"Ich bin ein Liedermacher, der Schnaps brennt, ein Schnapsbrenner, der mauert, ein Maurer, der nagelt, ein Zimmermann, der Landwirtschaft betreibt, ein Bauer, der malt, ein Maler, der dichtet, ein Dichter, der Musik macht, ein Musiker, der Holz fällt, ein Holzfäller, der Skulpturen schneidet." Mit diesen Worten beschreibt Thomas Linder aus Amtzell sich und sein vielfältiges Tun. Barbara Kensy-Schneider freut sich, den westallgäuer Künstler in der ersten Ausstellung des Herbstsemesters im Kulturhaus Mühle in Oberteuringen zu präsentieren, zumal auch der Oberteuringer Kunstraum an der Rotach seit Kurzem durch Linders Skulpturen in Form von Holzfischen bereichert wird.

Thomas Linder selbst gewinnt das Nachmittagspublikum mit seiner sympathischen, unverstellten Art, die am besten mit dem modisch etwas strapazierten Begriff "authentisch" beschrieben werden kann, obwohl ein Modewort gar nicht zu ihm zu passen scheint. Er lebt und arbeitet auf seinem 500 Jahre alten Einödhof, auf dem er sich als "Sammler von Mosaiken" all jener sieht, die vor ihm "darin geschafft haben." Die Oberteuringer Ausstellung hat er "Querbeet" betitelt, weil sie einen Querschnitt seines Schaffens zeigt. Er scheut den Begriff "Werkphasen" als hochtrabendes Wort und stellt sich erst dann zu seinen Bildern, nachdem er das erste Lied gesungen hat. "Ich bin hier als verschiedene Personen gleichzeitig, sonst weiß ich nicht, wer ich bin." Mit Cister und Mundharmonika begleitet er sich selbst: "I spiel und sing, i bin a Landschaft."

Rhythmus und Landschaft zeigen sich auch in seinen Bildern und Skulpturen. Er erkennt sie in allem Lebendigen und gibt sie in seinem Schaffen wieder.

Unter den Bildern sind solche, die aussehen wie Mondlandschaften, Baumrinden, Gesteinsschnitte oder Algenverästelungen unter der Wasseroberfläche. Oder zeigt eines einen Fisch? In keinem Fall zeigen sie Natur, allenfalls künstliche Landschaften. Linder malt mit Acrylfarben auf Ölfarben, die beim Trocknen Risse bilden. Über Jahre liegen die Bilder bei ihm, immer wieder schaut er sie an, arbeitet weiter an ihnen. "So wachsen sie langsam in die Höh, bis ich das Gefühl hab, dass sie fertig sind."

Andere Bilder enthalten das, "was der Opa im Gespräch gesagt hat", wie zum Beispiel das Großformatige "Dr Deifl im Stall", das aus genau diesem Schriftzug besteht, der in stetigem Auf und Ab verschiedenfarbiger Buchstaben wiederholt wird, wodurch ein neuer Rhythmus und wieder eine andere Art von Landschaft entsteht.

Auf den ersten Blick zweidimensional wirkende Bilder entfalten beim genaueren Hinsehen eine Art Vexierbild. Weil er das Gefühl hatte, die Zeit rinne ihm davon, projizierte Linder zwei Dias übereinander und kolorierte die darin erkennbaren geometrischen Flächen so, dass nie zwei gleiche Farben nebeneinander liegen. Dadurch entstanden freie Ornamente, zwischen denen das Auge hin und herspringen muss, um die ursprünglichen Motive wie die drei Marmeladengläser und den Holzstapel zu erkennen.

In jüngster Zeit widmet Linder sich eher der Bildhauerei. Mit der Motorsäge schnitzt er "Hexentreppen" aus Holzstämmen, die anmuten wie die Wirbelsäule eines Tieres und die gleichzeitig ihre Vorbilder aus filigran ineinander gefalteten Papierstreifen erkennen lassen.

"Noch ein Lied oder zwei?" Dies und ein feines Liebesgedicht über einen, der an ein Mädle denkt, das er lieb hat, werden vom Publikum gerne angenommen.

Kaum im Oberteuringer Kunstraum an der Rotach installiert, wurden ein paar der Holzfische von Thomas Linder von Unbekannten ins Wasser geworfen oder beschädigt. Einem wurden Kopf und Schwanz abgesägt und der übrige Teil zum Opfer eines Grillversuchs. Die Männer des Bauhofs konnten die Fische trocken legen, aber leider sind es jetzt nur noch elfeinhalb statt 14 Fische.

Es ist kaum anzunehmen, dass es sich dabei um eine Fluxus-Aktion wie bei jener Kreuzworträtsel-Kunst einer Seniorin in Nürnberg handelt. Vielmehr liegt die Vermutung nahe, dass die Holzfische Opfer von Vandalismus wurden oder jemand sich einen üblen Scherz erlaubt hat.

Die Ausstellung "Querbeet" in der "Mühle" ist noch bis 8. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten: sonntags von 14 bis 18 Uhr und während der Kulturveranstaltungen. Der Eintritt ist frei.