Musik hat eine ganz besondere Wirkung, sie lässt sich nicht erklären, nur erfühlen. Musik weckt Erinnerungen, erzählt Geschichten, ruft unterschiedlichste Stimmungen hervor. Musik berührt.

Genau unter dieses Motto des Fühlens von Musik hatte der Musikverein Owingen sein Jahreskonzert im Bürgerhaus kultur/O gestellt. Der Blasmusikverein wolle mit seinem Vorspiel Bilder zur Musik in den Köpfen der Zuhörer entstehen lassen, erläuterte Dirigentin Angela Gorber. „Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann, worüber zu schweigen aber unmöglich ist“, um die entsprechende Auffassung des Schriftstellers Victor Hugo wiederzugeben. Um diesem Grundgedanken gerecht zu werden, wurden während des Konzerts passend zu den Liedinhalten erklärende Fotos ausgestrahlt.

Das eindrucksvolle Stück „The Bridge on the Border“ von Otto M. Schwarz beispielsweise ergänzten fantastische Aufnahmen. Metallisch dunstige Motive verbildlichten das Gehörte: eine sich in Komplexität und musikalischem Können nach und nach steigernde Hymne, in der aus Grenzen Brücken, aus Feinden Freunde werden. „Die Fotos sind in aufwändiger Arbeit und mit viel Geduld entstanden“, erzählte Andrea Benz, die charmant durch den Abend führte. Die Musiker selbst stellten darauf die Szenen nach, ein besonderer Zusammenhang zwischen Gehörtem, Gesehenem und Erfühltem stelle sich darum ein.

Den musikalischen Auftakt des Abends übernahm gekonnt die Jugendkapelle des Vereins: Mit „Primis“, auf Deutsch „zuerst“, von Antonio Pretrillo schwappten Schwung und gute Laune in den voll besetzten Saal über. „Wir sind stolz darauf, eine Jugendkapelle zu haben“, sagte Andrea Benz. Es sei heutzutage nicht selbstverständlich, dass junge Leute ihre Freizeit der Musik opferten. Auch der Präsident des Blasmusikverbands Bodenseekreis, Walter Stegmaier, lobte die vorbildliche Jugendarbeit des Vereins: „Das ist unsere Zukunft.“ Dirigent Hans-Georg Benz leitet die 20 Mitglieder der Jugendkapelle, erfolgreich, wie der Abend zeigte.

Unterschiedliche Stile des Hardrocks der 70er vereinigten sich in „Back in Black“ von AC/DC, einem Stück, mit dem die Spieler wohl „voll ins Schwarze getroffen hatten.“ Viel Fingerspitzengefühl und musikalische Variationsbereitschaft erforderte die „Yellowstone-Ouverture“, in der Komponist Joe Grain seine Erfahrungen mit dem amerikanischen Nationalpark verarbeitet. Nach der Verbindung zwischen Mensch und Natur widmeten sich dann die erwachsenen Spieler des Musikvereins mit Dirigentin Angela Gorber musikalisch den zwischenmenschlichen Beziehungen.

Voll schwebender Sehnsucht ergoss sich die „Hymn of Brotherhood“, eine Ballade der Nächstenliebe und Brüderlichkeit, über das andächtige Publikum. „Hiermit wollen wir im Besonderen an ein gutes Verhältnis zu den Flüchtlingen unserer Gemeinde appellieren“, betonte Andrea Benz. Die melancholisch, aber dennoch strebende Melodie traf die Empfindlichkeit und unumgehbare Relevanz der Nächstenliebe ausgezeichnet. Mit „Symphonic Rock“, einer Variation von Gilbert Tinner aus Musik von Queen und Genesis, fühlte sich jeder im Saal in die pulsierenden 80er zurückversetzt.

Auch ein Blasmusikorchester versteht definitiv etwas von Popmusik, oder ganz einfach „We're the champions“, wie Andrea Benz die 46 präsentierenden Musiker anerkennend titelte. In britische Gefilde entführte „Lord Tullamore“ (Carl Wittrock), ein Stück so lieblich wie die Auen Irlands, flüsternd wie Kobolde und Elfen, passend untermalt durch beeindruckende Fotos der grünen Insel. Erhaben festlich zauberte „Westminster Carol“ von James L. Hosay ein beseelt weihnachtliches Lächeln der Rührung auf die Lippen der Zuschauer. Ein Phänomen, das vielleicht nur Musik vermag.

Vereinsehrungen

Langjährige Mitglieder des Musikvereins wurden beim Jahreskonzert ausgezeichnet. Walter Stegmaier, Präsident des Blasmusikverbands Bodenseekreis, konnte folgende Ehrennadeln überreichen: Bronze gab es für zehnjährige Vereinsmitgliedschaft für Tanja Arnold und Elisabeth Bader, Silber (20 Jahre) ging an Heike Trost, Gold (30 Jahre) an Marco Hermann, Gold mit Diamant (40 Jahre) an Rainer Sorg. Gold mit Diamant, eine seltene Ehrung für Mitglieder, die seit 50 Jahren dem Verein die Treue halten, erhielt Eduard Hölzl.