Kinder, wie die Zeit vergeht. Das mögen auch Bürgermeister Henrik Wengert und die Owinger denken. Der Chefsessel im Rathaus wird im Spätherbst wieder vergeben, die Bürger werden wenige Wochen nach der Bundestagswahl erneut zu den Urnen gebeten. Noch will der amtierende Bürgermeister, der im Januar 2010 sein Amt angetreten hatte, keine Erklärung zu seinen Ambitionen über das Jahr 2017 hinaus abgegeben. Nach seiner Entscheidung wolle er dies zuerst dem Gemeinderat zur Kenntnis geben, sagt Wengert.

Gemeinde und Kulturkreis freuen sich in Owingen gemeinsam für den neuen Flügel im Bürgerhaus "Kultur|O": (von links) Raimund Grüner (sitzend), Andrea Benz, Margarat Schielke, Angelika Thiel, Bürgermeister Henrik Wengert und Klaus Schielke. Bild Hanspeter Walter
Gemeinde und Kulturkreis freuen sich in Owingen gemeinsam für den neuen Flügel im Bürgerhaus "Kultur|O": (von links) Raimund Grüner (sitzend), Andrea Benz, Margarat Schielke, Angelika Thiel, Bürgermeister Henrik Wengert und Klaus Schielke. Bild Hanspeter Walter | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Doch wer sich in der Gemeinde umblickt, der wundert sich schon etwas weniger über den Verbleib der Zeit. In Owingen hat sich das umsichtig geplante Bürgerhaus "Kultur|O" längst etabliert und erfreut sich auch in der Umgebung großer Beliebtheit. Das neue Gewerbegebiet im Henkerberg gedeiht prächtig, nur 2,6 von neun Hektar hat die Gemeinde noch zu vergeben, die Erschließung des Wohngebiets Mehnewang III geht flott voran und mit dem Erwerb des Raiffeisenmarkts konnte die Kommune die weitere Entwicklung der Ortsmitte in die Wege leiten, wo in den kommenden Jahren einmal das neue Feuerwehrhaus entstehen soll. "Hier haben wir wichtige Weichen gestellt", erklärt Bürgermeister Wengert. Auch die Aussegnungshalle auf dem Friedhof ist schon im Werden.

Der langjährige Billafinger Ortsvorsteher Karl-Friedrich Barth (links) wurde verabschiedet, Markus Veit trat seine Nachfolge an.
Der langjährige Billafinger Ortsvorsteher Karl-Friedrich Barth (links) wurde verabschiedet, Markus Veit trat seine Nachfolge an. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Einiges ist allerdings auch noch in der Pipeline stecken geblieben. Wie die Planung auf dem ehemaligen Storck-Areal. "Das Konzept, das wir mit der Stiftung Liebenau umsetzen wollen, steht nach wie vor", betont Henrik Wengert: "Allerdings haben wir noch nicht den richtigen Investor gefunden." Ein betreutes Wohnen mit kleinem öffentlichem Zentrum soll hier entstehen. Daneben hat die Kommune inzwischen auch eine kleine Pflegeeinrichtung an anderer Stelle im Hinterkopf.

25 Jahre Partnerschaft: Schwer beeindruckt war Bürgermeister Henrik Wengert vom Gastgeschenk des Kollegen Guy Barret. Bild: Hanspeter Walter
25 Jahre Partnerschaft: Schwer beeindruckt war Bürgermeister Henrik Wengert vom Gastgeschenk des Kollegen Guy Barret. Bild: Hanspeter Walter | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Gut entwickelt hat sich die Situation der Unterbringung von Geflüchteten in Owingen. "Die Gemeinde hat ihre Verpflichtungen erfüllt", sagt Wengert. Sie hat auch vorausschauend Wohnraum erworben oder angemietet. Zufrieden ist der Bürgermeister insbesondere mit der wachsenden Akzeptanz und dem regen Helferkreis. Nachdem es in Billafingen und in der Owinger Schulstraße anfangs noch besorgte Stimmen gegeben hatte, hat sich die Situation positiv entwickelt. Im Teilort ist man sich im Frühjahr bei einem Begegnungskaffee näher gekommen, einen Tag der offenen Tür gab es auch in der Schulstraße, wo jetzt Jugendliche untergebracht sind. Bestes Indiz ist für Wengert die Tatsache, dass sich die jungen Geflüchteten am "Spiel ohne Grenzen" beim Bürgerbuffet beteiligt hatten und sogar Sieger wurden. Ende des Jahres seien die Nachbarn in der Schulstraße eingeladen worden und hätten die Speisen weidlich genossen. Doch der Bürgermeister bleibt realistisch: "Die Integration beginnt erst jetzt."

Ein Treffpunkt für Jung und Alt soll der neue Dorfplatz in Taisersdorf werden, der im Juni eröffnet wurde. Ortsvorsteherin Angelika Thiel mit Bürgermeister Henrik Wengert.
Ein Treffpunkt für Jung und Alt soll der neue Dorfplatz in Taisersdorf werden, der im Juni eröffnet wurde. Ortsvorsteherin Angelika Thiel mit Bürgermeister Henrik Wengert. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Wichtig ist Wengert auch, dass 2016 der letzte Bauabschnitt zur Sanierung der Auentalschule abgeschlossen werden konnte. Insgesamt 700 000 Euro hat die Gemeinde inzwischen investiert und damit die Weichen für die Zukunft gestellt. In der ersten Klasse ist die Grundschule derzeit dreizügig, die für September eine neue Leitung sucht. "Schulleiter Boos und Stellvertreterin Pollakis werden in den Ruhestand gehen", sagt der Bürgermeister.

Noch mehr Weitblick hat Hohenbodman mit seinem neuen Fernrohr auf dem Turm. Das Gute ist: Man sieht etwas, auch wenn man nichts sieht – wie beim Test von Bürgermeister Henrik Wengert (links) und Ortsvorsteher Jörg Nesensohn. Bild: Hanspeter Walter
Noch mehr Weitblick hat Hohenbodman mit seinem neuen Fernrohr auf dem Turm. Das Gute ist: Man sieht etwas, auch wenn man nichts sieht – wie beim Test von Bürgermeister Henrik Wengert (links) und Ortsvorsteher Jörg Nesensohn. Bild: Hanspeter Walter | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Voran geht es beim Baugebiet "Mehnwang", dessen dritter Bauabschnitt im Juli abgeschlossen werden soll. Die Grundstückspreise werden zwischen 220 und 280 Euro liegen, doch die Nachfrage ist groß. "Familien mit Kindern sollen nach Beschluss des Gemeinderats einen pauschalen Rabatt auf den Kaufpreis erhalten", betont Wengert: "Denn wir wollen weiterhin versuchen, Familien hier anzusiedeln." Nicht zuletzt um die geschaffene und finanzierte Infrastruktur bei Kinderbetreuung und Schule auch künftig möglichst belebt zu halten. Mit Mehnewang ist der Flächennutzungsplan im Kernort für den Wohnbau weitgehend erschöpft, lediglich in den drei Teilorten sind im Moment noch etwas 1,4 Hektar zur Verfügung.

In Billafingen wurde das Gebiet Hasenbühl Süd mit acht Bauplätzen ausgewiesen. Ohnehin sind in der Ortsmitte die Weichen neu gestellt. Für die von einer Bürgerinitiative erworbene Rothsche Scheune in zentraler Lage hat sich kein Sanierungs- und Nutzungskonzept entwickeln lassen, um den Baukörper zu erhalten. Nun wird sie nach dem Erwerb durch die Kommune 2017 weichen müssen. Stattdessen wird an dieser Stelle ein neuer Dorfplatz entstehen. "Hier haben wir zwei Bürgerworkshops zur künftigen Gestaltung durchgeführt", sagt Wengert. "Die Billafinger selbst wollen aus dem Abbruchmaterial der Scheune in Eigenarbeit eine kleine Hütte für den neuen Platz bauen." Der Grundriss der jetzigen Scheune soll künftig auf dem Platz an Markierungen ablesbar bleiben. 190 000 Euro hat Owingen eingeplant, die Hälfte erhofft sich die Gemeinde als Zuschuss.

Auch die anderen Teilorte sind rührig: Taisersdorf hat im Jahr 2016 seinen Dorfplatz bekommen und viel Eigenleistung beigesteuert; in Hohenbodman haben die Bürger einen Fußweg von der Ortsmitte zum Parkplatz beim Aussichtsturm angelegt, der im Vorjahr ein neues modernes Fernrohr bekommen hat.

Das war 2016 in Owingen

  • Januar: Das sechste Amtsjahr von Bürgermeister Henrik Wengert geht Anfang 2016 zu Ende. Inzwischen sind es schon sieben und Ende dieses Jahres stehen die nächsten Wahlen an. Erstmals können die Veranstaltungen im "Kultur|O" stattfinden.
  • Februar: In Hohenbodman ergreifen die Narren schon am Vorabend zum Schmotzigen Dunnschtig die Macht und vermählen ihr Elternpaar zünftig im "Adler". Willkommenstour der neu eröffneten Regio-Bus-Linie 500 von Sigmaringen über Pfullendorf nach Überlingen
  • März: Mit einem furiosen Konzertabend wird der Flügel für das Bürgerhaus "Kultur|O" zu Beginn der ersten komplette Veranstaltungssaison eingeweiht. In Taisersdorf wird wieder ein schmucker Osterbrunnen gestaltet und Carina Lohr wird neue Zunftmeisterin der Steinbockzunft.
  • April: Stromtankstelle für E-Mobile mit zwei Parkplätzen wird in der Schulstraße eröffnet. Billafingen lädt die Bevölkerung und die Geflüchteten aus dem "Bräuhaus" zum Begegnungskaffee ein.
  • Mai: Silberhochzeit mit Coudoux: Der 25. Jahrestag der Partnerschaft mit der Gemeinde in der französischen Provence wird mit einem dreitägigen Programm und einem Festabend gefeiert. Der Aachtobel muss nach starken Regenfällen und Erdrutschen gesperrt werden.
  • Juni: In Taisersdorf wird der neue Dorfplatz eröffnet. Kuriosum am Rande: Der offizielle Festakt mit Durchtrennung des Bandes muss aufgrund strömenden Regens in die Ringerhalle hinein verlegt werden.
  • Juli: Großes Künstlerfest anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Owinger Rathausgalerie. Am 12. Juli wird Markus Veit vom Gemeinderat als Nachfolger von Karl Barth zum neuen Ortsvorsteher von Billafingen gewählt. Der Aussichtsturm Hohenbodman wird mit einem neuen intelligenten Fernrohr "Viscope" ausgestattet.
  • August: Owinger Ferienspiele bieten Kinder und Jugendlichen ein attraktives Programm. Während die Schüler die Ferien genießen, werden die Sanierungs- und Umbauarbeiten an der Auentalschule abgeschlossen.
  • September: In den Teilorten Hohenbodman und Taisersdorf finden weitere Bürgerwerkstätten statt.
  • Oktober: Die Sporthalle ist zehn Jahr alt, zwei Tage lang wird dies mit sportlichen Angeboten und Präsentationen gefeiert.
  • November: Der Bühnen- und Fernsehstar Markus Maria Profitlich ist vor vollem Haus im "Kultur|O" zu Gast. Spatenstich zur Erschließung des letzten Bauabschnitts im Baugebiet "Mehnewang".
  • Dezember: Lyrikerin Gisela Munz-Schmidt gibt ihren Gedichtband "Gegen die Gewalt" heraus. Schüler der Auentalschule führen das Weihnachtsmusical "Kind und König" auf.

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