Der eine oder andere hatte noch den Einsatz vom Vortag im Kopf und in den Knochen, als sich die Feuerwehr Owingen am Samstag zur Hauptversammlung in Hohenbodman versammelte. Bei einem Wohnungsbrand in Billafingen war ein 73-jähriger Bewohner gestorben. Doch die Einsatzkräfte der vier Abteilungen mussten nach einer kurzen Besinnung schon wieder nach vorn blicken und ihre Formalitäten abarbeiten. Einmal mehr, als der seit 2014 amtierende Gesamtkommandant Matthias Pasewaldt seine Aufgabe aus beruflichen Gründen, die ihn künftig an der erforderlichen Verfügbarkeit hindern, abgeben musste.

Kritik an langen Wartezeiten für Lehrgänge

Bürgermeister Henrik Wengert und der stellvertretende Kreisbrandmeister Willi Fischer würdigten bei der Verabschiedung insbesondere Pasewaldts großes Engagement bei der Nachwuchswerbung, dessen Loyalität und den Einsatz bei der Planung des neuen Feuerwehrhauses. Der scheidende Kommandant appellierte an seine Mitstreiter und ermutigte diese, sich für Führungsaufgaben zur Verfügung zu stellen und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig kritisierte Pasewaldt, dass das Land zu wenig Ausbildungsplätze für höhere Qualifikationen bereitstelle und die Wartezeiten auf Lehrgänge zu lang sei.

Kommandant Matthias Pasewaldt stellte sich aus beruflichen Gründen nicht mehr als Gesamtkommandant zur Wahl und wurde von Bürgermeister Henrik Wengert verabschiedet.
Kommandant Matthias Pasewaldt stellte sich aus beruflichen Gründen nicht mehr als Gesamtkommandant zur Wahl und wurde von Bürgermeister Henrik Wengert verabschiedet. | Bild: Hanspeter Walter

Markus Endres tritt in die Fußstapfen seines Vaters Helmut Endres

Als Nachfolger Pasewaldts wurde Markus Endres gewählt, bisher schon Abteilungskommandant in Owingen und Sohn des langjährigen Gesamtkommandanten Helmut Endres. Auch beide stellvertretenden Kommandanten, Michael Siber aus Hohenbodman und Michael Steurer aus Taisersdorf, hatten ihren Rückzug von diesem Amt angekündigt.

Michael Siber erklärt sich mangels Nachfolger zur Wiederwahl bereit

Da sich dafür allerdings zunächst niemand zur Wahl stellen wollte, erklärte sich Siber zu einer erneuten Kandidatur bereit und wurde gewählt. Allerdings ist er künftig der einzige Stellvertreter des Gesamtkommandanten. Bestätigt wurde hingegen Sonja Stocker als Kassiererin der Feuerwehr. Die gewählten Amtsträger müssen vom Gemeinderat noch formell bestätigt werden, bis sie ihre Aufgabe übernehmen können.

„Bei einem Einsatz wird der Hauptberuf schnell zur Nebensache“

„Bei einem Einsatz wird der Hauptberuf ganz schnell zur Nebensache“, betonte Kommandant Matthias Pasewaldt in seinem Rückblick, „und es gilt, seinen ganzen Tagesplan neu zu koordinieren.“ In Ermangelung eines Schriftführers hatte Pasewaldt diese Aufgabe in den vergangenen Jahren zusätzlich übernommen und gab neben seinen grundsätzlichen Statements zur Entwicklung der Wehr auch den Jahresbericht für 2019 ab. Der Zeitraum war geprägt von insgesamt 22 Einsätzen, wobei sich die jüngste Entwicklung mit der Dominanz der technischen Hilfeleistungen fortsetzte.

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Technische Hilfeleistungen mit 18 Einsätzen in der Überzahl

Genau vier Mal musste die Wehr zu einem Brandeinsatz ausrücken, darunter einem Großeinsatz in Unterbach. Bürgermeister Henrik Wengert erinnerte an das Glück, dass das Feuer von einem Anwohner frühzeitig entdeckt worden war. So sei dem Owinger Weiler eine größere Katastrophe erspart geblieben. In der Überzahl waren die technischen Hilfeleistungen, zu denen die Autounfälle zählen, mit insgesamt 18 Einsätzen.

Mitmachabende sorgen für Zuwachs an Aktiven

Dass die Feuerwehr unentbehrlich für die Gefahrenabwehr in der Gemeinde sei, hoben Bürgermeister Wengert und Kreisbrandmeister Fischer explizit hervor. Umso höher einzuschätzen sei die vom bisherigen Kommandanten angeregte und sehr erfolgreiche Nachwuchswerbung, betonte Wengert. Den überdurchschnittlichen Zuwachs an Aktiven habe die Wehr allerdings weniger den Werbeaktionen des Kreises mit Plakaten zu verdanken, erklärte der Bürgermeister, sondern den sogenannten Mitmachabenden, zu denen die Bürger eingeladen waren.

Am neuen Feuerwehrhaus geht es flott voran. Derzeit werden die Kosten auf 4,6 Millionen Euro kalkuliert. Hinten links ist die aktuelle Garage zu sehen, rechts das Kultur|O.
Am neuen Feuerwehrhaus geht es flott voran. Derzeit werden die Kosten auf 4,6 Millionen Euro kalkuliert. Hinten links ist die aktuelle Garage zu sehen, rechts das Kultur|O. | Bild: Hanspeter Walter

114 Einsatzkräfte in den vier Abteilungen

Für den einen oder anderen waren diese Informationen der entscheidende Impuls, sich in der Feuerwehr zu engagieren. Insgesamt verfügt Owingen in allen vier Abteilungen nun über 114 Einsatzkräfte, wobei 55 auf die Abteilung Owingen entfallen, 23 auf Billafingen, 21 auf Taisersdorf und 15 auf Hohenbodman.

Anteil der Frauen in der Wehr mit 17,5 Prozent außergewöhnlich hoch

Außergewöhnlich hoch ist in Owingen der Anteil der Frauen: 20 sind in der Wehr aktiv, immerhin 17,5 Prozent. „Das ist schon bemerkenswert“, sagte der stellvertretende Kreisbrandmeister: „Da bin ich stolz darauf.“

Wichtig für die Rekrutierung des Nachwuchses ist auch die Jugendfeuerwehr, die im Vorjahr ihr 25-jähriges Bestehen feierte. Hier sind neben 16 Jungen neun Mädchen aktiv. Dass die Gesamtzahl um acht junge Mitglieder geschwunden ist, liegt am Übergang des Nachwuchses in die aktive Wehr.

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