Ihre Bilder besitzen eine intensive Leuchtkraft, obwohl sie ohne knallige Farben auskommen. Ganz so, als ströme die Charakteristik des eingefangenen Augenblicks aus ihnen heraus.

Zahlreiche Besucher kamen am Sonntag zur Vernissage in die Mühle nach Oberteuringen. „Linie trifft Farbe” heißt die aktuelle Ausstellung von Barbara Kensy-Schneider, die bis zum 17. Juli zum Verweilen und Genießen, Betrachten und Wiedererkennen einlädt.

Dinkelsbühl, Schwäbisch Hall, Riedlingen, Erfurt, Amberg und Brixen sind nur einige Orte, die den Ausstellungsbesuchern hier begegnen. Die Bilder zeigen deutlich, dass ihre Schöpferin Architektin ist. „Ich liebe die Häuser, die Landschaft, die die Häuser trägt, alte und neue, auch Baustellen”, unterstrich die Künstlerin zur Eröffnung. Menschen finden sich nur selten auf ihren Bildern. „Ich brauche die Ruhe in den Bildern, obwohl ich ein sehr geselliger Mensch bin.” Zudem leben ihre Häuser, von Menschen entworfen, erbaut und bewohnt. Ihre Bilder sind kein fotografisches Abbild der Orte, Straßen, Plätze und Häuser. Die Farben entsprechen nicht dem Original, sondern speisen sich aus der Erinnerung an den Ort und persönlichen Empfindungen.

Im Freien – direkt vor dem Original – entsteht zuerst die Zeichenlinie. Mit dieser dünnen Linie, gezeichnet mit wasserfestem Stift, hält die Künstlerin, beeinflusst von ihrer Stimmung, das Wichtigste fest, „das Typische, das Beeindruckende eines Details, die Bewegung einer Landschaft, das grafische Gesamtbild oder nur Silhouetten”. Dabei gilt: reduzieren und vereinfachen. Die Farbkomposition entsteht später im Atelier in mehreren Lasurschichten, zuerst die hellen, dann die dunklen. Details betont sie mit Farbflächen, verdichtet Schatten und setzt Schwerpunkte. „Die Zeichnung tritt in den Hintergrund und lässt der Farbe Raum, lässt der eigenen Fantasie Raum.” So entsteht über den Trocknungsprozess und Zwischenergebnisse hinweg ein Bild in Aquarell-Mischtechnik, „bei dem meist die Farbe dominiert – weiche Farbflächen mit vielen Zwischentönen und Strukturen – und die Zeichnung das Gerüst bildet”. Die Linie ist Kensy-Schneiders persönliche Zeichenschrift und die Farbe ihre Malschrift. Sowohl beim Zeichnen als auch beim Malen greift sie auf jahrzehntelange Erfahrung und Übung zurück „Ich male seit vierzig Jahren Aquarell und weiß, wie welcher Effekt erzielt wird, welches Papier ich brauche.”

Neu in der Ausstellung sind zahlreiche allseitig bemalte Würfel, für die ausdrücklich gilt: Bitte anfassen, drehen und alle sechs Seiten betrachten! Der Bild Kubus aus Holz in Acryltechnik ist das neueste Projekt der Künstlerin. Das Bild einer Stadt oder Landschaft wird auf die sechs Seiten eines Würfels übersetzt. In der dritten Dimension denken und malen fasziniert die Oberteuringerin und eröffnet dem Betrachter immer neue Perspektiven.

Ihre Ideen und Anregungen holt sich Barbara Kensy-Schneider auf Reisen. Im Familienurlaub tritt sie mit Block und Stift bewaffnet in Wettstreit mit den Digitalkameras der übrigen Familienmitglieder. Seit 33 Jahren ist sie zusammen mit Gleichgesinnten zweimal pro Jahr auf Architektenzeichenexkursionen im In- und Ausland unterwegs. Der Bregenzer Wald inspiriert sie dabei ebenso wie die malerischen Bergdörfer in Südfrankreich.

Die Ausstellung in der Mühle Oberteuringen dauert bis Sonntag, 17. Juli. Geöffnet ist sie sonntags von 14 bis 18 Uhr und während der Kulturveranstaltungen.