Dass der Schwung, mit dem der Musikverein Owingen den Neujahrsempfang eröffnet hatte, „uns alle gut in das vor uns liegende Arbeitsjahr mit all seinen Chancen und Herausforderungen geleitet“, darauf hoffte Bürgermeister Henrik Wengert im vollbesetzten Kultur|0. Im Mittelpunkt stand neben seinem Rück- und Ausblick die Verleihung der goldenen Ehrennadel der Gemeinde an Rudolf Fischer, die Blutspenderehrung und ein impulsiver Vortrag von Marco Freiherr von Münchhausen aus München.

Blutspenderehrung beim Neujahrsempfang (von links): Bürgermeister Henrik Wengert, Hedwig Petautschnig (Bürgertracht Alt-Owingen), Kurt Lohr (100 Blutspenden), Marlies Schechter (Tracht), Mario Rupp (100 Blutspenden) und Roland Gauss (DRK).
Blutspenderehrung beim Neujahrsempfang (von links): Bürgermeister Henrik Wengert, Hedwig Petautschnig (Bürgertracht Alt-Owingen), Kurt Lohr (100 Blutspenden), Marlies Schechter (Tracht), Mario Rupp (100 Blutspenden) und Roland Gauss (DRK). | Bild: Kleinstück, Holger

Gleich zu Beginn seiner 45-minütigen Ausführungen verriet Wengert, was ihn im Vorjahr auf die sprichwörtliche Palme gebracht habe: Die Brände im Urwald des Amazonas, die Häufigkeit der Wirbelstürme und der damit verbundenen mörderischen Zerstörungskraft sowie die extremen Regengüsse und die Trockenheit. Aus diesem Grunde zeigte er sich froh, dass sich auch in der Region immer mehr Menschen für Umweltschutz und Nachhaltigkeit einsetzten. Der Rathauschef forderte dazu auf, beispielsweise auf Coffee-to-go-Einmalbecher zu verzichten, mehr Blumen, Büsche und Sträucher wachsen zu lassen oder regional einzukaufen.

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Ganz besonders gut gefallen habe ihm im Vorjahr das vielfältige, große ehrenamtliches Engagement in und für Owingen. „Sei es für einen der zahlreichen Vereine, sei es in der Flüchtlingsbetreuung, bei Hilfsorganisationen oder bei der freiwilligen Feuerwehr“, sagte der Rathauschef. „Ohne Sie alle wäre Owingen eine reine staatliche Verwaltungseinheit mit 4494 Einwohnern. Mit Ihnen ist es eine an Vielfalt reiche, bunte Gemeinschaft mit Charakter.“

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Die Finanzen ansprechend sagte Wengert, im Vorjahr sei es gelungen, den Schuldenstand um etwas mehr als 50 000 Euro auf einen Betrag von nunmehr 372 000 Euro beziehungsweise 82 Euro pro Einwohner zu reduzieren, womit man zu den führenden Kommunen in Baden-Württemberg gehöre. Im Vorjahr habe man gut gewirtschaftet, aber auch aufgrund der zusätzlichen Steuereinnahmen belaufe sich die allgemeine Rücklage auf über 5 Millionen Euro. Diesen Betrag werde man aber in den kommenden zwei Jahren vermutlich vollständig aufbrauchen. Wengert nannte in dem Zusammenhang das neue Feuerwehrgerätehaus in der Ortsmitte, dessen 4,6 Millionen Euro teurer Bau das bislang kostenintensivste Projekt in der Geschichte der Gemeinde darstelle. Des Weiteren werde auf dem Friedhof jetzt einer ordentlichen Sanierung und besseren Einteilung umgesetzt – sukzessive in vier Bauabschnitten.

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Künftig werde man auch Baumbestattungen auf allen Friedhöfen anbieten. Auch gelte es, einen Bebauungsplan zur Ansiedlung einer Tankstelle zu entwickeln. Nicht zuletzt bedürfe es weiterer Baugrundstücke und den Neubau eines Mehrgenerationenhauses nach dem Modell „Lebensräume für Jung und Alt“. Mit dem Verweis auf das Zitat „Wenn man will, dass das Jahr erfolgreich wird, muss man am ersten Januar damit beginnen“ eines unbekannten Autors appellierte er: „Packen wir‘s an.“

Rudolf Fischer, hier mit seiner Frau Silvia, wurde für sein langjähriges erfolgreiches Wirken in der Kommunalpolitik der Gemeinde Owingen mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.
Rudolf Fischer, hier mit seiner Frau Silvia, wurde für sein langjähriges erfolgreiches Wirken in der Kommunalpolitik der Gemeinde Owingen mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. | Bild: Kleinstück, Holger

Großer Applaus kam auf, als Wengert anschließend Rudolf Fischer für dessen außergewöhnliches Engagement auszeichnete. Fischer war neben seinem langjährigen Wirken im Fußball- und Musikverein von 1980 bis 2019 Gemeinderat, bei sechs Kommunalwahlen von 1989 bis 2014 jedes Mal Stimmenkönig und 30 Jahre lang erster Bürgermeisterstellvertreter. Außerdem saß er zehn Jahre im Kreistag und war 15 Jahre lang als ehrenamtlicher Richter beim Verwaltungsgericht tätig. „Rudolf Fischer hat sich in besonders herausragender Art und Weise um Owingen verdient gemacht“, hob Wengert hervor.

Der Gastredner Marco Freiherr von Münchhausen trägt sich im Goldenen Buch der Gemeinde ein.
Der Gastredner Marco Freiherr von Münchhausen trägt sich im Goldenen Buch der Gemeinde ein. | Bild: Kleinstück, Holger

Zeitinseln der Ungestörtheit schaffen

Welche Folgen die Digitalisierung für das menschliche Gehirn hat, warum Konzentration so wichtig ist und wie man sie bewusst herstellen und trainieren kann, das hat Marco Freiherr von Münchhausen in seinem interaktiven, unterhaltsamen und mit viel Humor angereicherten Vortrag „Das digitalisierte Gehirn – Wie wir die Kraft der Konzentration wiederfinden“ erläutert. Im Jahr 2007 und erneut 2010 wurde der Referent mit dem begehrten „Conga-Award“, dem „Oscar“ der Veranstaltungsbranche, ausgezeichnet. 2015 erhielt er die Auszeichnung „Speaker des Jahres“, und im September 2019 hat ihn die German Speakers Association, der führende deutschsprachige Rednerverband, in ihre „Hall of Fame“ aufgenommen. Als „einer der gefragtesten Redner und Coaches Europas“, wie ihn Bürgermeister Wengert bezeichnete, nahm der Jurist und Sachbuchautor sein begeistertes Publikum mit auf eine Reise der zu verbessernden Konzentration.

Von Münchhausen machte darauf aufmerksam, dass die digitale Welt einen großen Nachteil habe: Es werde immer schwerer, längere Zeit konzentriert bei einer Sache zu bleiben und Störungen abzuschirmen. Der Verlust der Konzentration, ständige Unterbrechungen insbesondere durch Smartphone und die digitale Medienvielfalt sowie die problematischen Folgen des Multitaskings seien mittlerweile zum Hauptproblem der Arbeitswelt geworden. Von Münchhausen zeigte auf, wie man die Fähigkeit zur Konzentration verbessern kann und rief dazu auf, immer wieder Zeitinseln der Ungestörtheit zu schaffen. Um die neuen Erkenntnisse im Alltag umsetzen zu können, erhielten die Gäste abschließend ein Kärtchen, auf dem von Münchhausens Kernaussagen knapp zusammengefasst sind.