Der Weg zum Zeltlager Rammetshofen wirkte genauso verwunschen wie das Wald-Zeltlager selbst. Und in diesem Jahr stand es passenderweise unter dem Motto Märchenwelten. Über staubige Feldwege gelangte man mit dem Auto zwischen Maisfeldern, später am Waldrand entlang, hinein in diese andere Welt.

Auf einer Lichtung waren 22 große weiße Zelte im Kreis aufgebaut. Sie hatten Namen wie „Schneewittchen“, „Die sieben Zwerge“ oder „Dornröschen“. Camp-Leiter Lukas Siegle erklärt: „Frischwasser und Strom beziehen wir direkt von der Gemeinde Oberteuringen.“ Die Abwässer des Camps würden über eine Pumpe und einen unterirdisch verlegten Schlauch direkt ins Klärwerk geleitet.

Carolin Boss und Lukas Siegle aus Ulm leiten das Zeltlager „Ram III“ in Rammetshofen.
Carolin Boss und Lukas Siegle aus Ulm leiten das Zeltlager „Ram III“ in Rammetshofen. | Bild: Monika Weiß

Als Kind kam Lukas Siegle zum ersten Mal ins Camp. Sechs Jahre alt war er damals. Inzwischen hat der 24-Jährige eine beachtliche Zeltlagerkarriere hingelegt. Denn seit fünf Jahren leitet er das ganze Camp. „Wir haben viele, die schon von klein auf dabei sind und die mit 18 noch immer gerne mitkommen“, erzählt er. Diese Unabhängigkeit erleben, zwei Wochen Urlaub ohne Eltern, sei für viele einfach eine tolle Zeit. „Wir leben hier in einer Art kleiner Zeitkapsel“, beschreibt Siegle diese Auszeit im Camp.

Noah Burger und Colin Römer sind die Küchenchefs. Sie bereiten das Mittagessen zu.
Noah Burger und Colin Römer sind die Küchenchefs. Sie bereiten das Mittagessen zu. | Bild: Monika Weiß

Ähnlich erlebt das auch Carolin Boss aus Ulm. Die 27-Jährige nahm dieses Jahr zum 21. Mal am Lager teil und leitet es mit Siegle zusammen. „Alles ist toll, das Team, die Kinder, man kann abschalten, den Alltag mal zuhause lassen, kein Telefon die ganze Zeit“, schwärmt sie. Für Boss, die inzwischen Webdesignerin ist, ist das Zeltlager des BDKJ (Bund Deutscher Katholischer Jugendlicher) „mittlerweile einfach so ein Nachhausekommen“.

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Elf Betreuer sind für Jugendliche da

28 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren waren vom 27. August bis 9. September im Zeltlager „Ram III“ für die 15- bis 17-Jährigen zwei Wochen lang zuhause. Fast alle kamen aus dem Dekanat Ehingen/Ulm der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Von insgesamt elf Betreuern wurden sie mit Ideen, handwerklichem Geschick, mit Umsicht und Lebenserfahrung unterstützt.

Im Küchenzelt bereiteten die beiden Jungköche Noah Burger (20) und Colin Röder (20) in gigantischen Töpfen das Mittagessen zu. Am vorletzten Tag gab es Asiapfanne. Fachmännisch schnippelten sie dafür etliche Stangen Lauch. Von elektrischen Herden über Kühlschränke bis hin zu Töpfen in allen Größen stand dem Küchenteam alles zur Verfügung, was für die Zubereitung eines leckeren Mittagessens benötigt wird.

Sarah, Felicitas und Marlena spielen Theater und setzen ein Beziehungsdrama in Szene.
Sarah, Felicitas und Marlena spielen Theater und setzen ein Beziehungsdrama in Szene. | Bild: Monika Weiß

In einem anderen Zelt setzten die jungen Schauspielerinnen des Camp-Improtheaters, Sarah, Felicitas und Marlena, ein Beziehungsdrama in Szene, das sie selbst ausgesucht hatten. Im Zelt daneben entstand parallel die Camp-Zeitung. Vor allem über die sogenannten Groß-Tage, an denen es besonderes Programm gab, werde berichtet, erzählte das Redaktionsteam um Karo (15), Lena (17), Mateo (15), Leni (16) und Betreuerin Pia. Neben vielen anderen Abenteuern und Veranstaltungen im Zeltlager sollten auf jeden Fall der Dschungeltag, das Bergfest, die Gerüchteküche im Camp und die Gruselwanderung ins Blatt kommen.

Unter dem Motto Albträume waren die Jugendlichen bei der Gruselwanderung spätabends in den dunklen Wald gegangen. Camp-Redakteurin Lena war dabei: „Der Weg war nur mit Kerzen beleuchtet, was schon für sich gruselig genug war, da man nie wusste, wann man erschreckt wurde“, schilderte sie ihre Anspannung. Als dann plötzlich zwei Gestalten als Puppen verkleidet auf sie zukamen, war es bei ihr mit der Ruhe vorbei. Den Rest gab ihr schließlich ein Monster auf einem schemenhaft erkennbaren Bett, das eher ausgesehen habe wie ein Sarg.

Johanna, Sarah und Valerie (von links) haben zusammen das Mottobild des diesjährigen Zeltlagers „Märchenwelten“ gemalt.
Johanna, Sarah und Valerie (von links) haben zusammen das Mottobild des diesjährigen Zeltlagers „Märchenwelten“ gemalt. | Bild: Monika Weiß

Ein wenig entfernt von der Redaktionssitzung hatte sich eine Gruppe versammelt und hörte Betreuer Marcel zu, der von seinem Beruf als Polizist erzählte. Eine Gelegenheit sie zu fragen: Was gefällt ihnen am Feriencamp in Rammetshofen besonders? „Es macht alles Spaß“, „Es ist alles so familiär, man fühlt sich einfach wohl“ und „Die Auswahl an Angeboten ist echt gut, es war immer was für mich dabei“, kamen die Antworten aus der Menge. Der 15-jährige Leon aus Schelklingen erklärte, er fiebere das ganze Jahr auf das Zeltlager hin. „Man ist hier mit Freunden, die man seit vielen Jahren hier wieder trifft, lernt aber auch neue Leute kennen.“ Beim Blick in die Runde fiel auf: Keiner der Jugendlichen spielte am Handy. Lagerleiter Siegle weiß: „Die meisten haben ihr Handy gar nicht dabei. Das nimmt ganz viel Stress.“ Obwohl Handys im Zeltlager durchaus erlaubt seien.

Sie haben Marcel (Mitte, mit Hut) gelauscht, der aus seinem Alltag als Polizist erzählt hat.
Sie haben Marcel (Mitte, mit Hut) gelauscht, der aus seinem Alltag als Polizist erzählt hat. | Bild: Monika Weiß

Der junge Polizist und Betreuer Marcel zieht nach zwei Wochen Zeltlager als Resümee: „Die Stimmung hier im Team, die Stimmung zwischen den Teilnehmern, die unsere Angebote einfach so angenommen haben, wie sie kamen, war einfach super. Und wenn man sieht, wie die Leute, die zum ersten Mal dabei sind, anfangs noch etwas schüchtern waren und wie sich die Gruppe dann als eine Gemeinschaft entwickelt, das ist schon eine super Sache.“ Für Betreuerin Valerie gab es nur einen Wermutstropfen: das kalte Wasser unter der Dusche. „Bei der Hitze ist das ganz in Ordnung. Am Anfang hatten wir aber vier Tage lang Regen. Es war kalt und alles war klamm. Da kostet es schon enorm Überwindung“, erzählt sie lachend.

„Wie ein Stück Heimat“

Die Schwestern Johanna und Sarah haben zusammen mit Valerie das Zeltlager-Märchenbild gemalt. „Das Zeltlager ist buchstäblich ein Teil von uns“, erklärte Johanna, die als Springerin im Lager überall hilft, wo es gerade Bedarf gibt. Schon ihre Eltern hätten hier einst Kinder betreut. „Das ist für mich immer auch wie ein Stück Heimat, wenn ich wieder hierher komme“, sagte Sarah und die Groß-Tage waren für sie dieses Mal allesamt märchenhaft: „Wenn man in einem Märchen liest, verschwindet man selber darin. Genauso ist das im Zeltlager, weil man auch da wirklich in eine andere Welt eintaucht. Wie im Märchen halt.“

Das Redaktionsteam bei der Redaktionskonferenz für die Zeltlagerleitung
Das Redaktionsteam bei der Redaktionskonferenz für die Zeltlagerleitung | Bild: Monika Weiß