Sind neue Tankstellen für fossile Treibstoffe heute überhaupt noch zeitgemäß, wenn mehr denn je ein Umdenken in der Mobilität und neue emissionsarme Antriebe gefordert werden? Ja, sagte jetzt der Owinger Gemeinderat. Er befürwortete einen solchen Neubau nun, indem er einstimmig der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans zustimmte. Die Räte versprechen sich einen Mehrwert für die Kommune.

Eni plant Tankstelle, Waschanlage und kleinen Shop

Der Mineralölkonzern Eni (Agip) will diese Tankstelle mit einer Waschanlage und einem kleinen Shop an der Landesstraße 195 an der Abzweigung der Kreuzstraße realisieren. Die Erschließung ist von der alten Zufahrt zum Henkerberg her geplant.

Kritik von Bürgern: „Vorhaben nicht mehr zeitgemäß“

Bei den Bürgern stößt das Projekt allerdings nicht überall auf ungeteilte Begeisterung und wurde in den vergangenen Wochen auch kontrovers diskutiert. Kritik hatte im Mai schon Helmut Endres in der Bürgerfragestunde vorgebracht und das Vorhaben als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet. Damals hatte das Thema zunächst mit einer Beschlussempfehlung schon auf der Tagesordnung gestanden, war allerdings von Bürgermeister Henrik Wengert noch einmal vertagt worden.

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Wolfgang Meyer fürchtete Lärmbelästigung für Feriengäste

Dieses Mal meldete sich Anwohner Wolfgang Meyer vom Risthof zu Wort, der unmittelbar gegenüber der geplanten Tankstelle neben der Zufahrt zum Golfplatz Ferienwohnungen vermietet. Meyer stellte die Zahlen, die einem Verkehrsgutachten zugrunde liegen, als veraltet infrage und formulierte Bedenken, was die Lärmbelästigung angeht. Beantragt werden in dem Entwurf des Bebauungsplans Öffnungszeiten zwischen 6 und 22 Uhr.

Schon 2013 suchte Gemeinde Betreiber für Tankstelle

Der Vorstoß ist nicht neu. Die Bemühungen der Gemeinde Owingen reichen bis in das Jahr 2013 zurück, als mit Henkerberg VII der letzte Bauabschnitt des Gewerbegebiets fertiggestellt war. Doch lange suchte die Verwaltung vergeblich nach einem Investor und Betreiber für eine Tankstelle beziehungsweise auch nach einem geeigneten Grundstück.

Zwischen Immenstaad und Stockach keine Tankstelle direkt an der B 31

In der ganzen Kommune mit allen Teilorten gibt es keine Tankstelle. Auch an der ganzen B 31 zwischen Immenstaad und dem Autobahnbeginn in Stockach ist keine Tankstelle unmittelbar an der Straße gelegen. Genau zehn Jahre ist es her, dass die Aral-Mineralölgesellschaft ihre Station zwischen Überlingen und Nußdorf dichtmachte, weil sie unwirtschaftlich war.

Owinger müssen nach Lippertsreute oder Überlingen

Owinger müssen nach Lippertsreute oder Überlingen zum Tanken fahren. Bürgermeister Henrik Wengert betonte, schon vor sechs Jahren habe der Gemeinderat darüber diskutiert, „dass die Ansiedlung einer Tankstelle zur Vervollständigung der Infrastruktur in hohem Maße wünschenswert wäre“.

Keine Pläne für alternative synthetische Treibstoffe

Dass sich seitdem der Blick auf den Autoverkehr und die Mobilität verändert habe, hatte Helmut Endres schon im Mai als kritisches Argument ins Feld geführt. Vor diesem Hintergrund fragte Gemeinderätin Elisabeth Matzner bei den Vertretern der künftigen Betreiber nach, inwieweit sie auch offen für alternative synthetische Treibstoffe wie Wasserstoff seien. Und inwieweit sie auch Ladesäulen für Elektrofahrzeuge ins Auge gefasst hätten.

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Betreiber plant keine E-Ladesäulen

Bei den aktuellen Überlegungen spiele all das noch keine Rolle, erklärten Klaus Buchegger von der Projektentwicklungsgesellschaft und Planer Herbert Lutz. „Wir werden sicher keine Schnellladesäulen betreiben“, hieß es. Falls ein Betreiber von E-Ladestationen jedoch Interesse an einer Teilfläche habe, werde sich hier sicher eine Lösung finden lassen.

Gemeinderäte sehen überwiegend Zustimmung aus der Bevölkerung

Andere Gemeinderäte glaubten in der Bevölkerung überwiegend Zustimmung für eine Tankstelle herausgehört zu haben. „Es wird ja unter den Bürgern schon länger darüber diskutiert“, sagte Markus Veit. Es gebe sicher einige Gegner, doch „von der Mehrheit wird dies als Mehrwert gesehen“, erklärte Veit. Diese Mehrheit glaubt Jörg Schirm sogar beziffern zu können. „Ich habe mit vielen gesprochen“, sagte er: „Mehr als 90 Prozent sind dafür.“

Shop als Ergänzung von Einkaufsmöglichkeiten frühmorgens oder spätabends

Der Bürgermeister sieht in dem möglichen Angebot auch eine „willkommene Ergänzung der vorhandenen Einkaufsmöglichkeiten“ am frühen Morgen oder am späteren Abend. Keine Bedenken hat die Verwaltung in Sachen Lärmschutz. Hier seien auch keine besonderen Maßnahmen erforderlich, da nach den Berechnungen die Immissionsrichtwerte für die unmittelbare Nachbarschaft unterschritten seien. Die im Gutachten aufgeführten Zahlen zum Verkehrsaufkommen werde man noch einmal prüfen und gegebenenfalls aktualisieren.