Es geht nur gemeinsam. Und es geht gemeinsam. Wenn das Miteinander von Respekt, Toleranz und Wertschätzung geprägt ist. Hätte es eines Beweises bedurft, so wäre das aktuelle multireligiöse Friedensgebet in der Owinger Kirche Peter und Paul am Buß- und Bettag ein Beispiel par excellence. Acht verschiedene Religionen und Konfessionen feierten gemeinsam mit fast 100 Teilnehmern eine 90-minütige Andacht mit Liedern, Gebeten und Meditationen. An deren Ende stand der aaronitische Segen, die älteste Überlieferung dieser Art, die auf Farsi und auf Deutsch vorgetragen wurde, und die Weitergabe eines Kerzenlichts. Instrumental begleitet wurde die Feier von Uta und Udo-Rainer Follert aus Heiligenberg.

"Die Sehnsucht nach Frieden führt uns zusammen", hieß Dekanin Regine Klusmann die Besucher gemeinsam mit Owingens Pfarrer Michael Schauber willkommen. "Die Sehnsucht nach einer Welt, in der wir als Geschwister in gegenseitiger Toleranz und Respekt zusammenleben. In einer Welt, die keinen Platz hat für Terror und Angst, für Gewalt und Extremismus." Diese Gedanken führten die Vertreter der Religionen und Konfessionen fort. Worte des Propheten Micha griff Pfarrer Karl-Heinz Berger von der katholischen Seelsorgeeinheit Überlingen auf. "Der Herr weist mächtige Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen", heißt es da. "Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg."

Im gleichen Geist gehalten das Gebet, das Hasan Gazi Ögütcü vom alevitischen Bildungswerk in Ravensburg vortrug. "Mögen die Menschen auf der Welt miteinander und nebeneinander in Frieden und Freundschaft leben", endete es, ehe Abdullah Achoue, ein sunnitischer Moslem aus dem syrischen Latakia, ein arabisches Lied aus der Moschee sang. Auch das buddhistische Maitreya Mandala aus Hödingen war mit Konchok Jinpa Chodron vertreten – einer Nonne am Weltkloster Radolfzell, die eine Meditation Buddhas auf Deutsch und ein Mantra in Sanskrit und tibetischer Sprache vortrug. Als Gast aus Sri Lanka ein Gebet mitgebracht hatte der junge buddhistische Mönch Suma, der zum wiederholten Mal in Überlingen ein paar Tage Ferien macht. Für die Christengemeinschaft las Pfarrerin Johanna Besuch ein Gebet von Rudolf Steiner vor und dirigierte einen Kanon zum Rilke-Gedicht "Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen". Mit einem Gebet von Pastor Rouven Bürkle (Methodistische Gemeinde) und dem muslimischen Afghanen Youffer Hosni, der den aaronitischen Segen auf Farsi rezitierte, fand die Feier einen Abschluss, der von einer Liedkomposition des Heiligenberger Instrumentalduos Follert begleitet wurde.

 

War da was?

Es war ein Mal ein gesetzlicher Feiertag, der Buß- und Bettag, der vor 22 Jahren aus ökonomische Gründen der neuen Pflegeversicherung geopfert wurde. Die Mehrleistung der Arbeitnehmer am Buß- und Bettag sollte den Arbeitgeberanteil der Betriebe gegenfinanzieren. Vielfach in Vergessenheit geraten, ist der Buß- und Bettag bis heute zwar ein protestantischer Feiertag, jedoch meist mit Gottesdiensten außerhalb der Geschäftszeiten. Nur das Land Sachsen hat sich den gesetzlichen Feiertag dadurch bewahrt, dass die Arbeitnehmer einen höheren Pflegeversicherungsbeitrag bezahlen – mit dem Plazet des Bundesverfassungsgerichts. In Bayern haben alle Schüler zwar unterrichtsfrei, Lehrer allerdings Dienst. In Berlin ist für evangelische Schüler der Unterrichtsbesuch am Buß- und Bettag freiwillig. Das multireligiöse Friedensgebet, das im Vorjahr in Überlingen im Rahmen der Friedensdekade seine Premiere hatte, könnte künftig zu einer Tradition an diesem Tag werden.