Seit 2009 wächst und gedeiht der Kunstraum Oberteuringen. Auf etwa zwei Kilometern Länge zwischen Unterteuringen und dem Fußballplatz warten Skulpturen und Installationen auf interessierte Spaziergänger. Musikalisch gibt die parallel verlaufende Rotach mit ihrem Plätschern den Ton an und unterstreicht die Beschaulichkeit der Arrangements.

"Kaspar Hauser und sein Mörder" von Alfons Röllinger.
"Kaspar Hauser und sein Mörder" von Alfons Röllinger. | Bild: Gudrun Schäfer-Burmeister

Nicht jedes Werk trifft auf durchweg positive Resonanz, wie das Beispiel der 2017 aufgestellten Figuren "Kaspar Hauser und sein Mörder" von Alfons Röllinger zeigt. Diese erhielten einen anderen Standort, weil Kinder sich fürchteten.

Der Kunstraum wächst: "Kommen & Gehen" von Thomas Linder ist neu geordnet zu sehen.
Der Kunstraum wächst: "Kommen & Gehen" von Thomas Linder ist neu geordnet zu sehen. | Bild: Gudrun Schäfer-Burmeister

Schräg gegenüber von diesen Figuren zieht ein Werk von Thomas Linder aus dem Jahr 2016 den Blick auf sich, das "Kommen & Gehen" heißt und weiß lackierte Holzfischskelette zeigt. Sie liegen dort, als hätte der Fischer vergessen, diese aufzuräumen – was offenbar von Vandalen als Animation verstanden wurde, die Einzelteile in der Rotach schwimmen zu lassen. Längst wurden sie ergänzt und dieses Jahr frisch arrangiert, wie Barbara Kensy-Schneider berichtet, Kuratorin im Kunstraum Oberteuringen und in der Galerie im Kulturhaus Mühle.

Drei neue Kunstwerke als Leihgabe

Dieses Jahr hat die Gemeinde drei neue Kunstwerke als Leihgabe erhalten. Zwei stammen von Bildhauer Alexander Weinmann aus Böhringen. Der "Rotach-Vogel" aus unbehandeltem und damit rostigem Stahl und einem ebenso unbehandelten, silbrig glänzenden Holzbalken reckt seinen Schnabel in Richtung des Flusses. Wenige Meter weiter breitet der sichtbar artverwandte und materialgleiche "Engel" seine Flügel vor dem Kindergarten aus.

"Zwei Mimis beim Windspiel" von Mirko Siakkou-Flodin.
"Zwei Mimis beim Windspiel" von Mirko Siakkou-Flodin. | Bild: Gudrun Schäfer-Burmeister

Im Pfarrgarten vor dem ehemaligen Schwesternhaus, in welchem vor Jahrzehnten die katholische Kinderschule untergebracht war, steht die dritte Skulptur, die 2018 neu hinzukam. "Zwei Mimis beim Windspiel" von Mirko Siakkou-Flodin heißen die beiden an eine Synthese aus Giacometti und Tinguely erinnernden beweglichen Windspielfiguren, zu denen der Künstler von Felsmalereien australischer Ureinwohner inspiriert wurde.

"Zwei Mimis beim Windspiel" von Mirko Siakkou-Flodin.
"Zwei Mimis beim Windspiel" von Mirko Siakkou-Flodin. | Bild: Gudrun Schäfer-Burmeister

Von 23. September bis 14. Oktober bietet die Galerie im Kulturhaus Mühle Gelegenheit, auch andere Werke der Kunstschaffenden kennenzulernen, die im Kunstraum 2018 vertreten sind. Bei der Vernissage am Sonntag, 23. September, um 14 Uhr werden einige persönlich anwesend sein, musikalisch gestaltet wird die Veranstaltung vom vielseitigen Künstler Thomas Linder. Nicht nur der jährlich aktualisierte Flyer des Kunstraums Oberteuringen 2018/2019 wird dann bereitliegen; gerade laufen die letzten Lektorats- und Layout-Arbeiten an einer Broschüre zu einer Installation des Kunstraums, die eine besondere Bedeutung hat.

Der Engpass und seine Beobachter

"Engpass" heißt die brückenförmige Metalltreppe in Blau und Weiß, die zum Begehen einlädt und oben schmäler wird, aber den Blick über die Landschaft weitet. Sie wurde von der Gemeinde Oberteuringen beim spanischen Bildhauer Tom Carr in Auftrag gegeben und 2010 am Kirchweg zwischen Unter- und Oberteuringen an der Rotach auf einer Wiese aufgestellt, unter der sich ein Regenüberlaufbecken der gemeindeeigenen Kläranlage befindet. Dies erklärt die Gitter und Schächte sowie die aus dem Erdboden ragenden fühlerähnlichen Rohre.

Acht Beobachter seit 2014

Um das Gelände herum wurden 2014 acht farbige Metallsilhouetten platziert, die "Beobachter." Manche stehen alleine, andere zu zweit oder in Gruppen, das hängt auch vom Betrachtungswinkel ab.

Drei der acht "Beobachter."Es sind (von links, Künstler in Klammern) Blowing Away Touch Me (Mirko Siakkou-Flodin), Hugo von Nebanan (Dorle Ferber, Michael Kussl) und Miss Bubble (Paul Silberberg).
Drei der acht "Beobachter."Es sind (von links, Künstler in Klammern) Blowing Away Touch Me (Mirko Siakkou-Flodin), Hugo von Nebanan (Dorle Ferber, Michael Kussl) und Miss Bubble (Paul Silberberg). | Bild: Gudrun Schäfer-Burmeister

Konzipiert wurden die vier weiblich und vier männlich anmutenden Figuren von Barbara Kensy-Schneider und ihrer Tochter Angela Verena Schneider. Die abschließende farbliche Gestaltung erfolgte durch verschiedene Künstler aus der Region nach eigenen Entwürfen. Die Skulpturengruppe im Kunstraum Oberteuringen ist ein Element im Bodenseekulturraum und Teil des Oberschwabenkunstwegs.

Neue Broschüre für Interessierte

Mit der neuen Broschüre wird Interessierten eine Informationsmöglichkeit gegeben, die das Arrangement aus Engpass und Beobachtern in Oberteuringen erläutert und die einzelnen Elemente auch als Einzelkunstwerke vorstellt.