Nicht nur für Hohenbodman und ganz Owingen zählt der Aussichtsturm zu den markantesten Erkennungsmerkmalen, ja er ist das Wahrzeichen der Gemeinde und mit seiner grandiosen Aussicht das wichtigste touristische Ziel. Im Wappen der Kommune hat der Turm seinen Platz, am Bürgerhaus des Teilorts ist ein Abbild zu finden. Doch auch über die lokale Gemeinde hinaus ist das historische Bauwerk quasi der Leuchtturm des Linzgau. Und von hier aus hat man aus nahezu 30 Meter Höhe einen Rundblick auf Bodensee und Alpen, der seinesgleichen sucht.

Rudolf Koch aus Hohenbodman hat jetzt eine neue Broschüre zu dem Bauwerk verfasst. Hier am Aufgang der Wendeltreppe, die innerhalb der 3,2 Meter dicken Rundmauer liegt.
Rudolf Koch aus Hohenbodman hat jetzt eine neue Broschüre zu dem Bauwerk verfasst. Hier am Aufgang der Wendeltreppe, die innerhalb der 3,2 Meter dicken Rundmauer liegt. | Bild: Hanspeter Walter

Geschichte des Turms ist schwierig zu erhellen

Noch nicht so recht ausgeleuchtet sind allerdings manche Facetten seiner Geschichte, wie Rudolf Koch aus Hohenbodman in den vergangenen Monaten festgestellt. "Die Historie des Turms ist sehr interessant, aber auch kompliziert und sehr schwierig zu erhellen", sagt der aus Salem stammende Ruheständler, der vor drei Jahren auf die Höhen des Linzgaus gezogen ist. Der frühere Einzelhändler aus Mimmenhausen war schon immer sehr an der Regionalgeschichte interessiert und gehört auch zu den Führern in Schloss Salem. Als sein Faible in Owingen, insbesondere in Hohenbodman ruchbar wurde, dauerte es nicht lange, bis man ihn bat, doch eine Broschüre über den Aussichtsturm zu verfassen. Lediglich ein kleines Heftchen über das "ehemalige Schloß Hohenbodman", das Norbert Zysk vor knapp 40 Jahren verfasst hatte, gab es bisher.

Keinerlei Dokumente über den Bau

Manche Details waren teilweise zwar auch schon wissenschaftlich untersucht worden, aber Koch musste sie erst mühsam aufstöbern und zusammentragen. Wie die Doktorarbeit von Guenther Flohrschütz aus dem Jahr 1951, der sich mit der "ältesten Geschichte der Herren von Bodman" befasst hatte. "Für die Denkmalpflege scheint der Turm sehr wichtig zu sein", diagnostiziert Rudolf Koch: "Doch viel gearbeitet wurde offensichtlich nicht darüber." So liegen die ersten Wurzeln des Schlosses Hohenbodman und die des Turmes noch im Dunkeln, wie die Historiker gerne sagen. "Über den Bau gibt es keinerlei Dokumente", sagt Koch. Allenfalls lässt sich erschließen, dass er im 13. Jahrhundert entstanden sein muss. Erstmals 1325 ist Hohenbodman schriftlich dokumentiert und diese Jahreszahl könnte auch Grundlage für eine Jubiläumsfeier in sieben Jahren sein.

Der Turm darf nirgends fehlen: Hier am Bürgerhaus neben der Linde, dem zweiten Wahrzeichen Hohenbodmans.
Der Turm darf nirgends fehlen: Hier am Bürgerhaus neben der Linde, dem zweiten Wahrzeichen Hohenbodmans. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Vielleicht sind bis dahin auch einige weitere Geheimnisse gelüftet, die der Aussichtsturm birgt, der mit seinem Kegeldach 37 Meter hoch ist und drei Meter dicken Mauern besitzt. In der Mauer selbst führt auch der Hauptteil der Treppe nach oben, der am alten Turmeingang beginnt. Der liegt heute in gut fünf Meter Höhe und gleicht einem Fenster. Wer die 138 Stufen nach oben steigt, kommt auch an nahezu unauffälligen Resten von Wandmalereien vorbei, die aus dem 15. Jahrhundert stammen könnten, wie Archäologen mutmaßen. Reste einer Sonne sind zu erkennen, Sterne und Rudimente eines Kreuzes, das zu einer Christusfigur gehört haben könnte.

"In dem Turm spiegelt sich die große Geschichte"

"In dem Turm spiegelt sich die große Geschichte", sagt Rudolf Koch. Er war wohl auf dem Bergfried der noch älteren Burg der Herren von Bodman erstellt worden, die von hier ihre Ländereien im unteren Linzgau überblicken konnten. Es gab Zeiten, da konkurrierten sie mit den Zisterziensern von Kloster Salem und bisweilen gab es schwere Konflikte. Ab 1507 gehörte der Turm mit der Vogtei Hohenbodman zu Überlingen – bis 1971, als die Stadt das marode Bauwerk Hohenbodman für ein symbolisches Nasenwasser von 661 Mark überließ. Beide waren im Dreißigjährigen Krieg ein Opfer des Oberst Konrad Widerholt vom Hohentwiel geworden. Schon 1642 hatte er mit seinen Truppen das Schloss Hohenbodman niedergebrannt, im Januar 1643 überraschte er Überlingen und besetzte die Stadt.

Selbst die Verteilerkästen macht ein Bildchen vom Turm attraktiver.
Selbst die Verteilerkästen macht ein Bildchen vom Turm attraktiver. | Bild: Hanspeter Walter

Die wichtigsten Aspekte und Fakten hat Rudolf Koch nun für seine Broschüre "Der Linzgauleuchtturm Hohenbodman – Burg, Schloss, Ruine, Aussichtsturm" – zusammengetragen, die kurz vor der Fertigstellung steht. "Beim Verfassen habe ich großen Wert auf gute Lesbarkeit und Verständlichkeit gelegt", sagt der Hohenbodmaner. Dann fehlt nur noch eine Informationstafel am Turm selbst. Denn die Besucher, die gerne den Grill- und Aussichtsplatz am Turm nutzen, sind bisher allein gelassen, was Geschichte und Hintergrund angeht. "Ich finde es ein bisschen schade", sagt Autor Koch, "wenn nicht auch die wechselvolle Geschichte des Bauwerks hier wahrgenommen wird." Mit der Aussicht tun sich die Besucher deutlich leichter, seit vor zwei Jahren ganz oben ein hilfreiches Fernrohr installiert wurde, das dem Bergfreund die Namen der Alpengipfel ins Bild spiegelt und damit zuverlässige Orientierung bietet.