Eine interkulturelle Begegnung der besonderen Art findet am Sonntag, 29. Oktober, in Oberteuringen statt. Im Mittelpunkt soll Musik als verbindendes Element aller Kulturen stehen. Etwa 53 Geflüchtete leben derzeit in Oberteuringen in der Gemeinschafts-, 45 in der Anschlussunterkunft. Menschen aus Afrika, Iraker, Kurden, Syrer und Afghanen. "Wenn Menschen in die Anschlussunterkünfte ziehen, verlieren sie in den meisten Fällen den Kontakt zueinander", sagt Renate Hold. Alleinstehende, schwarzafrikanische Männer und arabische Familien mit Kindern hätten ohnehin keine Berührungspunkte. Die Koordinatorin des Helferkreises Flucht und Asyl beobachtet zudem, wie der irakisch-kurdische Konflikt und besonders die Rückeroberung von Kirkuk durch die irakischen Streitkräfte in die Unterkünfte getragen wird und die Schicksalsgemeinschaft spaltet. "Was uns aber alle miteinander verbindet", sagt sie, "ist die Musik."

Ein Projekt, bei dem alle gemeinsam Musik machen, einen gemeinsamen Klang erzeugen, als gelebte Integration, das konnten sich auch die Mitglieder des Helferkreises als großes gemeinsames Projekt vorstellen und haben einfache Rhythmusinstrumente wie Trommeln und Rasseln angeschafft. Pate stand für die Idee das Tübinger Projekt "Folklang", ein interkulturelles Orchester mit bis zu 70 Musikern aus den verschiedensten Kulturkreisen, die im Raum Tübingen leben. Das Projekt ist offen für jeden, gleich welchen Alters oder Herkunft und ermöglicht niederschwellig über das gemeinsame Musizieren sprachliche und kulturelle Barrieren zu überwinden.

Für die Oberteuringer Veranstaltung konnten die Organisatoren vier Musiker des seit 2014 erfolgreich agierenden Vereins gewinnen. Ins Gemeindehaus kommen neben dem musikalischen Teamleiter Christoph Schoenbeck, der Bass und Gitarre spielen wird, Jonas Leuther als Perkussionist und der Iraner Nima Noury mit seiner Tar, einer Langhalslaute, sowie Ahmad Almir aus Syrien mit seiner arabischen Laute, der Oud. Wie bei einer Jamsession werden sie mit populären Hits aus dem arabisch-persisch-kurdischen Raum den roten Faden vorgeben. Die Gäste können sich, ganz nach Belieben, mit Gesang, eigenen Instrumenten oder geliehenen Rhythmusinstrumenten einbringen oder auch nur zuhören. Zuvor werden die Texte ins Deutsche übersetzt. "Sie haben eine wunderschöne poetische Bildsprache", findet Annika Taube, Inklusionsbeauftragte in Oberteuringen, die das Projekt koordiniert und sich im Helferkreis auch bürgerschaftlich engagiert. Alles ist spontan, nichts eingeübt und auch für die vier Musiker ein neues Format – ein Experiment, abgerundet durch ein interkulturelles Mitbring-Büfett. Neben bürgerschaflichem Engagement wird das Projekt durch Fördermittel des Amts für Migration und Integration des Bodenseekreis ermöglicht.

Die Veranstaltung

Die interkulturelle Musik-Veranstaltung findet am Sonntag, 29. Oktober, um 14.30 Uhr im katholischen Gemeindehaus St. Martinus in Oberteuringen statt. Eingeladen sind alle Bürger, Mitglieder des Oberteuringer Asyl-Helferkreises und des Musikvereins. Musikinstrumente und ein kulinarischer Beitrag zum Mitbring-Büfett sind sind willkommen. Für Getränke ist gesorgt, Kinder können vor Ort betreut werden.