Es schien ein neuer Pächter schon in Sicht zu sein – jetzt beginnt die Suche von vorne. Bereits zu Jahresbeginn hatten Norbert und Susanne Finke ihren Abschied von der "Post" in Oberteuringen bis Weihnachten 2018 publik gemacht. Der Pachtvertrag mit der Gemeinde Oberteuringen, in deren Hand sich die Traditionsgaststätte befindet, ist gekündigt.

"Langsam macht sich Ernüchterung breit", sagt Oberteuringens Bürgermeister Ralf Meßmer. Nach zwölf Bewerbungen sei man zunächst sehr optimistisch und zuversichtlich gewesen, bis zum kommenden Frühjahr einen neuen Pächter für Gasthof gefunden zu haben. Nachdem im Gemeinderat die jeweiligen Konzepte vorgestellt und erörtert wurden, hat nun ein Bewerber nach dem anderen wieder abgesagt.

"Es waren ein paar wirklich vielversprechende Konzepte dabei", sagt Ralf Meßmer. Mehrheitlicher Grund des Scheiterns sei letzten Endes die immer lauter werdenden Sorge gewesen: Findet sich ausreichend Personal? Eine Sorge, die offenbar berechtigt ist. Denn auch die bisherigen Pächter Norbert und Susanne Finke hatten damit zu kämpfen, was für die Pächter schließlich den Ausschlag gab, "Die Post" nach zehn Jahren zu verlassen. Für einige Interessenten hätten auch die die Räumlichkeiten nicht zu ihrem Konzept gepasst, sagt Meßmer. "Natürlich muss das ganze Paket für den Einzelnen passen." Und wenn das nicht zum entsprechenden Konzept eines Betreibers passt, dann kommt das einfach nicht in Frage." Es sei eben eine Kombination aus Vorhaben, Raumaufteilung, Ambiente und nicht zuletzt dem persönlichen und subjektiven Wohlfühlfaktor.

"Das Restaurant hat einen hervorragenden Ruf und ist für die Gemeinde ein echtes Vorzeigeobjekt", betont Meßmer den Erfolg und die Beliebtheit des Gasthofs. So lägen der Gemeinde bereits zahllose Buchungen für 2019 vor, wie etwa Familienfeiern, Hochzeiten, Kommunionen, die nun leider nicht bearbeitet werden können, da die Zukunft der Post ungewiss sei.

Der Überlegung, dass ein Neubeginn unter einem anderen Pächter durchaus mit einem modifizierten Konzept angegangen werden könnte, steht die Gemeinde aufgeschlossen gegenüber. "Man wäre durchaus auch bereit, einige Investitionen zu tätigen", sagt Meßmer. "Alles im Rahmen natürlich. Aber das ist uns schon viel wert."

Nun geht in der Gemeinde Oberteuringen die Angst um, dass es mit der "Post" für immer vorbei ist und die Gaststätte ganz verschwindet. "Noch fehlt uns ein Plan B", gibt Oberteuringens Bürgermeister zu. "Es schien anfangs ein Leichtes zu sein, die Post am Leben zu erhalten." Ein weiterer Leerstand sei nicht nur für die Gemeinde, sondern für die ganze Region fatal.

Von einer "sehr fairen" Pacht und einem Entgegenkommen, was eventuelle Veränderungen betrifft, spricht der Bürgermeister. Denn auch für die Kommune sei die Gaststätte dank ihres großen Saales von großer Bedeutung. Viele Veranstaltungen übers Jahr finden hier statt. Was wäre, wenn die Türen für immer geschlossen blieben? "So weit denken wir noch nicht", sagt Ralf Meßmer. "Aber langsam sollten wir uns auch darüber Gedanken machen." Jetzt wird "Die Post" noch einmal neu ausgeschrieben. Meßmer hofft und vertraut darauf, dass sich weitere Interessenten melden, denn "diesen Super-Ruf, den die Post hat, kommt jedem neuen Betreiber zu Gute". Denn mit der Post, so der Bürgermeister, hätten Norbert und Susanne Finke einen stilvollen Rahmen und einen ebenso renommierten Namen geschaffen, den es nun weiterzuführen gelte.