Sie geben nochmals alles, und das bei den besten Songs, die sich in 17 Jahren Bandgeschichte angesammelt haben: Die Shakin' Bones spielen in der Mühle ihr Abschiedskonzert. Dass es dabei schon mal raunzt und rumpelt, hat nichts mit fehlenden Spielfähigkeiten zu tun, sondern mit der angeblich arg betagten Technik: „Unser Equipment ist fast so alt wie wir“, erklärt Jürgen Sprenger scherzend dem Publikum in der Mühle, die „ihre“ Band noch mal live erleben will – mit allem was soult, rollt, bluest und funkt.

Der Funke springt denn auch schon bei den ersten Stücken über, die die Band in Tuchfühlung mit ihren Freunden, Fans und Familienmitgliedern zum Besten gibt – und zwar unplugged. Der Mitklatsch-Gospel „Lean on me“ von Bill Withers ist nur mit Gitarre, Bass und Cajon ja noch hinzukriegen, und auch „You've got a friend“ – von Carmen Denzler mit besonderer Wärme gesungen – stellt in dieser Besetzung keine größere Herausforderung dar. Sich dann aber an das dichte und vielschichtige „Love the one you're with“ von Stephen Stills heranzuwagen, ist ein Wagnis – doch es gelingt mit Bravour, und die siebenköpfige Männerkombo plus Frontfrau geben dem Song durch die Reduktion auch noch ihr eigenes Profil. Diese Umarbeitung bekannter Songklassiker gelingt den Shakin' Bones in der mitgroovenden Mühe immer wieder. Manchmal liegt die Innovation dabei in der Quersumme, wie bei „Proud Mary“.

Da trifft die Gitarrenlinie aus dem Original von CCR auf den Abrock-Soul von Ike und Tina Turner. Der Bleichgesicht-Rock „Summer in the City“ von Lovin' Spoonful wird dagegen tüchtig eingeschwärzt und klingt wesentlich souliger als es selbst einem Wilson Pickett einst mit „Born to be wild“ gelang. Bei „Long train running“ von den Doobie Brothers spitzt man erst recht die Ohren: die Band setzt hier auf Hochglanz-Bläsersätze, die auch von Earth, Wind & Fire stammen könnten. Aber es geht nicht darum, im Altbewährten Neuerungen über Knie zu brechen – bestmögliche Unterhaltung ist das Ziel. Das gelingt auch mit einer eher selten gespielten Nummer: „Georgy Porgy“ von Toto, mit seinem leichten Barjazz-Einschlag und viel Blue Eyed Soul. Auch mit „Street life“ bewegt sich die Band im Gediegenen, und Carmen Denzler schwimmt sich mühelos vom Vergleich mit Randy Crawford frei. Mit „Hip to be square” von Huey Lewis löst die Band die allerletzte Spaßbremse, lässt vergessen, dass der Song schon 30 Jahre auf dem Buckel hat und demonstriert, dass damals immer noch die besten Partys gefeiert wurden.

Wenn sich die Shakin' Bones nun auflösen, dann bestimmt nicht, weil die Chemie nicht mehr stimmt. Von Anspannung fehlt jede Spur – die Lässigkeit der Bandmitglieder geht sogar so weit, dass es Roland Scherer gelingt, mit Kaugummi im Mund Trompete zu spielen. Lässig ist insbesondere im zweiten Teil die Bühnengarderobe: Schlaghosen in der Optik psychedelischer Tapetenmuster, ein Glitzerhemd, das Discokugel spielt, sowie eine Tigerfell-Weste demonstrieren, dass es den Shakin' Bones immer nur ums Vergnügen ging. Kein Wunder, dass Roland Scherer über die Stränge schlägt: „I like to wear my girlfriend's underwear“, singt er, entledigt sich zum markigen Ulk-Blues der Band seines Glitzerhemds und zeigt schwarze Spitzenware, die zum Feinsten gehört haben muss, ehe sie sich ihm ums Kreuz spannte. Die Freundin dürfte er nach diesem Frevel los sein.

Die Band legt immer noch eine Schippe drauf: Carmen Denzler schnappt sich mit druckvoller Röhre den Disco-Kracher „Hot Stuff“, den die Band zu einem Crossover aus Soul und Rock umbaut; mit „Land of 1000 Dances“ packen die Shakin' Bones zielsicher jenen Soulsong, dessen „Nanana“-Gesänge einen gewissen Les Humphries zu manchem Mitklatsch-Hit inspiriert haben dürfte. Mit dem Brachialfunk „Play that funky music“ neigt sich die letzte Shakin' Bones-Konzertparty dem Ende entgegen. Man schüttelt sich ein letztes Mal in Hochachtung.