Am Freitag kam Rektor Wolfgang Schüssler in einem besonders schicken Hemd zur Teuringer-Tal-Schule. Für die Grundschulkinder im Alter von sechs bis zehn Jahren war klar, was dieser Code zu bedeuten hatte: ein offizieller Anlass stand an. "Etwas nervös" war der Schulleiter an diesem Tag, denn seine eigene Verabschiedung nach siebzehn Jahren Chef- und Pädagogen-Tätigkeit in Oberteuringen wurde feierlich begangen.

Ein besonderer Anlass fordert ein besonderes Hemd. Die Kids finden "ihren" Wolfgang Schüssler so ganz besonders schick.
Ein besonderer Anlass fordert ein besonderes Hemd. Die Kids finden "ihren" Wolfgang Schüssler so ganz besonders schick.

Dass die Kinder bei ihm an erster Stelle standen, brachten sie mit musikalischen und choreografischen Einlagen zum Ausdruck. Dazu musste Wolfgang Schüssler einen Fensterplatz im ersten Stock der Schule einnehmen, von wo aus er die Darbietungen bestens überblicken konnte. "Danke und Goodbye", sangen sie, "alte Schule, altes Haus – du siehst heute anders aus und Herr Schüssler geht zum letzten Mal hinaus." Nicht nur die Zöglinge brachten in ihren Wünschen zum Ausdruck, wie sehr sie den Gefeierten schätzten. Lustig zu sein, attestierten sie ihm, sportlich, witzig, nett, schlau, cool und ein toller Mathelehrer.

Elternbeiratsvorsitzende Ulrike Harder betonte in ihrer Laudatio, dass die Doppelrolle als Schulleiter und Lehrer besonders anspruchsvoll gewesen, jedoch von Schüssler stets im Sinne des Schulmottos "Miteinander – Füreinander" gemeinsam mit dem Kollegium und im Austausch mit "der Anspruchsgruppe Eltern" ausgefüllt worden sei. Als "Pädagoge mit Herzblut" habe er alle Kinder mit ihren speziellen Fähigkeiten wahrgenommen und nie von wilden, sondern von starken Persönlichkeiten gesprochen. Mit dem Hessezitat "Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne", verband sie ihre Zukunftswünsche, denn Wolfgang Schüssler wird ab September ein neues Projekt anpacken, bevor er in vier Jahren in den Ruhestand gehen will, vielleicht mit seinen Bienen auf eine Alp in Graubünden.

Alle Kinder winken Wolfgang Schüssler zum Abschied, der die Darbietungen vom Logenplatz am Fenster genießt.
Alle Kinder winken Wolfgang Schüssler zum Abschied, der die Darbietungen vom Logenplatz am Fenster genießt.

Aber bis dahin gilt sein Einsatz nach wie vor dem Ziel, Kinder wertschätzend auf ihrem Weg zu selbstbewussten Erwachsenen zu begleiten und zu erziehen. In der Pestalozzischule in Friedrichshafen tritt er die Nachfolge von Josef Brugger an. Pfarrer Rainer Baumann zollte dieser Entscheidung seines "lieben Wegbegleiters" Respekt, Bürgermeister Ralf Meßmer hob zudem das besondere und frühe Engagement Schüsslers für gelebte Inklusion in der Grundschule hervor.

Das letzte Wort hatte Wolfgang Schüssler selber. Er unterstrich, dass sein positives Menschenbild ihm zu sehen erlaube, was die Kinder könnten. Er stecke niemanden in Schubladen und bedankte sich bei seinem Kollegium dafür, dass sie diese Pädagogik mitgetragen hätten. Zum Abschied schritt er durch einen mit Sonnenblumen, Schleifen und Herzenswünschen geschmückten Torbogen, ganz wie die Viertklässler in jedem Jahr.