Zwei lang gestreckte Gebäude mit barrierefreien Wohnungen, die senkrecht zur Hauptstraße auf dem Stork-Areal entstehen sollen, werden über ein Bindeglied mit sozialen Begegnungsräumen gekoppelt. Grundsätzlich sollen hier zum einen junge Familien mit Kindern genauso ein Zuhause finden wie alleinstehende Senioren, zum anderen soll die Wohnanlage über das bauliche Zentrum an die Öffentlichkeit der Gemeinde angedockt werden. Hier könnten zum Beispiel Veranstaltungen stattfinden, die für Owinger Bürger und Bewohner der Anlage gleichermaßen interessant sind und ein soziales Miteinander bewirken.

"Es handelt sich nicht um ein 'betreutes Wohnen' im herkömmlichen Sinn", erklärte Stefanie Locher, Geschäftsführerin der Stiftung Liebenau, "sondern ein Mehr-Generationen-Wohnen mit jüngeren und älteren Menschen." Das Modell sei von der Stiftung schon 1994 entwickelt worden, es gebe inzwischen mehr als 30 Wohnanlagen dieser Art, doch es sei noch heute innovativ. "Alte Menschen wollen in ihren eigenen Räumen bleiben", sei eine Grunderkenntnis für das Konzept, das auf drei Säulen beruhe.

"Mobilität hält jung" formulierte Stefanie Locher eine wichtige Erfahrung, daher sollten die Bewohner möglichst viel selbst erledigen und sich vielmehr fragen: "Wie können sie sich einbringen?" Alles in der Anlage sei barrierefrei und die gute Infrastruktur ermögliche längstmögliche Selbstständigkeit. "Das Durchschnittsalter aller bestehenden Anlagen liegt bei etwa 50 Jahren", betonte die Geschäftsführerin. Eine Nutzung der Wohnungen sei im Eigentum oder in Miete möglich. "Als Renditeobjekt für Kapitalanleger ist es jedoch nicht das richtige Objekt", erläuterte Locher. Der Mietpreis liege in der Regel jedoch am oberen Ende des Mietspiegels. Erst zu kommen und einzuziehen, wenn es brenzlig wird, davon rät die Expertin aus Erfahrung ab. Sie hebt die Gemeinschaft hervor, die mit dem längeren Zusammenleben entsteht. "Man sollte hier keine Wohnung kaufen, um erst mit 87 Jahren einzuziehen." Auch entscheide ein Bewohnerbeirat über neue Mieter. Die Unterstützung durch Sozialarbeiter in der Gemeinwesenarbeit sei nicht als Dienstleistung, sondern als Moderation des Zusammenlebens zu verstehen.

Das Konzept der Bebauung erläuterte Architekt Stephan Ruf, der gemeinsam mit Kollege Haro Kraus auch die Projektentwicklung als Investorengesellschaft betreibt. Unter den beiden senkrecht zur Straße stehenden Hauptgebäuden befindet sich eine Tiefgarage, das Verbindungselement wird als Servicezentrum verstanden und bietet Möglichkeiten zur Begegnung und zu Veranstaltungen, die auch öffentlichen Charakter haben können. Denkbar sei auch zur Straße hin ein öffentlicher Platz in Richtung Rathaus.

Das Finanzierungskonzept erläuterte Bürgermeister Henrik Wengert. Die Gemeinde verkaufe das 2950 Quadratmeter große Grundstück an die Projektgesellschaft Kraus und Ruf, die gemeinsam mit der Volksbank den Bau finanziere und die Wohnungen anschließend verkaufe. Pro Quadratmeter müsse der Investor einen gewissen Betrag an die Stiftung abführen. Der fließe ebenso in eine Bürgerstiftung wie der Erlös der Gemeinde aus dem Grundstück. "Mit den Erträgen der Stiftung soll die Gemeinwesenarbeit mit einem Stellenumfang von 30 Prozent finanziert werden", berichtete Bürgermeister Henrik Wengert. Bei der aktuellen Zinssituation reiche dies kaum, daher müsse die Gemeinde wohl zwei, drei Wohnungen zukaufen und die Miete noch zur Finanzierung der Gemeinwesenarbeit beisteuern. Ein Defizit müsse aus dem Haushalt gedeckt werden, zumal diese Arbeit auch in die Gemeinde hinein wirken solle. Der Gemeinderat entschied einstimmig.