"Hallo, ihr lieben Leut'": Aus voller Brust stimmt Bernhard König seine musikalische Begrüßung an. Sechs Erwachsene und zwei Kinder sind der Einladung der Tourist-Info Oberteuringen zur Apfeltour in Hefigkofen gefolgt. Der singende Obstbauer führt die Gruppe durch seine Obstanlage.

15 Hektar Kernobst baut er an und einen Hektar Süßkirschen. Ein privater Obsthändler nimmt das meiste ab, einen Teil vermarktet König selber und einiges wandert in die hofeigene Brennerei, um zu Destillat zu werden. Bald werden die Erntehelfer aus Polen erwartet, die seit 19 Jahren jedes Jahr zur Unterstützung kommen. Zwei von ihnen helfen außerdem beim Rückschnitt der Bäume.

Zwischen Bäumen voller Äpfel, Zwetschgen und Birnen hindurch führt die Apfeltour.
Zwischen Bäumen voller Äpfel, Zwetschgen und Birnen hindurch führt die Apfeltour. | Bild: Gudrun Schäfer-Burmeister

Schwer hängen die Früchte an ihren Zweigen, die Ernte ist gut in diesem Jahr, trotz der Trockenheit. Bernhard König stellt nicht nur die unterschiedlichen Sorten vor, sondern erklärt auch, mit welchen Mängeln die Äpfel behaftet sind. Ein einziges Mal hat es in dieser Saison gehagelt. Am 15. Mai, dem Tag der "kalten Sophie" fielen feine Hagelkörner und schadeten dem zugewandten Teil der Obstplantage. Der Rest war glücklicherweise nicht betroffen. Einzelne Äpfel litten unter Sonnenbrand, ein paar wenige an der Grenze zum Nachbargrundstück haben Schorf und auch Apfelwickler, Wespen und Ohrenzwicker setzten den süßen Früchten zu und durch die ungewöhnlich große Hitze wurden einzelne Äpfel der Sorte Discovery regelrecht gekocht. Von Reihe zu Reihe führt die Apfeltour.

Zehn bis zwölf Apfelsorten

Ein riesiger alter Kirschbaum der Sorte Nürtinger Riesen breitet seine Äste ausladend bis zum Boden aus, Zwetschgenbäume leuchten tiefblau neben gelben und rotbackigen Äpfeln. Elstar, neben Jonagold der "Brotapfel" der Bodensee-Obstbauern, hat erst in den vergangenen Tagen seine schöne appetitliche Farbe bekommen, denn dazu braucht es kühle Nächte. Zehn bis zwölf Apfelsorten baut König an und viele von ihnen stellt er seinen Gästen in natura, direkt am Baum, vor. Auch der Apfelbaum an sich ist Thema. Welche Unterlage verwendet wird, wie alt die Bäume sind – zwischen drei und 24 Jahre -, wie das Edelreis auf die Unterlage kommt, wann die Ernte beginnt – demnächst, rund zwei Wochen früher als in normaltemperierten Jahren. Und wie viel bringt die Ernte ein? Hoffentlich so viel, dass sich das Aufsammeln lohnt, sagt der Bauer. Alle Fragen werden beantwortet und zwischendrin gibt's ein Stück Obst direkt vom Baum zu kosten.

Abschluss mit Apfel und Apfelsaft (von links): Die Urlaubsgäste aus Horb bzw. Sulz: Conny Asprion, Rebecca und Thilo Strobel, Jürgen Asprion und Obstbauer Bernhard König.
Abschluss mit Apfel und Apfelsaft (von links): Die Urlaubsgäste aus Horb bzw. Sulz: Conny Asprion, Rebecca und Thilo Strobel, Jürgen Asprion und Obstbauer Bernhard König. | Bild: Gudrun Schäfer-Burmeister

König baut sein Obst nach den Maßstäben des integrierten Obstbaus an, was er mit "umweltschonend" übersetzt. Dazu gehört, dass Pflanzenschutz nur nach Schadschwellen angewandt wird sowie unter Schutz von Nährtieren. Seit zwölf Jahren stellt außerdem ein Imker seine Bienenvölker zur Verfügung, damit es mit der Bestäubung klappt. Bernhard König bewirtschaftet den Hof, den er bereits von seinen Eltern übernommen hat. Seine drei Kinder gehen anderen Berufen nach, aber vielleicht besteht in der nächsten Generation Interesse. Zurück auf dem Hof, bekommen alle Gäste ein Glas Apfelsaft und natürlich knackfrische Äpfel.

Auch Einblick ins CA-Lager gibt es und eine Erläuterung, wie welcher Apfel gelagert werden sollte. Zu Hause übrigens am besten im Keller mit einer dünnen Kunststofffolie mit kleinen Löchern über der Kiste.

Ein Ständchen für Konrad Adenauer

Gelernt hat der 76-jährige Bernhard König in Meckenheim bei Bonn. Viele Erinnerungen verbindet er mit seiner Lehrzeit, damals erlebte er zuim Beispiel auch einen Besuch Kennedys 1963 in der damaligen Hauptstadt und den Geburtstag von Konrad Adenauer, zu dessen Ehren er in der Beethovenhalle ein Solo gesungen habe. "Die Waldandacht – das kennen Sie bestimmt alle", sprach's und legte los: "Und morgens wenn die Hähne krähen." So ging die informative und unterhaltsame Apfeltour zu Ende, wie sie begonnen hatte: mit einem Lied auf den Lippen von Bernhard König.

Wer auch in den Genuss von Wissen rund um den Apfel kommen will, sollte sich den 27. September, 18 Uhr, vormerken. Anmeldungen zur Apfeltour bei der Tourist-Info Oberteuringen: tourist-info@oberteuringen.de