Kontrovers und emotional diskutierten die Oberteuringer Gemeinderäte die Absturzsicherung an den Fluchtbalkonen der neuen Teuringer-Tal-Schule mit der Schulleitung und Elternvertretern. Letztendlich fiel die Entscheidung des Gremiums mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung für das vom Architekturbüro Hildebrand + Schwarz vorgeschlagene Edelstahlnetz und damit gegen die Lehrer- und Elternschaft.

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Vor-Ort-Tour zum Kindergarten Markdorf-Süd

Vor der Sitzung hatten sich Vertreter der Schule zusammen mit den Gemeinderäten im Kindergarten Markdorf-Süd ein ähnlich wie in Oberteuringen geplantes Edelstahlnetz an der Außenfassade angeschaut. Bürgermeister Ralf Meßmer berichtete von Telefonaten mit Vertretern von Einrichtungen, die bereits in Häusern mit dieser Ausstattung arbeiten. „Sie sagten durchweg, dass sie das Netz überhaupt nicht wahrnehmen.“ Lehrerin Sybille Gierer hielt eine flammende Rede gegen die Vergitterung der neuen Schule und zitierte das Gedicht „Die Gedanken sind frei“. Die symbolische Wirkung einer vergitterten Schule sei aus pädagogischer Sicht mit allen Schrecken der Vergangenheit mehr als eine Frage der Ästhetik. „Räume wirken sich stark auf die emotionale Befindlichkeit aus“, sagte sie.

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Kritik seitens der Akteure an der Schule: „Gitter wie ein Gefängnis“

Elternvertreter Martin Bollmann erklärte, dass er auch nach der Besichtigung des Markdorfer Kindergartens der Meinung sei, dass das Netz wie ein Gitter an einem Gefängnis wirke. Diese geplante Lösung der Absturzsicherung halte er auch nicht für nötig, da der Balkon nur zur Flucht genutzt werden würde. Die Glastüren seien ihm nicht bewusst gewesen. Auch Rektorin Julie Adam und ihre Stellvertreterin Silke Richter waren überrascht, dass die Klassenzimmer neben der Lüftungsanlage über die Glastüren gelüftet werden sollen. Architekt Jürgen Hildebrand betonte, dass er in Oberteuringen keinesfalls etwas durchdrücken wolle. „Wir haben uns mit der Frage der Absturzsicherung intensiv beschäftigt und Rückmeldungen von Nutzern sagen, dass es wunderbar ist“, so Hildebrand. Alternativen wären ein Handlauf auf Brüstungshöhe oder ein Flachstahlgeländer.

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Gemeinderat macht es sich nicht einfach

Neben der Sicherheit war die gewünschte Transparenz für das Schulgebäude ein wichtiges Argument für die Gemeinderäte. Dass das Netz gleichzeitig die günstigste Lösung ist, spielte für die Entscheidung, die sie sich alles andere als leicht machten, keine Rolle. Maximilian Eppler (CDU) hält das Netz für die sicherste Option und technisch für die einfachste Möglichkeit. „Es lässt sich nicht ausschließen, dass Kinder auf dem Fluchtbalkon verweilen.“ Franz Keller (CDU) hält ein 1,10 Meter hohes Geländer noch störender für den freien Blick der Kinder. „Ich habe nicht den Eindruck, dass man Schüler mit so einem Netz einsperrt“, sagte David Funes (SPD), der trotzdem gegen die Netzlösung stimmte. Für ihn gehe es nicht, dass Lehrer und Eltern das Gefühl hätten, nicht gehört zu werden. Auch für Alexander Reuter (FDP) war für seine Gegenstimme relevant, dass die Akteure das Netz nicht wollen.

Anm.d.Red.: Elternvertreter Martin Bollmann legt Wert auf die Feststellung, dass er die Aussage, dass das Netz wie ein Gitter an einem Gefängnis wirke, nicht getätigt habe. Vielmehr habe er gesagt, dass „das Gitter nicht so schlimm wirkte, wie ich es mir vorgestellt habe, aber auch nicht so unscheinbar, wie es mir von anderen vorgestellt wurde“. Er habe außerdem gesagt, dass das Gefühl eines Hindernis bestehen bleibe, durch das man durchschaue. Der SÜDKURIER bleibt bei seiner Darstellung.

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