"Gut angekommen" sei er inzwischen in seinem Amt, sagt Oberteuringens Bürgermeister Ralf Meßmer. Nicht überraschend, sind die üblichen 100 Tage Karenz doch schon lange vorüber. Ein halbes Jahr ist der Nachfolger von Karl-Heinz Beck nun Rathauschef in der Rotachgemeinde. Just an seinem hundertsten Tag sei er erst einmal befreit worden, schmunzelt Meßmer, von den Narren am Schmotzigen Dunschdig. Seither hat er sich nicht nur eingearbeitet, sondern auch bereits kräftig an Stellschrauben gedreht.

Bürgermeister Ralf Meßmer. Bild: Katy Cuko
Bürgermeister Ralf Meßmer. Bild: Katy Cuko

Oberteuringens Gegenwart wird von zwei Großprojekten geprägt: Dem Wohn- und Dienstleistungsareal Lebensraum Campus, an dessen 14 Millionen Euro Gesamtkosten die Gemeinde rund fünf Millionen schultern muss, und dem geplanten Schulumbau der Teuringer-Tal-Schule, der zuletzt auf sieben Millionen Euro taxiert wurde. Beide Vorhaben werden die Entwicklung der Gemeinde auf Jahre hinaus prägen – und auch deren Finanzen binden. Dessen ist sich Meßmer durchaus bewusst. Das Schulvorhaben, das von Planungsschritt zu Planungsschritt teurer wurde, ließ er nun auf den Prüfstand stellen. Erst wenn im Sommer der neue Rektor kommt, die Personalie steht noch nicht fest, sollen die nächsten Schritte unternommen und das Raumprogramm nochmals aufgeschnürt werden. "Es ist ein sensibles Thema, bei dem wir das richtige Maß finden müssen", sagt Meßmer. "Von der Kostenentwicklung waren wir alle überrascht." Der langjährige Rektor Wolfgang Schüssler wechselt zum neuen Schuljahr an die Häfler Pestalozzischule. Ob sein Abgang mit dem vorläufigen Stopp der Schulpläne zusammenhängt, diese Frage möchte Meßmer nicht kommentieren. Fakt ist zumindest, dass sich Schüssler für diesen ambitionierten Umbau stark gemacht hatte.

Angesichts der aktuellen und künftigen Großbaustellen soll 2018 ein Zwischenjahr werden. Die Investitionen sind im Vergleich zu den Vorjahren überschaubar (siehe Infotext unten). "Ordnen und Prioritäten setzen" stünden laut Meßmer an erster Stelle der Agenda. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Gemeindeentwicklungskonzept (GEK) 2035, das gemeinsam mit dem Gemeinderat und einem Fachbüro erarbeitet werden und bis Ende des Jahres stehen soll. Die Bürger wurden über einen Fragebogen im Amtsblatt bereits dazu befragt, der Gemeinderat soll Mitte Juni dazu in Klausur gehen. Später im Jahr werde es dazu auch eine öffentliche Bürgerinformationsveranstaltung geben, kündigt Meßmer an. In dem Konzept sollen dann die wichtigsten Ziele der Gemeinde für die kommenden Jahre festgeschrieben werden.

Der Dorfkern mit Kirche, Pfarrhaus, Rathaus und Wirtschaft ist die "alte" Oberteuringer Mitte. Die "neue Mitte" verlagert sich hin zu den Naubaugebieten Bachäcker und Pfaffenberg. Bild: Helmar Grupp
Der Dorfkern mit Kirche, Pfarrhaus, Rathaus und Wirtschaft ist die "alte" Oberteuringer Mitte. Die "neue Mitte" verlagert sich hin zu den Naubaugebieten Bachäcker und Pfaffenberg. | Bild: Helmar Grupp

Dazu zählen vor allem die bauliche Entwicklung und das Thema Breitband. Jeweils 70 Bauplätze wurden jüngst erschlossen, in den Neubaugebieten Pfaffenberg und Bachäcker. Nun muss auch die Infrastruktur weiter ausgebaut werden, deshalb wird es im Campus-Neubau "Am Teuringer" nun auch einen dritten Kindergarten für die Gemeinde geben. Das alles kostet Geld, auch Personalkosten. Die machen bereits ein knappes Drittel des gesamten Haushaltsvolumens aus. Nicht verwunderlich, dass es so auch Stimmen gibt, die zur Mäßigung aufrufen. In seinen Gesprächen mit den Bürgern spüre er durchaus die Wünsche, die Dinge nun ein wenig langsamer angehen zu lassen, sagt Meßmer. In den nächsten fünf Jahren sollen deshalb nur noch rund zehn kleinere Bauplätze ausgewiesen werden, erst danach könnte mit den im Flächennutzungsplan beantragten größeren Baugebieten um die Lohmener Straße, am Raiffeisenmarkt und Richtung Unterteuringen wieder eine stärkere bauliche Entwicklung ansetzen.

Die neuen Pläne für den Schulumbau sollen Ende des Jahres entscheidungsreif sein.
Die Teuringer Grundschule soll umgebaut und erweitert werden. Sukzessive erhöhte sich die Kostenschätzung auf zuletzt 7 Millionen Euro. Bürgermeister Ralf Meßmer hat nun die Reißleine gezogen. Das gesamte Vorhaben wird nochmals auf den Prüfstand gestellt. | Bild: Helmar Grupp

 

Fakten und Infos zur Gemeinde

Der Bürgermeister: Ralf Meßmer (43), parteilos, ist seit September 2017 als Nachfolger des langjährigen Bürgermeisters Karl-Heinz Beck Rathauschef in Oberteuringen. Meßmer hatte sich im ersten Wahlgang mit 65,1 % der Stimmen gegen Reinhard Friedel durchgesetzt. Meßmer ist Diplom-Verwaltungswirt (FH Kehl), war zuvor 17 Jahre lang Kämmerer der Gemeinde Horgenzell (Kreis Ravensburg) und hat mit seiner Ehefrau Sabine zwei Kinder im Schulalter.

Die Gemeinde: Oberteuringen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und zählt heute 4875 Einwohner (Stand Dezember 2017). Die Gemeinde bildet mit den Nachbarkommunen Markdorf, Bermatingen und Deggenhausertal den Gemeindeverwaltungsverband (GVV) Markdorf und teilt sich mit ihnen auch den GVV-Flächennutzungsplan, der die bauliche Entwicklung der vier Gemeinden festschreibt.

Der Haushalt: Der Haushalt 2018 hat ein Gesamtvolumen von rund 11,5 Millionen. Auf den Verwaltungshaushalt entfallen 10,5 Mio., auf den Vermögenshaushalt rund eine Million (2017: 4 Mio., 2016: 7 Mio., 2015: 16 Mio.). Mit Abstand größter Posten im Verwaltungshaushalt sind die Personalkosten mit rund 3,1 Mio. Euro. Größte Investitionen in 2018: Grunderwerb 240000 Euro Feuerwehrfahrzeug 220000 Euro, Planung Tal-Schule 200000 Euro, 200000 Euro Breitband. Die 200000 Euro-Rate fürs Breitband würde Meßmer nach eigener Aussage künftig gerne jährlich einstellen.