Offenbar sind die Oberteuringer ein glückliches Völkchen: 97,6 Prozent bewerten die Lebensqualität in ihrer Gemeinde als gut oder sehr gut. Dies ist eine der Kernaussagen der Bürgerbefragung für das Entwicklungskonzept "Oberteuringen 2035", für die die Verwaltung das Stuttgarter Büro Reschl Stadtentwicklung beauftragt hatte. Das Büro Reschl erarbeitet gemeinsam mit Verwaltung und Gemeinderat das Entwicklungskonzept, das im nächsten Jahr beschlossen und in den Folgejahren kontinuierlich umgesetzt und weiterentwickelt werden soll. Zentrales Element von "Oberteuringen 2035" ist der Bürgerdialog: Von Beginn an war es der Wille von Bürgermeister Ralf Meßmer, die Teuringer Bürger miteinzubeziehen. Ein erster Schritt war die Bürgerbefragung, der zweite die Auftaktveranstaltung zum Bürgerdialog, zu der am Mittwochabend knapp 200 Interessierte in die "Post" gekommen waren.

Top-5-Wert aller untersuchter Kommunen

Das wiederum brachte die Planer in Verlegenheit: Weil sie mit einem geringeren Zulauf gerechnet hatten, musste der zum Abschluss vorgesehene gemeinsame Rundgang entlang der sechs Themen-Stellwände ausfallen. Dennoch konnte, wer wollte, nach der Veranstaltung auch seine eigenen Wünsche an die Stellwände schreiben – auch diese Anregungen sollen in den Planungsprozess einfließen. Überrascht waren die Planer jedoch auch von den Ergebnissen der Bürgerbefragung. Nicht nur die 97,6 Prozent seien "ein Top-5-Wert" unter den bislang 50 untersuchten Kommunen des Büros, wie es Planer Philipp König formulierte. Auch der Rücklauf stellt einen Spitzenwert für solche Befragungen dar: 4017 Fragebögen waren ausgeteilt worden, 1717 wurden zurückgegeben, was einer immens hohen Rücklaufquote von 43 Prozent entspricht. Sowohl König wie auch Bürochef Richard Reschl werteten dies als starkes Signal für das Interesse der Oberteuringer an der Zukunftsgestaltung ihrer Gemeinde.

Urban im Dorf: Das neue "Haus am Teuringer" am Rande der alten Ortsmitte.
Urban im Dorf: Das neue "Haus am Teuringer" am Rande der alten Ortsmitte. | Bild: Helmar Grupp

Spagat für die Wohnbaupolitik

Wie sehen die Teuringer ihre Gemeinde? Als positiv wurden der dörfliche Charakter, Überschaubarkeit, Naturnähe, zentrale Lage und das Angebot für den täglichen Bedarf genannt, Nachholbedarf gebe es vor allem beim ÖPNV, als negativ werden zu viel Verkehr und der drohende Verlust des dörflichen Charakters durch die zuletzt stark intensivierte Wohnbaupolitik mit der Ausweisung großer Neubaugebiete am Pfaffenberg gesehen. Letztere Kritik, so König, käme vor allem von Alteingesessenen und älteren Bürgern. Zugleich äußere die jüngere Generation aber Kritik an fehlenden Mietwohnraum und Bauplätzen. Ein Spagat, wie König bekannte, der der Verwaltung eine "Doppelstrategie in der Innen- und Außenentwicklung" empfahl. Der Bürgerdialog soll bereits am kommenden Mittwoch, 17. Oktober, um 18 Uhr im Kulturhaus Mühle mit einer "Zukunftswerkstatt" fortgesetzt werden. Dort können die Bürger dann aktiv ihre Ideen einbringen.

Dörflicher Charakter oder Wachstum?

Ältere und Alteingesessene wünschen sich eine gebremste Baupolitik, die Jüngeren mehr Wohnraum und Bauplätze: "Wir müssen das von beiden Seiten sehen, wollen den Weg aber gemeinsam mit der Bürgerschaft gehen", kommentierte Meßmer die diffizile Aufgabe. Auf Sicht problematisch, so Reschl: Oberteuringen ist eine klassische Wohngemeinde, Gewerbeansiedlungen vor allem im Außenbereich müssten weiter angestrebt werden. Auch in der Umfrage sprach sich die Mehrheit der Bürger für neue Gewerbegebiete aus. Ebenfalls ein Manko, wenn man so möchte: Beim Wohnbau wurden vornehmlich Einfamilienhäuser realisiert, es fehlen aber Mehrfamilienhäuser.

Treffpunkt für die Oberteuringer Jugend: Der Skaterplatz an der Sporthalle.
Treffpunkt für die Oberteuringer Jugend: Der Skaterplatz an der Sporthalle. | Bild: Helmar Grupp

Was kann man für die Jugend tun?

Ein schwieriges Thema, da die Gemeinde vieles von dem, was sich Jugendliche wünschen, nicht selbst steuern kann. In der Umfrage bemängeln die 16- bis 19-Jährigen vor allem die schlechten Busverbindungen und zu langsames Internet. Zumindest beim Breitbandausbau ist die Gemeinde aktiv: Aktuell befindet man sich in Gesprächen über einen Zweckverband mit 16 anderen kleineren Kommunen im Bodenseekreis, Oberteuringen will sich einem solchen Breitband-Zweckverband anschließen. Die Skateranlage an der Sporthalle ist in die Jahre gekommen, der Jugendraum hingegen wird aktuell mit neuen Angeboten wiederbelebt. Dies war auch der meist geäußerte Wunsch in der Umfrage.

Der Außenbereich ist bereits verwaist: Die "Post" schließt zum Jahresende.
Der Außenbereich ist bereits verwaist: Die "Post" schließt zum Jahresende. | Bild: Helmar Grupp

Kultur erfreulich, Gastronomie weniger

Das Kulturangebot in Oberteuringen ist ein Pfund, mit dem die Gemeinde wuchern kann – der "Mühle" sei dank. Die hält mit Musik, Theater und Kleinkunst ein Angebot vor, das es so eigentlich nur in größeren Kommunen gibt. Das sehen in der Umfrage Bürger aller Altersgruppen so – erstaunlicherweise, so König, wünsche sich aber gerade die Generation "50+" gerne noch mehr kulturelle Veranstaltungen. Weniger erfreulich ist aktuell das Thema Gastronomie, auch, weil Ende des Jahres die "Post" schließen wird und es noch keinen neuen Pächter gibt. Die Oberteuringer jedenfalls wünschen sich noch mehr Cafés und Gastronomien im Ort sowie eine noch mehr zum Verweilen einladende Ortsmitte.

Die neuen Pläne für den Schulumbau sollen Ende des Jahres entscheidungsreif sein.
Die neuen Pläne für den Schulumbau sollen Ende des Jahres entscheidungsreif sein. | Bild: Helmar Grupp

Wie geht es mit der Schule weiter?

Einer der wenigen Kritikpunkte in der Bürgerbefragung: "Schlechter Zustand der Schule/endlich renovieren" findet sich unter den Top-10 der "Störfaktoren". Der Schulumbau wurde noch vor Meßmers Amtsantritt von dessen Vorgänger Karl-Heinz Beck auf Eis gelegt, wegen explodierender Kosten. Derzeit wird neu geplant. Er müsse "noch ein bisschen um Geduld bitten", sagte Meßmer. Aktuell werde das Thema gemeinsam mit der neuen Rektorin Julie Adam aufgearbeitet. "Auf Ende des Jahres werden wir einen konkreten Sachstand mit Entscheidungsreife für den Gemeinderat haben", so Meßmer. Eine große Rolle in der Umfrage spielte der Wunsch nach einem noch stärker ausgebauten Ganztagesangebot.