Eigentlich sollte mit den zwei Doppelhäusern dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden. Deshalb hatte der Bauherr im Zuge einer Nachverdichtung in zweiter Reihe und in zentraler Lage mit seinem Vorhaben die Zustimmung des Gemeinderats zu einer Bebauungsplanänderung gefunden. Doch es lief nicht nach den Vorstellungen des Käufers und er tat sich schwer mit der angestrebten Vermarktung, wie Bürgermeister Henrik Wengert vor dem Gemeinderat erläuterte. Mit dem aktuellen Vorstoß, stattdessen nun Ferienwohnungen genehmigen zu lassen, hatten allerdings das Gremium und der Verwaltungschef ihre Probleme. Nach längerer kontroverser Diskussion kam ein Kompromiss heraus. Mit einer für Owingen knappen Entscheidung bei 9:6 Stimmen votierte der Rat schließlich für die Zulassung von Ferienwohnungen in zwei der vier Wohneinheiten.

Bürgermeister Wengert fällt die Argumentation schwer

Bürgermeister Henrik Wengert fiel die Argumentation sichtlich schwer. Wohl wissend, dass die geänderte Nutzung nicht geplant war und nach der aktuellen Rechtslage nicht zulässig ist. "Doch ich habe auch gewisses Verständnis für die Probleme des Eigentümers", sagte Wengert. Baurechtlich gesehen handle es sich bei den Ferienwohnungen nicht um einen echten "Beherbergungsbetrieb", sondern um ein "nicht störendes Gewerbe in einem allgemeinen Wohngebiet".

Ortsbaumeister Bernhard Widenhorn hatte zuvor deutlich gemacht, dass "die Nutzungsart 'Ferienwohnung' aktuell im Widerspruch zu den bebauungsrechtlichen Vorschriften" stehe und nur durch eine ausdrückliche Befreiung ermöglicht werden könne. Beim zuständigen Baurechtsamt in Überlingen habe die Verwaltung eine mögliche Präzedenzwirkung für andere Bebauungsplangebiete hinterfragt. Dies sei explizit ausgeschlossen worden, weil diese lediglich im Geltungsbereich des jeweiligen Bebauungsplans zum Tragen kommen könne.

Ungewöhnlich spannende Debatte

Ungeachtet dessen entwickelte sich eine für Owingen außergewöhnlich kontroverse und spannende Debatte. Gemeinderat Jörg Schirm verwies darauf, dass eine Bebauungsänderungen ganz explizit vorgenommen worden sei, "um neuen Wohnraum zu schaffen". Wenn jemand "in dieser Preisklasse" investieren könne, müsse er sich vorher auch informieren. Besonders ärgerlich nannte es Schirm, dass de facto sogar schon eine Vermietung als Ferienwohnung erfolge und der Antrag dies im Nachhinein genehmigen solle. Man könne nicht kommen und sagen "liebe Gemeinde, hilf mir, dass ich das bezahlt bringe". Auch Arno Schindler teilte diese Position und betonte: "Wir brauchen dringend Wohnungen." Die Kommune könne nicht private Probleme auffangen, die andere vorher nicht abgesehen hätten.

Die Eigentümer hätten in ihrem Brief zum einen darauf verwiesen, dass der Verkäufer nicht auf Einschränkungen hingewiesen habe, "was wir nicht nachprüfen können", erklärte Albert Zuzej. "Ja, wir wollen Wohnraum haben, dazu stehe auch ich", betonte er: "Doch wären die Ferienwohnungen ein Mittel, um den Tourismus zu stärken." Dies habe die Gemeinde schließlich auch schon als Ziel formuliert. Vielleicht könne man ja auch einen Kompromiss finden, sagte Zuzej. Nicht ganz verschließen wollte sich Margitta Bischoff und "so hochwertige Ferienwohnungen" zulassen.

Deutliche Kritik an der Befreiung

Es reiche schon, wenn sich zwei Nachbarn in der Anhörung dagegen ausgesprochen hätten, gab Renate Pfeiffer zu bedenken. "Dagegen ist dagegen." Sie sei daher auch skeptisch. Der Platz sei zu wertvoll für Ferienwohnungen, argumentierte Angelika Thiel, zumal er dann nur saisonal genutzt werde. Auch für Alexander Schechter hatte der Wohnraum für Bürger an dieser Stelle Vorrang. "Hätten wir den Bebauungsplan aufgestellt, wenn hier Ferienwohnungen geplant worden wären?", fragte Susanne Riester eher rhetorisch. Sie glaube nicht, daher werde sie auch gegen diese Nutzung votieren. Ein "halbes Jahr geschlossene Rollläden", befürchtete Elisabeth Matzner und verstand die Intention der Eigentümer nicht. "Statt ein halbes Jahr hohe Mieten für Ferienwohnungen zu verlangen, müsste aufs Gleiche rauskommen 12 Monate lang die halbe Miete zunehmen", sagte Matzner: "Ich möchte, dass wir bei unserem Plan bleiben."