Einmal im Jahr treffen sich Tonkünstler, Musiker und Performancekünstler zum Archex, dem archaisch-experimentellen Musiktag. Einige Stunden vor Beginn der Veranstaltung kommen sie im Atelier Klang und Eisen des Künstlerehepaars Dorle Ferber und Michel Kussl zusammen.

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Im etwas abseits gelegenen Owinger Teilort Taisersdorf leben die Künstler in den Folgestunden ihre Kreativität gemeinsam aus. „Den Ablauf wissen wir erst kurz vor Beginn des Abends“, erzählte Ferber. Bis dahin probten die Künstler zusammen, wechselten die Spielpartner, probierten gemeinsam ihre Stücke, aber vor allem improvisierten sie viel.

Mohamed Badawi nahm die Zuhörer mit auf eine „Reise nach Nubien“.
Mohamed Badawi nahm die Zuhörer mit auf eine „Reise nach Nubien“. | Bild: Mardiros Tavit

Die so gefundenen Spielpaarungen und -gruppen werden grob in einen kurzen Ablauf niedergeschrieben. Drei Blöcke mit je 80 bis 90 Minuten Spielzeit gönnten sich die Musiker. Doch das Zusammenspiel gestaltete sich oft so gut, dass der Zeitrahmen wie selbstverständlich gesprengt wurde.

Musiker können Improvisation kaum beenden

„Hier herrscht eine außergewöhnliche Energie, die Uhr ist stehengeblieben“, witzelte Gastgeberin Ferber einmal, als die Musiker ihre Improvisation auf der Bühne kaum beenden konnten. Dabei blickte sie auf die Bahnhofsuhr über der Bühne, die permanent sieben nach 1 Uhr anzeigte.

Atelier entwickelt ganz eigene Akustik

Noch ein zweites Phänomen stellte sich während der Performances im Raum ein. Das Atelier von Michel Kussel schien sich zur Gänze in einen Resonanzkörper für die freie Musik zu verwandeln. Voll bepackt mit den eisernen Utensilien, die Kussel für seine Klangskulpturen benötigt, entwickelte der Raum eine eigene betörende Akustik. Zusätzlich nutzten die Musiker die aufgereihten Eisenrohre und Profileisen für ihre Musik, kunstvoll entlockten sie ihnen Töne. Fast schien es so, als ob das kalte Material, das Kussel für seine Klangobjekte nutzt, in diesem Augenblick auf mystische Weise beseelt wird.

Die dargebotene Musik war außerhalb des Mainstream und nicht jedermanns Sache.
Die dargebotene Musik war außerhalb des Mainstream und nicht jedermanns Sache. | Bild: Mardiros Tavit

Phasenweise konnten einige Zuhörer mit der experimentellen Tonkunst wenig anfangen, oder ihnen waren die Darbietungen einfach zu laut. Harmonie und Rhythmus waren auf keinen Fall die Vorgaben für die Musik beim Archex. Eher suchten die Tonkünstler einen emotionalen Gleichklang. Nicht verwunderlich, dass sie pausierenden Musiker mit ihren Instrumenten ins freie Spiel der Kollegen auf der Bühne hinein improvisierten.

Neunte Ausgabe scheint schon gesetzt

Wie hartgesottene Archex-Besucher später berichteten, erreichten die Künstler mit ihren Improvisationen und Jamsessions den Sonnenaufgang. Bei so viel Energie und Ausdauer scheint die neunte Ausgabe der Archex im Jahr 2020 schon gesetzt zu sein.