte sie ehrlich und entwickelte die Infrastruktur mit der Bevölkerung weiter – sei es mit Begegnungsorten oder funktionalen Bedarfsgebäuden. Betreuung und Bildung waren ihm mit Blick auf Familien wichtig. Mancher aus dem Umland blickte neidvoll auf die florierende Gemeinde, in der auch noch ein guter Geist spürbar ist. Dies wurde nicht erst im Ergebnis und in der Präsenz am Wahlabend deutlich, der Wengert die "Quittung" für acht Jahre engagierte Arbeit bescherte.

Der Verwaltungsfachmann versteht nicht nur sein Handwerk, pflegt wichtige Kontakte und weiß, wie er Fördermittel für seine Kommune an Land zieht, die noch zwei Jahre lang bevorzugt bezuschusst wird – dank der zielgerichteten Gemeindeentwicklung unter Bürgerbeteiligung. Er ist auch "stets offen und freundlich zu den Bürgern", wie sein Vor-Vorgänger Karl-Friedrich Reiner am Wahlabend konstatierte. So wundert es auch kaum, dass die Stimmung unter den Mitarbeitern im Rathaus spürbar gut ist. Wengert sitzt nicht auf dem hohen Ross, er unterstützt sein Team auch als Sachbearbeiter, wie er gerne unterstreicht.

Dass dieses Vorzeigbare – sei es beim Wohnungsbau oder bei der Gewerbeansiedlung – in einigen, kleinen Kreisen auch mal auf Kritik stößt, darf nicht verwundert. Manchem, dazu gehört auch der frühere Billafinger Ortsvorsteher und Kommunalpolitiker Ernst Beck, geht das eine oder andere zu schnell. "Wir dürfen doch Grund und Boden nicht so verschleudern", sagte Beck am Abend der Kandidatenvorstellung und hatte einen kleinen Fragenkatalog mitgebracht, denn er allerdings nicht laut loswerden konnte. Der eine oder andere Landwirtskollege teilt diese Sorge.

Dennoch bemüht sich Wengert stets um Augenmaß und ist zudem lernfähig, ja auch bereit, mal einen Schritt zurückzugehen, wie er in diese Sommer bewies. Bei der Echt-Bodensee-Card, die er selbst zunächst offensiv vertreten hatte und dies im Grunde noch immer tut, hat er sich überzeugen lassen, dass eine solidarische Beteiligung zwar gut und schön ist. Dass eine Gemeinde in der zweiten Reihe, die nur sehr eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten bieten kann, nicht unbedingt Pionierarbeit leisten muss und dies auch gar nicht tun kann: Diese Erkenntnis gewann Wengert im Verlauf des Diskussionsprozesses und steuerte mit seiner Gemeinde nach einem ersten euphorischen Ja-Wort noch einmal in eine Warteschleife. Damit bewies er, dass er das Wort der Bürger hört und seine Einschätzungen auch mal revidieren kann. Dass er dies im Gleichschritt mit dem Gemeinderat tat, macht das fruchtbare Miteinander deutlich.