Am ersten Prozesstag vor dem Ravensburger Landgericht hat ein 50-jähriger Angeklagter etlich Einbrüche im Raum Oberteuringen zwischen Mai und August 2019 mit der lakonischen Bemerkung eingestanden: „Ich werde es wohl gewesen sein“. Die Brandanschläge auf Mobilfunkanlagen auf dem Ravensburger Hochhaus und in Oberteuringen dagegen bestritt er in einer schriftlichen Erklärung. Und wo die Beute im Wert von über 80.000 Euro aus rund 20 Einbrüchen hinkam, ist bislang ungeklärt. Der wohnsitzlose Mann hauste bis zu seiner Verhaftung am 26. August in einem Wald bei Oberteuringen.

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Brandstiftung mutmaßlich ein Ablenkungsmanöver

Es war eine ganze Litanei von Tatvorwürfen, die Staatsanwältin Monika Herman in der Anklage auflistete. Einbrüche in Privathäuser und Wohnungen in Horgenzell, Friedrichshafen, Markdorf, Deggenhausertal und immer wieder in Oberteuringen. Geld und Schmuck, eine über 100 Jahre alte Taschenuhr, Münzen und ein Karabiner samt Bajonett, und nicht zu vergessen die zwölf Flaschen Schnaps – alles wurde penibel vom Dolmetscher übersetzt. Natürlich auch die Brandstiftung auf dem 13-stöckigen Ravensburger Hochhaus. 200.000 Euro Sachschaden gab es an den Mobilfunkanlagen. Die Staatsanwältin sprach von einem „Ablenkungsmanöver“, denn vom Hochhaus soll der Mann in die Ravensburger Innenstadt geeilt sein, um durch eine Wand ins kostbare Innere eines Juweliergeschäfts zu brechen. Aus dem geplanten großen Coup wurde aber nichts. Die Wand war stärker.

Hälfte des Lebens im Gefängnis verbracht

Der kahlköpfige massige Mann im blauen T-Shirt verfolgt die Anklage äußerlich ungerührt. Und dann erzählt er aus seinem Leben. „Es war schwer“, lässt er übersetzen, ohne Vater und Mutter, die nichts von ihm wissen wollten. Lesen und Schreiben hat er nie richtig gelernt. Seine Kenntnisse in Mathematik, sagt er zu Richter Matthias Geiser, gingen bis zur Zahl eintausend. Und dann rechnet er vor, dass er die Hälfte seines 50-jährigen Lebens im Gefängnis verbracht hat, meist wegen Diebstahl. „Entweder auf der Straße oder im Knast“ resümiert er.

Angeblich einen Mann erschlagen

Dann aber erzählt er Seltsames und Verstörendes über sein Befinden. Seit seiner Jugend sage ihm der Teufel, was er machen solle. Er höre die Stimme und sehe ihn auch. „Und wie sieht der Teufel aus“, will Richter Geiser wissen. „Ein kleiner weißer Mann mit schwarzem Vollbart“, kommt als Übersetzung. In einer offenen Anstalt seiner Heimat soll ihn der Teufel gar gezwungen haben, einen Mann mit einem Stuhl zu erschlagen. Das sei auch passiert.

Sachverständiger sieht Anhaltspunkte für Schizophrenie

Im Gespräch mit dem psychiatrischen Sachverständigen Tobias Hölz kommt zur Sprache, dass der Angeklagte seit seiner Jugend an epileptischen Anfälle leidet und möglicherweise an Schizophrenie erkrankt ist. Rätselhaft bleibt, wie er in Oberteuringen „gestrandet“ ist und übers Internet vielfältige Kontakte in seine Heimat pflegte. Wie schaffte er das alles? Die Antwort: Er habe immer Landsleute getroffen, die ihm behilflich waren. Das führt zu der Frage, wo die Beute im Wert von über 80.000 Euro geblieben ist. Staatsanwältin Herman mag sich dazu nicht äußern. Noch nicht, kann man heraushören.

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