Sie war schon mehrfach vom Abriss bedroht. Doch jetzt steht die Nikolauskapelle in Owingen wieder auf festem Grund und das Kirchlein erstrahlt in neuem Glanz, ohne die Narben ganz zu verbergen. Rund 170 000 Euro haben der Förderverein und die Gemeinde in die Sanierung investiert. Der Öffentlichkeit zu zeigen, dass sich dies gelohnt hat, dafür war der Tag des offenen Denkmals aus beider Sicht der richtige Zeitpunkt.

Reparierte Risse teils nicht kaschiert

"Die Zeichen der Zeit dürfen erkennbar bleiben": Architektin Corinna Wagner-Sorg erläuterte die Sanierungsmaßnahmen.
"Die Zeichen der Zeit dürfen erkennbar bleiben": Architektin Corinna Wagner-Sorg erläuterte die Sanierungsmaßnahmen. | Bild: Hanspeter Walter

Gemeinsam nahmen Bürgermeister Henrik Wengert und Vorsitzender Gerhard Krimmer am Sonntag die Wiedereröffnung der "kleinen Birnau" vor, wie man die Rokokokapelle auch gern bezeichnet. Architektin Corinna Wagner-Sorg erläuterte die Maßnahmen zur Sicherung und Sanierung. Bewusst habe man die reparierten Risse nicht ganz kaschiert: "Die Spuren und Zeichen der Zeit dürfen erkennbar bleiben." Nicht unmittelbar erkennbar ist die statische Sicherung der frei schwebende Empore, die eine Besonderheit des kleinen Gotteshauses ist. Wolfgang Sorg übergab den Verantwortlichen aus Familienbesitz eine Holzstatue des heiligen Niklaus von Flüe, die hier ihren Platz finden soll.

Putz rieselt nicht mehr auf die Besucher

Die Risse in der Raumschale wurden saniert und stabilisiert, jedoch nicht völlig kaschiert.
Die Risse in der Raumschale wurden saniert und stabilisiert, jedoch nicht völlig kaschiert. | Bild: Hanspeter Walter

"Die Kapelle dürfte künftig ruhig häufiger genutzt werden", erklärte Bürgermeister Henrik Wengert. Die Zeiten seien vorbei, in denen den Besuchern der Putz auf den Kopf riesele. Zu verdanken sei dies zum einen dem Förderverein mit dem Vorsitzenden Gerhard Krimmer sowie den Familien Haney und Petautschnig, zum anderen dem engagierten Einsatz von Architektin Wagner-Sorg.

Neues Leben nach zwei Jahren Sanierung

Schon 1205 stand hier eine Kirche, die heutige Nikolauskapelle entstand als "kleine Schwester der Birnau" im 18. Jahrhundert.
Schon 1205 stand hier eine Kirche, die heutige Nikolauskapelle entstand als "kleine Schwester der Birnau" im 18. Jahrhundert. | Bild: Hanspeter Walter

Schon im Jahr 1205 war an gleicher Stelle die erste Kapelle errichtet worden. Rund 500 Jahre später war diese aus statischen Gründen abgerissen worden, ehe das neue Bauwerk im Rokokostil errichtet wurde. Nach der Säkularisation, so Henrik Wengert, sei die Nikolauskapelle in Besitz des markgräflich-badischen Hauses gelangt. Bis 1990 die Gemeinde für einen symbolischen Preis von 1 DM stolzer Besitzer wurde. Der Förderverein habe der Kapelle mit Konzerten oder dem regelmäßigen Nikolausbesuch im Dezember wieder neues Leben eingehaucht. Nach knapp zweijähriger Sanierungsphase könne er dies künftig wieder tun.

Putz teilweise noch aus der Bauzeit

Vor drei Jahren seien massive Risse im Mauerwerk erkennbar geworden, blickte Corinna Wagner-Sorg zurück, die vermutlich auf eine Absenkung des Grundwasserspiegel zurückgegangen seien. Man habe Markierungen angebracht und abgewartet, ob die Bewegungen zum Stillstand kämen. An den Rissen habe man schließlich die Raumschale mit einer Vernadelung im neuen Zustand gesichert. "Der aktuelle Putz stammt teilweise noch aus der Bauzeit", erklärte Wagner-Sorg: "Deshalb haben wir in die Fassade nur hineinretuschiert, wo es notwendig war, und den Rest belassen." Für den Förderverein dankte Gerhard Krimmer der Architektin, aber auch der Gemeinde für die "stets erfreuliche und konstruktive Zusammenarbeit".