Groß war der Aufmarsch an Beteiligten zur gemeinsamen Eröffnung einer kleinen, aber wichtigen Fußgängerbrücke im Aachtobel. Aus Sicherheitsgründen musste der Wanderweg unterhalb der vorhandenen Staustufe nach einem Hangrutsch mehrere Jahre teilweise gesperrt und nun von der rechten auf die linke Bachseite verlegt werden.

Die blaue Azurjungfer gehört zu den besonderen Libellen an dem bewegten Flusslauf.
Die blaue Azurjungfer gehört zu den besonderen Libellen an dem bewegten Flusslauf. | Bild: Hanspeter Walter

Wenn man die kommunalen Grenzen berücksichtigt, hieß dies zugleich von der Owinger auf die Frickinger Gemarkung. Was weiter flussabwärts einen weiteren Brückenschlag zurück erforderlich machte, um an das bestehende Wanderwegenetz anzudocken.

Wer weiß, dass sich die Maßnahme auch noch in einem wertvollen Naturschutzgebiet abspielte, kann die Hürden und Hindernisse fast schon erahnen. Kurz vor Ostern war der neue Wanderweg mit der Brücke schon freigegeben und während der Feiertage auch schon reichlich genutzt worden.

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„Wir haben insgesamt vier Genehmigungsverfahren benötigt“, erklärte Owingens Bürgermeister Henrik Wengert, dessen Verwaltung das Bauprojekt abwickelte. „Es war eigentlich eine kleine und keine schwierige Maßnahme, aber aus verschiedenen Gründen eine recht langwierige,“ sagte Wengert im Beisein des Frickinger Kollegen Jürgen Stukle und des Überlinger Baubürgermeisters Matthias Längin.

Der Aachtobel ist schon seit 1939 ein wertvolles Naturschutzgebiet.
Der Aachtobel ist schon seit 1939 ein wertvolles Naturschutzgebiet. | Bild: Hanspeter Walter

Mit dabei waren auch die Ortsvorsteher Jörg Nesensohn (Hohenbodman), Angelika Thiel (Taisersdorf) und Gottfried Mayer (Lippertsreute) und als Vertreter des Überlinger Verschönerungsvereins Bernadette Siemensmeyer, Thomas Vogler, Hermann Keller und Martin Widmann. Schließlich ist der Brückenschlag für den Owinger Bürgermeister geradezu ein „Vorzeigeprojekt für gute interkommunale Zusammenarbeit“.

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Dass sich die Anrainergemeinden dafür die Kosten teilten, war schon aufgrund der überschaubaren Gesamtkosten von rund 32.800 Euro das kleinste Problem. Jede der drei Kommunen steuerte 10.000 Euro bei und der Verschönerungsverein glich mit seiner Spende die fehlende Differenz aus.

Gerade an dieser Nahtstelle sei eine konstruktive Zusammenarbeit schon immer guter Brauch gewesen, betonte Thomas Vogler, der sich um das funktionierende Wanderwegenetz kümmert und schon bei der letzten Brückenerneuerung bei Bruckfelden beteiligt war.

Die neue Brücke wird von Wanderern schon genutzt.
Die neue Brücke wird von Wanderern schon genutzt. | Bild: Hanspeter Walter

Frickingens Bürgermeister Jürgen Stukle dankte der Owinger Verwaltung, dass sie die Maßnahme nicht nur koordiniert, sondern mit rund 150 Arbeitsstunden des eigenen Bauhofs auch umgesetzt habe. Einiges gespart haben die Gemeinden, da dass Land nicht nur den Bereich des neuen Wanderwegs, sondern gleich eine größere Wald- und Grünfläche innerhalb des Schutzgebiets von einem örtlichen Landwirt erworben und einen Pflegevertrag abgeschlossen habe.

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Gerade dieser Vorgang habe sich doch länger hingezogen als erwartet, erklärte Wengert. Bereits im Mai 2016 war der Aachtobel nach Starkregen und Erdrutschen an einer kritischen Stelle gesperrt worden. Im Oktober 2017 seien alle beteiligten Behörden zu einer Besprechung zusammengekommen.

Bauwerk hielt der Prüfung stand

Wengert: „Unser Sitzungssaal im Rathaus war voll damals.“ Im Herbst 2018 hätten alle Genehmigungen vorgelegen. „Ich habe nicht gedacht, dass es bei der Brücke einer Prüfstatik bedarf“, räumte Owingens Bürgermeister ein. Doch das Bauwerk, das der Bauhof im Spätherbst 2018 installierte, hielt der Prüfung stand.

Noch weisen provisorische Schilder den neuen Weg.
Noch weisen provisorische Schilder den neuen Weg. | Bild: Hanspeter Walter

Wie wichtig Wanderweg und Brücke seien, werde den Mitarbeitern im Rathaus täglich vor Augen geführt, erklärte Wengert. Die häufigste Frage der letzten beiden Jahre sei wohl gewesen: „Ist der Aachtobel wieder offen? Wann ist er wieder begehbar?“ Bei Einheimischen und Feriengästen sei das Wandergebiet mit seinem botanischen Artenreichtum gleichermaßen beliebt.

Naturschutzgebiet schon seit 1939

  • Der Aachtobel ist eines der bemerkenswertesten Landschaftserlebnisse auf dem „Jubiläumsweg“ des Bodenseekreises. Das schluchtartige Tal ist erst in den letzten 13.000 Jahren entstanden, nachdem sich die Gletscher der zu Ende gehenden Würmeiszeit zurückgezogen hatten. Seitdem hat das Wasser der Aach die weichen Sandsteine der Oberen Süßwassermolasse ausgewaschen und die wilde Schlucht als Resultat steter Erosion entstehen lassen, die auch heute noch weiter geht. Wanderwege führen heute von Bruckfelden, aber auch von Hohenbodman, Taisersdorf oder Großschönach hinunter in die Schlucht.
  • Die besondere ökologische Bedeutung des Areals war bereits 1939 erkannt worden, als die Waldschlucht auf einer Fläche von 72 Hektar unter Naturschutz gestellt wurde. Wegen der geringen menschlichen Beeinflussung und des feucht-kühlen Lokalklimas ist der Tobel ein ebenso wertvoller wie seltener Standort nordisch-alpiner Pflanzenformen. Drei besondere Waldtypen sind hier entstanden: der quellbegleitenden Eschenwald, der Ahorn-Bergulmen-Eschenschluchtwald und der ausgesprochen präalpine Buchen-Mischwald. Ein ganz besonderer Zauber liegt über einigen Bereichen des Tobels, wenn im zeitigen Frühjahr unzählige weißblühende Märzenbecher die Talsohle bedecken. Mehrere Orchideenarten wie Türkenbund und Ständelwurz sowie mehrere Paare brütender Eisvögel zählen zu den weiteren herausragenden Raritäten dieses Lebensraums.
  • Die aktuelle Kooperation der Anrainergemeinden Frickingen, Owingen und Überlingen hat schon eine lange Tradition. Erst vor zwölf Jahren musste eine alte durchgefaulte Holzbrücke auf der Höhe von Bruckfelden zum wiederholten Male ersetzt werden. Damals baute das THW Überlingen in einem ehrenamtlichen Einsatz das marode Bauwerk ab und schuf Platz für die Handwerker. Die Kosten für den Ersatz teilten sich die drei Kommunen auch damals. Die aktuelle 13,50 Meter lange Stahlbrücke ist eine ganz neue Querung über die Aach und sollte von nachhaltigem Nutzen sein.