Bei Blasmusik denkt wohl so mancher an Polka und zünftigen Marsch, an Federbüschel auf Hüten stramm marschierender Musikanten. Jenes Bild will man auch gar nicht missen, doch es geht auch anders: „It's showtime“ war darum das Motto des Showkonzerts vom Musikverein Owingen, veranstaltet mit dem Gastorchester des Musikvereins Aichhalden im Owinger Kultur/O. Neben traditioneller Musik standen darum vor allem spritzig aufgelegte Hits aus Film, Musical und Pop im Mittelpunkt der Veranstaltung. Unterhaltsam und unkonventionell zeichnete sich folglich auch der Rahmen des Spektakels: Manch nette Anekdote, manch schauspielerische Einlage prägte den Show-Charakter des Konzerts wegweisend.

Mit der „schönsten Dirigentin“ des Badener Lands, Angela Gorber, wie Vorsitzender und Moderator des Gastorchesters, Bernd Wilhelm, mit schwäbischer Genauigkeit urteilte, eröffnete der Musikverein Owingen das Programm. Festlich, fröhlich und klanglich ausgesprochen vielseitig gestaltete sich der Militärmarsch, gefolgt vom Lied „Ein Tag wird schön, wenn Blasmusik erklingt“, was den Nerv des Abends wohl exakter nicht hätte treffen können.

Als „echte Perle böhmischer Polkakunst“ zeigte sich „Die Liebste“, verschiedene Instrumentalsoli ergänzten facettenreich den schmelzenden Unterton. Das Bild frühlingshafter Idylle vervollständigte der frische Walzer „Dunkelgrüne Sterne und rauschende Birken“, gefolgt vom sehnsüchtig anmutenden „Allgäu-Land“.

Passend zum anschließenden Bühnenwechsel erläuterte Moderatorin Andrea Benz die Hintergründe des Abends: „Blasmusik findet sich überall. Sie verbindet Menschen und Nationen, schafft Brücken.“ Neben dem gemeinschaftlichen Auftreten zweier Vereine vertrete das Konzert jene Idee darum auch anderweitig: Erstmalig übernähmen die „Shakalakas“ der Owinger Hexen die Bewirtung, also eine Veranstaltung über „Vereinsgrenzen“ hinaus. An Liedvariation und musikalischem Können stand der Musikverein Aichalden bei seinem Auftritt dem Gastgeber in nichts nach: Energisch, einfühlsam und ausgesprochen reich an Klang und Präzision begeisterten die schwäbischen Gäste unter Dirigent Volker Braun.

Von den „Lustigen Posaunen“, dem Namen durch entsprechende Soli alle Ehre machend, ging es schwungvoll und ironisch ins digitale Zeitalter: „I kenn di vu meim Handy“ lautete der inhaltsweisende Titel des folgenden Stücks, Sologesang und szenische Darstellung veranschaulichten dazu die Tragödie heutiger Liebesszenarien. Mit Polka, Marsch und Walzer zollte man der traditionsreichen Blasmusik dann weiterhin gekonnt Tribut.

Völliger Szenenwechsel dann beim zweiten Teil des Abends: „Showtime“, berstend vor Pepp anstelle volkstümlicher Weisen. So begeisterte der Musikverein Owingen sogleich mit „Gonna fly now“ aus dem Film „Rocky“. Bei „Pur in Concert“ der Band „Pur“ kannte das hingerissene Publikum keine Grenzen mehr. Romantisch schmachtend dann „Stand by me“, dynamisch erweitert durch die rockigen Soloversionen. Musikalische Blütenpracht beschwor Solosängerin Sabrina Keller bei „Für mich soll's rote Rosen regnen“ herab, wunderbar einfühlsam ergänzt vom Orchester.

Mit afrikanischen Klängen und passender Verkleidung belebte der Aichhaldener Musikverein. Im folgenden Stück „Glühwürmchen“ spiegelte sich dessen hohe musikalische Motivation. Nach verschiedenen Interpretationen Udo Jürgens mitreißendster Hits beschlossen Ausschnitte aus dem Musicalklassiker „Westsidestory“ die facettenreichen Darbietungen: Die Liebesgeschichte zwischen Maria und Tony, meisterhaft gesungen von Steffi Flaig und Fabian Penalver, brachte wohl jedes Herz zum Schmelzen.

Ein ehrwürdiger Marsch beider Musikvereine , um die so vielseitige Blasmusik in gewohnte Bahnen zurückzulenken, durfte am Ende dann aber nicht fehlen: wenngleich auch schon die glamouröse Bar zur offiziellen „Aftershowparty“ winkte.