„In Harmonie vereint“, so fasst der Untertitel des Musikvereins Owingen in Worte, was diese Musikkapelle verkörpert, und was sie seit nun 125 Jahren bewegt. Ein beeindruckendes Jubiläum feiert der Musikverein dieses Jahr: 1893 von sieben Männern provisorisch erschaffen, feiert der Musikverein sein 125-jähriges Bestehen.

„Wir sind unglaublich dankbar und auch stolz, dieses Jubiläumsjahr so angehen zu dürfen“, sagt Dirigentin Angela Gorber. Auch Vorsitzender und Jugendkapellenleiter Hans-Georg Benz ist gerührt: „Die Chronik eines Vereins, die Verdienste Unzähliger damit ehren zu dürfen, ist tief bewegend.“

Das Jubiläumsjahr hat es in sich: Angefangen beim Festakt im April, über das Festwochende im Juni, beim Oktoberfest bis hin zum Weihnachtskonzert – Terminplaner, Musikrepertoire und Helferlisten sind prall gefüllt. Dabei hat der Musikverein im Alltag schon viel zu stemmen: Über 90 Kinder nehmen das breite Angebot der Instrumentalausbildung wahr; von musikalischer Früherziehung, Vororchester, Jugendkapelle bis zur Musikkapelle wird gemeinsames Musizieren aktiv gelebt. Ob kirchlich oder weltliche Festumrahmung, Frühschoppen, Blasmusikabend und Konzert, traditionell oder modern: Die Musikkapellen sind wichtiger Bestandteil des Owinger Gemeindelebens.

Mehr als ein bisschen Tätärä

Blasmusik: Ein bisschen Tätärä, Marschschritt und Fahnenschwenken? Das mögen Assoziationen Voreingenommener sein. Die Wirklichkeit sieht anders aus. „Besucher, die unsere Konzerte das erste Mal besuchen, sind völlig perplex, was sich hinter diesem angestaubten Klischee verbirgt“, erzählt Gorber. Denn neben Polka und Marsch erweitern konzertante Arrangements, Symphonien oder auch Pop die musikalische Bandbreite. Besonders die Jugend begeistere sich zunehmend für Blasmusik: „Die Mischung dieser mit Popmusik erfährt einen regelrechten Hype.“ Das erklärt unter anderem das wachsende Engagement des Nachwuchses im Verein: Ob Jugendleiter, Schriftführer oder Kassier, die „Jungen“ reißen sich förmlich um die Posten. „Die sind enttäuscht, wenn ihnen bei einem Fest mal keine Aufgabe zugeteilt wird“, schmunzelt der Vorsitzende. Eine Entwicklung, deren Wurzeln Hans-Georg Benz in der gezielten Jugendarbeit des Vereins sieht. Zuvor in Kooperation mit der Musikschule Überlingen, bildet der Owinger Musikverein seit nun acht Jahren instrumental selbständig aus. „Die Schüler haben somit einen intensiveren Vereinsbezug, und die Übernahme in die Kapellen wird erleichtert.“ Vom 70-Jährigen bis zu den Vierjährigen ist damit alles vereint. „Musik wirkt als generationenverbindendes Mittel“, erläutert Gorber diese Gruppendynamik.

Gesunde Mischung aus Virtuosität und Spaß

Wie nun einen solch bunten Klanggarten auf einen gemeinsamen Nenner bringen? „Wichtig ist die gesunde Mischung aus Virtuosität und Spaß“, sind sich die Dirigenten einig. „Unser Ziel ist keine technische Perfektion sondern Freude am gemeinsamen Musizieren.“ Das sei auch der Grund, warum die Stilrichtungen des Musikrepertoires so variierten: „Man holt jeden woanders ab, Spieler und Zuhörer“, so Angela Gorber. „Wenn man am Sonntagmorgen die Melodie vom vorigen Abend summt, stimmt´s.“

Ob viele engagierte Spieler oder nicht, einen Großteil der Arbeit haben Vorstand und Dirigenten zu stemmen. „Doch ohne kann ich es mir nicht vorstellen“, reflektiert Benz, „die Motivation der Jugend in Musik zu übersetzen, ist großartig.“ Seine eigene Trompete habe er selbst beim Skifahren mit dabei. „Das Einzige, was mich stresst, ist die Bügelwäsche, die vor lauter Dirigieren liegen bleibt“, so Gorber, seit nun 18 Jahren leidenschaftlich im Geschäft. Sie hatte vor aufzuhören, doch dort, wo der Verein derzeit stehe, sei eine Trennung unmöglich. „Das Jubiläumsjahr liegt zeitlich optimal“, freut sich auch Hans-Georg Benz über das aktuelle Gesamtengagement im Verein. Denn für Wertungsspiele, Dorfumzug mit 14 Musikvereinen, Gottesdienst und Party beim großen Festwochenende bedarf es unzähliger Helfer. Viele Ortsvereine hätten freiwillig Unterstützung angeboten, ein Beweis kooperativen Gemeindelebens.

„Den Höhepunkt stellt aber die Uraufführung unseres Auftragswerks Owinia dar“, sagt Hans-Georg Benz. In intensiver Recherche habe der Komponist Kurt Gäble in Noten verwandelt, was Owingen bewegt; vom tragischen Flugzeugabsturz, über französische Partnerschaft bis hin zum Panoramablick vom Hohenbodmaner Turm. Dirigenten und Orchester zeigen sich nach der ersten Probe begeistert davon: „Owinia vereint Tradition und Zukunft“, eine Symbolik, die insbesondere den Maßstäben des Musikvereins entspricht.

Musikverein Owingen

  • Historie: Der Musikverein Owingen wurde 1893 gegründet. 1910 wurden die Statuten erlassen. Der Verein bestand zunächst aus 13 aktiven und 55 passiven Mitgliedern. 2018 wird das 125-jährige Bestehen gefeiert. Seit 1991 hat der Musikverein neben dem Rathaus sein Probelokal. Ausgezeichnet mit mehreren Plaketten und Preisen, vor allem aber durch die gemeindeübergreifende Tätigkeit, hat sich der Musikverein einen Namen gemacht. Allein im 2017 waren es 21 Auftritte.
  • Ausbildung: Das Mittel-Oberstufenorchester dirigiert Angela Gorber, Jugendkapelle und Vororchester stehen unter der Leitung des Vorsitzenden Hans-Georg Benz. Musikalische Früherziehung und Blockflötenunterricht werden genauso angeboten wie die Instrumentalausbildung fast aller Holz- und Blechblasinstrumente sowie Schlagzeugstunden.
  • Veranstaltungen im Jubiläumsjahr: 21. April: Festakt mit Uraufführung des Auftragswerkes „Owinia“ für geladene Gäste. 23. bis 24. Juni: Festwochenende mit böhmisch-mährischen Wertungsspielen, Marschmusikwettbewerb, Party mit der Band „Die Dorfheiligen“, Festgottesdienst, Frühschoppen, Umzug mit Gesamtchor. 15. bis 17. September: Oktoberfest mit Partyband „Alpenhohl“, Fassanstich, Frühschoppen, Feierabendhock. Dezember: Jubiläumsjahreskonzert