Oberteuringen – "Das tut schon gut!": So kommentierte gleichermaßen erleichtert wie erfreut Gerhard Janke das einstimmige Votum für die Fusion. Alle 253 anwesenden Mitglieder der Raiffeisenbank Oberteuringen hatten sich am Montagabend in der Teuringer "Post" für den von den beiden Geldhäusern gewünschten Zusammenschluss der Raiffeisenbank mit der Genossenschaftsbank Meckenbeuren ausgesprochen. Janke, Vorstandssprecher der Raiffeisenbank, hatte vor der Abstimmung nochmals über die geplante Fusion informiert und für sie geworben. Damit werden beide Banken nun die Vereinigung vollziehen, rückwirkend zum 1. Januar 2018. In Meckenbeuren hatten die Mitglieder bereits in der vorigen Woche für den Zusammenschluss votiert.

Oberteuringen übernimmt Meckenbeuren

Die Raiffeisenbank als das größere Geldhaus ist die übernehmende Bank, was sich auch im künftigen Namen widerspiegelt: Raiffeisenbank Oberteuringen-Meckenbeuren wird das neue Institut heißen. Vorstandssprecher wird Janke sein, der fünfköpfige Vorstand wird aus den bisherigen drei Oberteuringer und zwei Meckenbeurener Vorständen gebildet werden. In seinem Plädoyer für die Fusion verwies Janke auf die positiven Rückmeldungen aus der eigenen Belegschaft wie auch von den Mitgliedern: Von beiden Seiten seien im Vorfeld zustimmende Signale gekommen.

Ziel: Exisztenz nachhaltig sichern

Vor allem für kleine Geldhäuser werde das Marktumfeld immer schwieriger, davon seien auch die Genossenschaftsbanken nicht ausgenommen, so Janke: "Wir wollen aber unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern und unsere Existenz nachhaltig sichern." Dies sei das klare Ziel der Fusion. Die neue Bank wird in Kundenvolumen und Bilanzsumme nahezu doppelt so groß sein wie die bisherige Raiffeisenbank.

Karl-Heinz Beck: "Historische Versammlung"

Von einer "historischen" Versammlung für die Teuringer Raiffeisenbank sprach Aufsichtsratsvorsitzender Karl-Heinz Beck in seiner Begrüßung. Beide Häuser hätten sich seit geraumer Zeit "beschnuppert" und geprüft. Ein "kräftiges Ja" aus Meckenbeuren habe es ja bereits gegeben. Aufsichtsrat und Vorstand hätten sich intensiv mit dem Fusionsthema auseinandergesetzt.

Emotionaler Abschied

Fast ein wenig emotional wurde es, als es ans Verabschieden ging: Beck musste nach 30 Jahren im Kontrollgremium sein Amt abgeben, Vorstandsmitglied Robert Thomalla geht zum 30. Juni nach gar 37 Vorstandsjahren in den Ruhestand. Während Beck bekannte, es sei ihm eine Ehre gewesen, an der erfolgreichen Entwicklung der Bank mitwirken dürfen zu haben, aber ohne Wehmut gehe, trat Thomalla sichtlich bewegt ans Mikrofon: "42 Jahre im Flug vorbei", sagte er im Rückblick auf sein gesamtes Raiffeisenbank-Berufsleben. Mit Dankbarkeit blicke er auf die gute Zusammenarbeit im Vorstand, aber auch mit den Kunden zurück. Beide wurden von Monika van Beek, Verbandsdirektorin des Landes-Genossenschaftsverbandes, mit der Raiffeisen-Schulze-Delitzsch-Medaille in Gold ausgezeichnet. Einstimmig wurde Bürgermeister Ralf Meßmer zum Nachfolger von Beck gewählt.

Der künftige Vorstand der Raiffeisenbank Oberteuringen-Meckenbeuren (v.l.): Robert Stephan, Ralf Ibele, Robert Thomalla, Gerhard Janke und Dieter Wild. Bild: Helmar Grupp
Der künftige Vorstand der Raiffeisenbank Oberteuringen-Meckenbeuren (v.l.): Robert Stephan, Ralf Ibele, Robert Thomalla, Gerhard Janke und Dieter Wild. | Bild: Helmar Grupp

Die digitale Herausforderung

Über die laufenden Geschäfte der Bank berichtete Janke. Großen Herausforderungen stehe man mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung gegenüber. "Auch unsere Bank muss Antworten auf diese Entwicklung finden", sagte er. Das Problem: Der Trend zum Online-Banking wirkt sich negativ auf das Filialgeschäft aus und ist selbst kein Erlösbringer. "Unsere Besonderheit, das Kümmern, ins Internet zu übertragen, ist die nächste Stufe", kündigte er an. Aktuell sei man die einzige Ortsbank, die noch ein kostenloses Online-Gehaltskonto anbiete. Ob man dieses kostenlose Angebot aufrecht erhalten könne, werde die Zukunft zeigen.

Harte Kritik an Regulatorien der Politik

Die seit der Finanzkrise ausgeweiteten Bankenregulatorien kritisierte Janke scharf. Volks- und Raiffeisenbanken würden kein Systemrisiko darstellen, aber dennoch in die selbe Pflicht genommen wie börsennotierte Banken. Vor allem für kleine Institute fielen dadurch unverhältnismäßig hohe Belastungen an.

Erfolgreiches Geschäftsjahr 2017

Mit 2017 zeigte sich Janke zufrieden: Der Wachstumskurs habe angehalten, die Dynamik der vergangenen Jahre jedoch etwas nachgelassen. Beim Betriebsergebnis liege man über dem bundesweiten Schnitt der Volks- und Raiffeisenbanken. Die Raiffeisenbank habe sich auch in 2017 "als verlässlicher Partner vor Ort und in der Region präsentiert".

 

Zahlen und Fakten zur bisherigen und zur neuen Raiffeisenbank

  • Das Geschäftsjahr 2017: Vorstandssprecher Gerhard Janke sprach von einem erfolgreichen Geschäftsjahr für die Raiffeisenbank Oberteuringen. Marktanteile seien weiter ausgebaut worden, das Wachstum habe den Erwartungen entsprechend angehalten. Die Bilanzsumme wurde gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent auf 163 Mio. Euro gesteigert (2016: 158 Mio.), es wird ein Bilanzgewinn von 158 995 Euro ausgewiesen (2016: 163 735 Euro). Um 3,9 Prozent auf 295,9 Mio. Euro erhöhte sich das Kundengesamtvolumen. Abgekühlt hat sich hingegen das Kreditgeschäft: Nach einem starken Wachstum um 9,1 Prozent in 2016 ist man zwar immer noch auf Wachstumskurs, aber mit einer Abschwächung auf plus 2,9 Prozent gegenüber 2016. Der Kreditbestand beläuft sich Ende 2017 auf 109,3 Mio. Euro, neue Kredite wurden in Höhe von 21 Mio. Euro bewilligt. Erfreulich auch die Entwicklung der Kundeneinlagen: Ein Plus von 2,4 Prozent auf 125,5 Mio. Euro steht zu Buche. Das Eigenkapital wuchs um knapp sechs Prozent auf 19,8 Mio. Euro und macht solide 12,1 Prozent der Bilanzsumme aus. Aufgegeben wird zum 31. Dezember 2018 das Warengeschäft in Bavendorf. Wiederholter Umsatzrückgang und aufgelaufener Investitionsstau seien laut Janke Gründe für diese Entscheidung gewesen.
  • Die Ausschüttung: Es gibt wie im Vorjahr eine Dividende von 6,0 Prozent. Das sind 98 553 Euro, die auf die Konten der 3354 Mitglieder fließen. 60 000 Euro gehen in die Rücklagen.
  • Das neue Geldhaus: Die künftige Raiffeisenbank Oberteuringen-Meckenbeuren wird über eine Bilanzsumme von rund 285 Mio. Euro und ein Kundenvolumen von rund 500 Mio. Euro verfügen. Hauptsitz wird Oberteuringen sein, Meckenbeuren eine Geschäftsstelle, die bisherigen Zweigstellen in Bavendorf und Oberzell verbleiben.
  • Die Gremien: Der Vorstand der fusionierten Bank besteht aus Gerhard Janke (OT, Sprecher), Robert Thomalla (OT), Robert Stephan (OT), Dieter Wild (MB) und Ralf Ibele (MB). Thomalla wird zum 30. Juni 2018 in den Ruhestand ausscheiden. Im zwölfköpfigen Aufsichtsrat werden folgende sechs Mitglieder aus Oberteuringen sein: Ralf Meßmer (Vorsitzender), Alexander Schmeh, Monika Bucher, Bernhard Jehle, Siegfried Klaese und Jürgen Sprenger.